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Luxemburger Filmsektor auch ohne Golden Globe zufrieden
Kultur 2 6 Min. 01.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger Filmsektor auch ohne Golden Globe zufrieden

Bei der Bekanntgabe der Gewinnerin für die beste weibliche Nebenrolle. Den Golden Globe bekam Jodie Foster (oben rechts) für ihre Nebenrolle in dem Polit-Thriller „The Mauritanian“.

Luxemburger Filmsektor auch ohne Golden Globe zufrieden

Bei der Bekanntgabe der Gewinnerin für die beste weibliche Nebenrolle. Den Golden Globe bekam Jodie Foster (oben rechts) für ihre Nebenrolle in dem Polit-Thriller „The Mauritanian“.
Foto: AFP
Kultur 2 6 Min. 01.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Luxemburger Filmsektor auch ohne Golden Globe zufrieden

Bei den Golden Globes vergangene Nacht ging Luxemburg leer aus, zu den großen Gewinnern gehören „Nomadland“, der Auftaktfilm des diesjährigen Luxembourg City Film Festivals, und „Borat Subsequent Moviefilm“.

Von Thierry Hick, Marc Thill und dpa

So nahe war die Luxemburger Filmbranche selten zuvor an einem Golden Globe dran - gleich zwei Koproduktionen waren diesmal nominiert. Aber es sollte nicht sein. 

Bereits um 4 Uhr in der Nacht zum Montag war die Spannung aus Luxemburger Sicht raus: Sowohl „Deux“ von Filippo Meneghetti, koproduziert von Tarantula Productions und nominiert für den Preis des besten nicht-englischsprachigen Film, als auch „Wolfwalkers“ von Tomm Moore und Ross Stewart, koproduziert von Mélusine Productions und nominiert in der Kategorie Bester Animationsfilm,  gingen leer aus.  

Das hauptsächlich in der koreanischen Sprache gedrehte Familiendrama „Minari“ von US-Regisseur Lee Isaac Chung (42), der darin seine eigenen Erfahrungen als Kind koreanischer Einwanderer im ländlichen US-Staat Arkansas einbringt, gewann beim nicht-englischsprachigen Film. Die Trophäe für den besten Animationsfilm, ging an „Soul“ von Disney-Pixar.   

Reaktionen aus Luxemburg

Wir hatten mit Disney den weltgrößten Filmemacher als Konkurrent

Stéphan Roelants

Stéphan Roelants von Mélusine Productions zeigte sich keineswegs enttäuscht: „Europäische Animationsfilme konkurrieren in den USA in einer Kategorie, in der sie stets auf den größten Filmproduzenten der Welt treffen  - Disney - der das gesamte Filmgeschäft in den USA weitestgehend bestimmt, nicht nur im Bereich Animationsfilm. Und das hat halt auch Einfluss auf die Juroren. Das, was man uns bietet, akzeptieren wir,  und in diesem Fall war das eine Nominierung. Damit sind wir schon sehr zufrieden.“

Als nächstes wartet nun auf Mélusine Productions und Cartoon Saloon, die beiden Produzenten von „Wolfwalkers“,  die Oscar-Nominierung. „Wir sind zuversichtlich und  auch weiterhin davon überzeugt, dass wir einen sehr guten und schönen Film produziert haben“, so Stéphan Roelants.

„Eine schöne Nacht“

„Es war schon eine schöne Nacht“, so Donato Rotunno, der  Luxemburger Koproduzent von „Deux“  dem „Luxemburger Wort“ am frühen Montagmorgen gegenüber. Rotunno hat die „Golden Globes“-Nacht live im Internet verfolgt.  Dass die Luxemburger Koproduktion leer ausgeht, dafür hat Rotunno durchaus Verständnis: "Wir haben hier in einer ganz großen Liga mitgespielt. Die ausgezeichneten Filme wurden mit Recht belohnt. Wir sind  vor allem froh, überhaupt dabei sein zu können. Dies ist schon eine ganz große Ehre." Von Enttäuschung kann nicht die Rede sein, so der Luxemburger Produzent.

Wir haben hier in einer ganz großen Liga mitgespielt. Wir sind vor allem froh, überhaupt dabei sein zu können. Dies ist schon eine ganz große Ehre.

Donato Rotunno

Dass es jetzt bei den anstehenden Oscars schwierig sein wird, dessen ist sich Donato Rotunno auch bewusst. „Hätten wir ein Golden Globe bekommen, wäre der Weg sicherlich einfacher gewesen. “

„Deux“ von Filippo Meneghetti  ist auch im Rennen um die Césars und das gleich mit vier Nominierungen: „Bester Debütfilm“, „Bestes Drehbuch“ und dank der Leistung der beiden Schauspielerinnen Martine Chevalier und Barbara Sukowa gleich doppelt in der Kategorie „Beste Schauspielerin“. Die Preisverleihung ist für den 12. März in Paris geplant.

