Luxemburger Metal-Band toppt die Charts

„Elysian Gates“: Im Vorhof des Paradieses

Erfolg dank guter Musik und digitaler Vertriebswege

Elysian Gates Auftritt
Elysian Gates Auftritt
Elysian Gates

Von Pit Thommes

„Elysian Gates“ nennt sich die derzeit überaus erfolgreiche Luxemburger Symphonic-Metal-Band aus Eischen. Ihre jüngste Singe-Veröffentlichung „Seven Angels“ schoss Anfang August binnen weniger Stunden auf Platz 1 der iTunes-Rock-Charts und versucht sich derzeit gegen nationale wie ausländische Konkurrenz zu behaupten.

Die Luxemburger Metal-Szene ist zu klein, um den Erfolg der Ballade „Seven Angels“ nur damit zu erklären, dass die Genrefans absolut euphorisch sind. Vielmehr hat die sechsköpfige Gruppe den Geschmack des breiteren Publikums getroffen.

Ausgedehnte symphonische Passagen und die prägnante Stimme der Sängerin Jelena lassen nicht nur das nationale Publikum aufhorchen. In Deutschland spielen verschiedene Radiostationen die Songs von „Elysian Gates“. Und sowohl ein Washingtoner als auch ein finnischer Sender wollen sie in ihre Rotation aufnehmen.

Spielen, was Spaß macht

Laut Guy Christen, Gitarrist der Gruppe, arbeiten die sechs Mitglieder für diesen Erfolg mit dem Maximum dessen, was neben Familie und Beruf noch möglich ist. Bis zu zweimal in der Woche wird gemeinsam geprobt, die Hausaufgaben erledigt zusätzlich jeder einzeln.

Gegründet wurde „Elysian Gates“ im Sommer 2010, als sich Sue, Christian, Guy, Andy und Thierry dazu entschlossen, ihre musikalischen Wünsche zu verwirklichen. In Kim, einem ehemaligen Mitglied der Hardcore-Metal-Band „Fast Friday“ fand man einen weiteren Gleichgesinnten.

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Ihr erstes gemeinsames Album „Destination Unknown“ erschien Anfang 2013. Die Auflage von 500 Stück war binnen kurzer Zeit ausverkauft und nachdem sie im Sommer des gleichen Jahres eine luxemburgische Single „Looss mech Kand sinn“ zugunsten der SOS Kinderdörfer veröffentlichten, schlug „Elysian Gates“ 2014 ein neues Kapitel auf.

Der Sänger Andy verließ die Band und mit Jelena, einer gebürtigen Litauerin, fand man schnell einen Ersatz. Laut Christen hat sich an der künstlerischen Ausrichtung der Band aber wenig geändert. Sie spielen weiterhin das, was ihnen Spaß macht.

Der Erfolg der Ballade „Seven Angels“ – neu eingespielt mit Jelenas Stimme – gibt diesem Konzept recht. Nicht zuletzt stieß ihr erster ausländischer Auftritt beim Saarbrückener Altstadtfest auf eine große Resonanz beim Publikum.

iTunes und neue Vertriebswege

Ein Grund für den Erfolg ist vermutlich, dass „Elysian Gates“ zeigt, wie breitgefächert Metal sein kann. Christen wehrt sich gegen eine zu strenge Kategorisierung: Metal sei soviel mehr, als nur lautes Geschrei und harte Gitarrenriffs; genau dies wolle man dem Publikum auch vermitteln. „Seven Angels“, die Ballade gibt es auch in einer 14-minütigen Langfassung, ist dafür vermutlich das beste Beispiel.

Die harte Arbeit von „Elysian Gates“ wäre aber sinnlos, wenn die Band nicht auf eine treue Fangemeinde zählen könnte. Anfang August starrte man dennoch völlig ungläubig auf die Verkaufszahlen, wie Christen versichert: „Wir trafen uns eigentlich zur Probe, konnten dann aber der Single regelrecht beim Aufsteigen zuschauen.“

Dass der Erfolg von „Elysian Gates“ überhaupt in einem kleinen Markt wie Luxemburg messbar wurde, ist nicht zuletzt den digitalen Vertriebswegen zu verdanken. Man sei wohl auch auf Amazon, doch wie Christen betont, sei Luxemburg eben iTunes.

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Das Musikverwaltungsprogramm von Apple, dessen Herzstück der angegliederte Store ist, ermöglicht es unabhängigen Bands und Musikern ein weltweites Publikum zu erreichen.

Drittanbieter wie Tunecore, die für eine kleine, jährliche Pauschale die Lieder auf solche digitalen Handelsplattformen setzen, machen das Ganze zum Kinderspiel. Das Marketing macht man, wie auch „Elysian Gates“, derweil selbst und hält per Webseite, Facebook oder Twitter den Kontakt zu den Fans. Scherzhaft meint Christen noch, dass man natürlich nichts gegen einen Plattenvertrag habe.

Doch dieser ändert nichts daran, dass zunächst die Musik gut klingen muss und beim Publikum auf Anklag stoßen muss. „Elysian Gates“ hat diese Anfangshürde bereits geschafft. Den Markterfolg der Band darf man derweil live im Netz verfolgen.

Mehr Info gibt es auf www.elysiangates.com.