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Maschinen sind die besseren Menschen
Kultur 1 3 Min. 16.02.2019

Maschinen sind die besseren Menschen

"Alita: Battle Angel" 2019 Roberto Rodriguez Rosa Salazar

Maschinen sind die besseren Menschen

"Alita: Battle Angel" 2019 Roberto Rodriguez Rosa Salazar
20th Century Fox
Kultur 1 3 Min. 16.02.2019

Maschinen sind die besseren Menschen

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Roberto Rodriguez' meisterliche Manga-Inszenierung mit einem Hauch Snapchat-Optik überzeugt durch perfekte Balance

Die Zukunft ist düster: Die Welt ist eine riesige Müllhalde, auf der die Armen vom Abfall der Reichen leben. Doch während die Himmelsstadt über dem Chaos thront, erwacht plötzlich auf Erden neue Hoffnung – ausgerechnet in der Gestalt des ebenso schönen wie totbringenden Cyborg-Engels Alita.

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„Warte hier. Und versuch niemanden zu töten“, ermahnt Dyson Ido (Christoph Waltz diesmal als netter Cyberdoktor und Hobby-Kopfgeldjäger) seinen jungen Schützling Alita (Rosa Salazar). Er hat sie – väterlich – aus einem auf dem Müll gefundenen Kopfteil und dem Körper, der ursprünglich für seine behinderte Tochter gedacht war, die ermordet wurde, zur Menschmaschine zusammengebaut.

Doch der fragile Anschein trügt, Alita ist nämlich alles andere als ein zierliches Püppchen, sie hat die Reflexe einer tödlichen Kampfmaschine. An Amnesie leidend, entdeckt sie – mit der kindlichen Begeisterung von Prosperos Miranda – das bunte Chaos der an Kowloons Walled City erinnernden postapokalyptischen Großstadt: Iron City und das über ihr schwebende paradiesische Zalem sind die letzten Zivilisationsüberbleibsel nach einem großen Krieg.

Dabei lernt Alita nicht nur dank dem jungen Hugo (Keean Johnson) die Liebe kennen, sondern muss auch gegen Grewishka (Jackie Earle Haley), den brutalen Cyber-Handlanger des Opportunisten Vector (Mahershala Ali) antreten. Mit ihrem langsam wiederkehrenden Gedächtnis findet Alita dann auch zu ihrer eigentlichen Bestimmung zurück ...

Im 26. Jahrhundert – wie zu Beginn die Einblendung des 20th Century Fox-Logos verrät – gibt es auf der Erde nichts zu lachen: Mit Brot (hier Orangen) und Spielen (dem Motorball, einer Mischung von Einzelkämpfer-Quidditch auf Rollschuhen und Ben-Hur-Pferderennen) sowie der Hoffnung auf ein besseres Leben „da oben“ wird das Volk in seiner Misere in einer klassischen Pattsituation gehalten.

Genau wie bei „Star Wars“, „The Hunger Games“ und „Divergent“-Reihen ist dann auch hier die Messiasfigur ... eine Frau – und eine Maschine dazu.

Während Letztere in „The Terminator“ noch als Bedrohung für die Menschheit daherkam, ist sie nun – in Alitas anmutiger Gestalt – der bessere, sprich humanere da mitfühlendere und gerechtere Mensch: Ein doppelt erfrischender Perspektivwechsel im klassischen Dystopie-Schema, bei der der latente Optimismus erstaunlich gut mit der eigentlichen Brutalität der Kampfszenen harmoniert. Weniger düster als sein „erwachsener“ Counterpart, „Ghost in the Shell“ verliert der Film so trotz seinem Teenieromanzenaspekt weder an Glaubwürdigkeit noch an generationsübergreifender Attraktivität.

Nächste Blockbuster-Franchise

Auf der inzwischen neun Teile umfassenden Manga-Reihe „Gunnm“ von Yukito Kishiro aus den 1990-ern basierend, schöpft Regisseur Roberto Rodriguez voll aus der digitalen Trickkiste – und verliert dabei nie seine Figuren und ihre Geschichte aus dem Blick.

Eigentlich sollte ja James Cameron höchstpersönlich bei „Alita: Battle Angel“ Regie führen, doch dann kam dem Filmemacher u. a. für „The Terminator“ und „Aliens“ bekannt, der geplante vierte Teil seines „Avatar“ in die Quere. Er fungiert noch immer als Produzent und Drehbuch Co-Autor, musste aber seinen Posten an Kollege Robert Rodriguez („From Dusk Till Dawn“ und „Sin City“) abgeben. Für die Zuschauer kein schlechter Tausch, denn Rodriguez ist zwar jünger als Cameron, aber ebenso talentiert und geübt.

Nicht nur rein wegen seiner Optik, die die Hauptfigur mit ihren Riesenaugen ein Air von Snapchat-Heldin gibt, auch weil er im Erzählbogen seiner Geschichte die Mischung zwischen Spannung und Gefühl perfekt zu dosieren weiß, dürfte dieser Kampfengel den Geschmack des Publikums treffen.

Womit Cameron sich dann nach „Avatar“ wohl noch eine zweite Blockbuster-Franchise zurechtgelegt hätte. Trotz allen Charmes den diese Alita verströmt: Wo sind sie nur hin, die guten, alten Zeiten, als nicht jeder Film zwangsläufig wie ein auf großer Leinwand gezeigter Netflix-Serienableger anmutete?