Wählen Sie Ihre Nachrichten​

LuxFilmFest -"Made in Luxembourg": "Es war einmal in Deutschland" : Die Kunst des Schönredens
Kultur 1 3 Min. 09.03.2017

LuxFilmFest -"Made in Luxembourg": "Es war einmal in Deutschland" : Die Kunst des Schönredens

"Es war einmal in Deutschland..." wird nach seiner Premiere bei der Berlinale nun auch im Rahmen des LuxFilmFest gezeigt.

LuxFilmFest -"Made in Luxembourg": "Es war einmal in Deutschland" : Die Kunst des Schönredens

"Es war einmal in Deutschland..." wird nach seiner Premiere bei der Berlinale nun auch im Rahmen des LuxFilmFest gezeigt.
Samsa Film
Kultur 1 3 Min. 09.03.2017

LuxFilmFest -"Made in Luxembourg": "Es war einmal in Deutschland" : Die Kunst des Schönredens

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Sam Garbarski ist ein Wiederholungstäter: Mehrere Filme hat der Regisseur seit "Irina Palm", seiner ersten Zusammenarbeit mit Luxemburg, hierzulande koproduziert. Heute Abend feiert Opus Nummer Vier "Made in Luxembourg" - "Es war einmal in Deutschland..." - nach der Berlinale seine Premiere im Großherzogtum. Ein Gespräch.

Interview: Vesna Andonovic - So schnell kann's passieren: Ein erstes, gemeinsames Projekt mit dem Luxemburger Produktionshaus Samsa Film – der 2007 bei der Berlinale präsentierte „Irina Palm“ – und Regisseur Sam Garbarski ist ein Jahrzehnt später, fast schon zum Wahlluxemburger geworden. Nach „Quartier lointain“, nach der gleichnamigen Vorlage des kurzlich verstorbenen, japanischen Manga-Künstlers Jiro Taniguchi, und „Vijay and I“ präsentiert er nun „Es war einmal in Deutschland ...“, der nach Berlin nun auch seine Luxemburger Premiere feiert.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Vier gemeinsame Filme mit einem Luxemburger Produktionshaus: Das kann doch kein Zufall sein. Was gibt Ihnen Luxemburg für Ihre Filme?

Na, Geld ... (lacht) Im Ernst jetzt: Ohne die Unterstützung von Samsa Film und des Film Fund Luxembourg hätte es viele belgische Filme wohl niemals gegeben. Ich arbeite nun seit 15 Jahren dort und fühle mich fast ein wenig Zuhause – und da sind auch noch die hervorragenden Techniker, mit denen ich in Luxemburg zusammenarbeiten kann.

Sam Garbarski arbeitet regelmäßig in Luxemburg und ...
Sam Garbarski arbeitet regelmäßig in Luxemburg und ...
Vesna Andonovic

„Es war einmal in Deutschland ...“ erzählt das Leben von Juden im Nachkriegsdeutschland – mit Humor. Dabei hat der Komiker Pierre Desproges einmal gesagt: „Man kann über alles lachen, nur nicht mit jedem“ ...

Ja, das ist wahr. Es ist immer schwierig, denn man weiß nie, wie das Publikum am Ende dann reagiert. Aber ich bin ohnehin nicht darauf aus, jedem zu gefallen. Doch Humor ist eine Art Medizin – besonders diese jüdische Selbstironie, die eher philosophisch, als lustig ist. Selbstironie verändert eine schlechte Situation zwar nicht, doch es hilft, sie zu ertragen.

Ihr Film wurde bei der Premiere bejubelt, es wurde sogar noch eine zusätzliche Vorführung in Berlin angesetzt. Wie gehen Sie eigentlich mit Kritiken dazu um?

Um ehrlich zu sein: Ganz schlecht. Wenn ich neun gute Rezensionen bekomme und eine schlechte, ist es natürlich diese, die mich am meisten beschäftig.

Moritz Bleibtreu spielt die Hauptrolle des David, der nach Amerika auswandern will ...

