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LuxFilmFest abgebrochen: "Brutal und bedauerlich, aber notwendig"
Kultur 3 Min. 14.03.2020

LuxFilmFest abgebrochen: "Brutal und bedauerlich, aber notwendig"

Der künstlerische Leiter des Festivals, Alexis Juncosa, wünscht sich, dass die Jury ihre Preise nachträglich vergibt.

LuxFilmFest abgebrochen: "Brutal und bedauerlich, aber notwendig"

Der künstlerische Leiter des Festivals, Alexis Juncosa, wünscht sich, dass die Jury ihre Preise nachträglich vergibt.
Foto: Guy Wolff
Kultur 3 Min. 14.03.2020

LuxFilmFest abgebrochen: "Brutal und bedauerlich, aber notwendig"

Marc THILL
Marc THILL
An diesem Samstag hätte die Jury des Luxembourg City Film Festivals die besten Filme gekürt. Die Corona-Virus-Epedimie hat dem aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Nachricht kam prompt. Nur Minuten nach der Regierungspressekonferenz am Donnerstag wurde das Ende des Festivals mitgeteilt. Eine herbe Enttäuschung für alle: Zuschauer, Veranstalter, Gäste. Der künstlerische Leiter des Luxembourg City Film Festival, Alexis Juncosa, über eine Entscheidung, die nicht leicht zu treffen war.

Alexis Juncosa, wie groß ist Ihre Enttäuschung?

Sie ist riesig, aber wir sind alle geprägt von Pragmatismus und ziehen es daher lieber vor, mit einer herben Enttäuschung zurechtzukommen, als verantwortungslos zu handeln. Unsere Entscheidung ist insofern die einzig richtige.

Hatten Sie bereits Vorinformationen, bevor der Premierminister vor die Presse trat? Lag ein Krisenplan in der Schublade?

Wir waren vorinformiert, da wir regelmäßig Kontakt mit dem Gesundheitsministerium hatten und deshalb über die Evolution der Pandemie in Luxemburg Bescheid wussten. Natürlich haben wir gehofft, das Festival bis zum Ende austragen zu können. Aber uns war von Anfang an klar, dass, wenn das Virus Überhand nehmen würde, wir das Festival stoppen müssten.


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Können Sie sich damit trösten, dass von elf Festivaltagen am Ende nur drei gestrichen wurden?

Ja, denn wir hatten die Chance, sehr gute Filme im Festival zeigen zu können. Wir hatten bis zum letzten Tag auch ein großes Publikum. Die Zuschauer haben insofern unser künstlerisches Angebot angenommen und uns in unserer Auswahl auch bestätigt. Wir haben jeden Moment dieser Jubiläumsausgabe des Festivals genossen – bis zu dem brutalen und bedauerlichen, aber notwendigen Stopp.

Gab es in den vergangenen Tagen nicht doch einen kleinen Rückgang der Zuschauerzahlen, bedingt durch die schwelende Corona-Krise?

Ja doch. Bei einigen Vorführungen hat man dies tatsächlich an den beiden letzten Tagen erkennen können. Wir lagen aber täglich über den Besucherzahlen des letztjährigen Festivals.

Wird es finanzielle Einbußen für das Festival geben?

Wir sind noch nicht so weit. Wir sind derzeit dabei, das zu stoppen, was noch zu stoppen ist. Wir organisieren die Abreisen unserer Gäste. Wir arbeiten schnell, damit wir auch unsere freiwilligen Mitarbeiter entpflichten können. Das Finanzielle wird unser Verwaltungsrat gemeinsam mit den institutionellen Partnern besprechen, aber ganz klar, wir haben an drei Tagen kein Box-Office, und das sind Einnahmen, die uns fehlen.

Könnte das Festival dadurch in Gefahr geraten? Was ist mit 2021?

Wie bereits gesagt: Zu diesem Zeitpunkt stellen wir uns diese Frage nicht.

Wie haben die Gäste und Jurymitglieder des Festivals auf die Entscheidung reagiert? Entsetzen? Enttäuschung?

Es ist für alle natürlich sehr schmerzlich. Jeder, der im Filmgeschäft tätig ist, hat seine spezifischen Sorgen wegen dieser Pandemie. Jury-Präsidentin Marjane Satrapi hat ihren Film „Radioactive“, an dem sie viele Jahre gearbeitet hat, in dieser Woche in die europäischen Kinos gebracht. Man kann sich leicht vorstellen, was das Abschotten Europas für sie bedeutet.

Jurymitglieder Astrid Bergès-Frisbey, Luc Schiltz, Mike Newell, Alexis Juncosa, Marjane Satrapi, Famke Jansen (v.l.)
Jurymitglieder Astrid Bergès-Frisbey, Luc Schiltz, Mike Newell, Alexis Juncosa, Marjane Satrapi, Famke Jansen (v.l.)
Foto:Guy Wolff

Wird die Jury dennoch Preise vergeben, auch wenn nun das Festival nicht bis zum Ende geht?

Dafür muss sich die Jury zunächst alle Filme angeschaut haben, was bis vergangenen Donnerstag nicht der Fall war. Wir verhandeln derzeit darüber, wie das ablaufen könnte. Eine Videokonferenz der beiden Jurys wäre durchaus machbar. Wir müssen aber den Jurymitgliedern die Filme zustellen, dafür brauchen wir die Rechte der Filmproduzenten.

Werden die Filme, die nicht gezeigt werden konnten, zu einem späteren Zeitpunkt gezeigt? Vielleicht in Form eines LuxFilmFest 2 im Herbst?

Im Herbst arbeiten wir bereits an der Planung des nächsten Festivals, das scheint nicht machbar zu sein. Das liegt eh in der Hand des Verwaltungsrates. Aber nochmals: Eine Art Minifestival im Herbst erscheint mir undenkbar. 



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