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LuxFilmFest: Opfer der Selbstverleugnung
Pablo verleugnet sich selbst und unterwirft sich einer Umerziehung.

LuxFilmFest: Opfer der Selbstverleugnung

Foto: Tu vas voir
Pablo verleugnet sich selbst und unterwirft sich einer Umerziehung.
Kultur 8 1 2 Min. 16.03.2019

LuxFilmFest: Opfer der Selbstverleugnung

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Die Luxemburger Koproduktion „Temblores“ geht mutig in den Bruch mit der Gesellschaft Guatemalas.

Das südamerikanische Kino hat bei der Berlinale zum Glück seinen festen Platz. Wie wichtig es ist, Filmen eine Plattform zu geben, die es schon in der Produktion und im Vertrieb selbst im Ursprungsland schwer haben, zeigt sich in Projekten wie „Temblores“. Neben „Flatland“ lief er als zweite Luxemburger Koproduktion im Panorama-Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2019. Der jüngste Streifen von Jayro Bustamante, der mit „Ixcanul“ 2015 mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde, ist einer der wenigen guatemaltekischen Filminitiativen, die es überhaupt auf die Leinwand schaffen.

Gesellschaftstabu

Eine echte Branche, Filmförderung und Vertriebsstrukturen gibt es so gut wie nicht in dem sich generell im Aufbau befindenden Land, so Bustamante im Interview. Der 1977 geborene Regisseur, der unter anderem in Paris und Rom studiert hat, hält aber daran fest, dort zu arbeiten, und gleichzeitig bespiegelt er kritisch die Scheinwelten in der Gesellschaft seiner Heimat; wie in diesem Fall durch die Selbstverleugnung und Umerziehung eines Homosexuellen. 

Allein das schon zu zeigen, stellt einen Tabubruch dar, der Bustamante ohne den internationalen Rückhalt nicht so leicht ausführen könnte. Er fürchtet als Reaktion den Einfluss mächtiger Gruppen in seinem Land – und die Folgen für ihn. Dass sein Film jetzt beim LuxFilmFest gezeigt wird bzw. schon in der Produktion durch den Cineworld-Fond des Filmfund und Iris Productions unterstützt wurde, sind weitere wichtige Mutmacher. 

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Die Geschichte: Pablo, eindrücklich gespielt von Juan Pablo Olyslager, hat oberflächlich ein herausragendes Leben – eine wunderschöne Frau, Kinder, einen guten Job und ein Haus in einer geschützten Wohnsiedlung mit Personal. Doch er ist schwul. Und das widerspricht allen Denkkategorien der guatemaltekischen Gesellschaft und dem Bild eines erfolgreichen Mannes. Als seine Beziehung zu Francisco auffliegt, verliert er alles. Erst das Vertrauen seiner Frau, die ihm die Kinder entzieht, dann die Familie und schließlich die Ausgrenzungen der Gesellschaft. Der Druck wird so groß, dass er sich einem Umerziehungsprozess seiner Religionsgemeinschaft unterzieht. Warum wehrt sich dieser Mann nicht und lebt einfach sein schwules Leben an der Seite Franciscos? Er kann es aus Liebe zu seinen Kindern nicht, die nichts von der Homosexualität ihres Vaters wissen. 

Der Film leuchtet diese extreme Selbstverleugnung aus und zeigt die volle Kompromisslosigkeit in dunklen Bildern. Und die wiederum beruht auf den Berichten und Recherchen, die Bustamante zusammengetragen hat. Gerade das macht den Film so eindrücklich. Sonntag 16.30 Uhr im Ciné Utopia, span. OV mit franz. und niederländ. Untertiteln.