Moritz ist ein hervorragender Schauspieler, der seinen Figuren eine unglaubliche Tiefe verleihen kann.

Haben Sie ihm die Rolle auf den Leib geschrieben?

Ja, das habe ich, nachdem er seine Zusage gab, wurde die Figur auf ihn zugeschnitten.

Der Film basiert auf Büchern des Schriftstellers Michel Bergmann ...

Michel Bergmann schickte mir sein Buch mit dem Hintergedanken einer Verfilmung. Seine und meine Familiengeschichte hätte auch die seiner Figuren sein können, auch wenn sie es nicht waren. Ich versuche stets, mich in den Geschichten anderer irgendwie wiederzufinden.

.. bringt dann meist Moritz Bleibtreu mit an Bord.
.. bringt dann meist Moritz Bleibtreu mit an Bord.
Samsa Film

Worin ist Sam denn wie David?

Nun, wahrscheinlich in seiner Art, sich das Leben schön(er) zu reden bzw. zu lügen. Schließlich muss ich ja auch in Luxemburg vor dem Film Fund und anderswo bei Produzenten mein Projekt ein klein wenig „verkaufen“, genau wie ein „Tailacher“. (lacht)

Welche Freiheiten haben Sie sich für Ihre Adaptierung genommen?

Die „Tailacher“ sind nur ein Aspekt im Roman und wir haben für das Drehbuch Teile aus zwei von Michels Büchern verarbeitet. Außerdem haben wir die Figur des David vertieft – und ihm dabei mehr „Probleme“ aufgeladen, als er ursprünglich im Buch hat.

Wie schwierig war es, diese jüdischen Protagonisten zu zeichnen, ohne dabei in die Klischeekiste zu greifen?

Ich habe sie nicht wirklich gezeichnet. Ich hatte sie als Idee in meinem Kopf und durch das Casting sind sie zum Leben erwacht. Das ist das Schöne am Filmemachen: Wenn die Darsteller den Figuren plötzlich richtiges Leben einhauchen und neue Facetten geben.

Fast scheint es, als seien Filme über den Holocaust und seine Folgen irgendwie im Zeitgeist ...

Ich weiß nicht, vielleicht liegt es ja daran, dass Geschichte sich – unglücklicherweise – zyklisch wiederholt und die Flüchtlingskrise Themen wie Flucht, Schmerz und Integration wieder ganz aktuell gemacht hat. Damit zusammen hängt der Film dennoch nicht: Das Timing ist eher ein unglücklicher Zufall. Heute ist das Sinnbild der Hoffnung, das Amerika der 1940er-Jahre, nämlich Deutschland.

Wie haben Sie den Rhythmus der Geschichte bestimmt?

Ich bin kein „technischer“ Regisseur, sondern lasse mich bei meiner Inszenierung meist von meinem Gefühl dafür leiten.

-------------

"Es war einmal in Deutschland", heute Abend um 19 Uhr im Utopolis Kirchberg gezeigt. Deutsche Originalfassung mit französischen und englischen Untertiteln.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

"Filmpräis 2018" politisch gefärbt
Der Fimpräiss 2018 - eine rasante Show mit viel Biss und Sarkasmus, mit politischen Seitenhieben auf Heimattümelei und vor allem der Aufforderung an den staatlichen Filmfonds - "d'Keess op an d'Klacken eraus!"
22.09.2018 Luxemboug, ville, Grand-Théâtre, Lëtzebuerger Filmpraïs 2018,  photo Anouk Antony
Licht aus, Film ab
Elf Tage Filmfestival in Luxemburg, an denen es mehr als vierzig Mal heißen wird: Licht aus, Film ab. Am Donnerstagabend ist der Auftakt mit der Luxemburger Koproduktion "The Breadwinner".
Luxembourg City Film Festival: d’Virbereedungen fir d’Ouverture en Donneschdeg, le 20 Fevrier 2018. Photo: Chris Karaba