„Es wäre toll, in Paris ausgezeichnet zu werden“, hofft weiterhin Donato Rotunno, der sich darüber freut „25 Jahre nach seinem ersten Film, jetzt auch mit den ganz Großen mitspielen zu können“. 

„Nichtdestotrotz eine internationale Anerkennung“

Der Direktor des Film Fund Luxembourg Guy Daleiden betonte derweil, dass es ihm und der Filmförderung nicht vordergründig um Preise gehe, sondern um die Qualität der Filmindustrie. Das Wichtigste an einem Film seien nicht die Trophäen, bedeutend wie eine Luxemburger Koproduktion zu Entwicklung des Filmsektors mit allem Drum und Dran beitrage. 

Luxemburg produziert nicht maßgeblich für Preise und Trophäen, es geht um die Entwicklung eines Filmsektors.

Film Fund Direktor Guy Daleiden

„Genau das haben wir mit den beiden Nominierungen bereits beweisen können. Dadurch dass die Luxemburger Koproduktionen ,Deux' und ,Wolfwalkers’ überhaupt für die Golden Globes selektioniert und insofern zu den fünf besten in ihren jeweiligen Kategorien gezählt wurden, ist für den Filmdrehstandort Luxemburg eine internationale Anerkennung, das macht die Filme und darüber hinaus auch Luxemburg bekannter.“   

 

Virtuelle Veranstaltung in Los Angeles und New York

Die Golden Globes, nach den Oscars Hollywoods wichtigste Filmpreise, wurden in Beverly Hills und New York zum 78. Mal vergeben. Wegen der Corona-Pandemie lief die Gala diesmal weitgehend virtuell ab, die Nominierten wurden von Standorten in aller Welt zugeschaltet. Die Komikerinnen Tina Fey und Amy Poehler moderierten die Zeremonie von getrennten Bühnen in Kalifornien und New York aus.  


Luxemburg fiebert den Golden Globes entgegen
Zwei Koproduktionen der einheimischen Filmindustrie sind nominiert - Luxemburg ist nahe dran. Eine Überblick und erste Reaktionen der Produzenten.

Das Road-Movie „Nomadland“ von Regisseurin Chloé Zhao hat den Golden Globe als bestes Filmdrama gewonnen. Zhao holte auch die Regie-Trophäe, erst als zweite Frau in der langen Geschichte der Golden Globes. Barbra Streisand war mit "Yentl" (1984) bis jetzt die einzige Regie-Gewinnerin.   In „Nomadland“ spielt Hauptdarstellerin Frances McDormand eine Frau, die nach dem wirtschaftlichen Kollaps einer Kleinstadt ihre Habseligkeiten ins Auto packt und als Nomadin durch die USA fährt. Dieser Film wird übrigens das Luxemburger Filmfestival am kommenden Donnerstag eröffnen.

In der Komödien-Sparte siegte die bissige Satire „Borat Subsequent Moviefilm“ mit dem britischen Komiker Sacha Baron Cohen, der auch den Globe als bester Hauptdarsteller in einer Komödie erhielt. Wie schon 2006 war der Brite durch die USA gereist, kam mit Menschen ins Gespräch und verwickelte sie in mitunter komische oder auch entlarvende Situationen. Sein erster „Borat“-Auftritt hatte ihm ebenfalls die Trophäe eingebracht.

US-Schauspielerin und Sängerin Andra Day (36), die in „The United States vs. Billie Holiday“ die Jazz-Sängerin Billie Holiday verkörpert, wurde zur besten Drama-Darstellerin gekürt.  Dieses Biopic wird bei der Preisverleihung des Luxembourg City Film Festivals 2021 gezeigt.

In der Männerriege wurde Chadwick Boseman posthum für seine letzte Rolle in dem Jazz-Drama „Ma Rainey’s Black Bottom“ als bester Darsteller ausgezeichnet. Boseman war im vergangenen August im Alter von 43 Jahren an Krebs gestorben.  „Er würde Gott danken. Er würde seinen Eltern danken. Er würde seinen Vorfahren für ihre Anleitung und ihre Aufopferung danken“, sagte seine Witwe unter Tränen während der Preisverleihung in der Nacht zum Montag. „Und ich kenne seine Worte nicht, aber wir müssen diesen Augenblick nutzen, um diejenigen zu würdigen, die wir lieben.“


Gibt es wieder einen Oscar für Luxemburg? Man darf gespannt sein.
Luxemburgs Filme: Der "Award-Frühling" 2021
Ob Oscars, Golden Globes, Césars oder Berlinale - Luxemburgs Koproduktionen kämpfen im Frühjahr 2021 um internationale Auszeichnungen.

Die Trophäe „Beste Nebendarstellerin“   ging an Jodie Foster (58) für ihre Nebenrolle in dem Polit-Thriller „The Mauritanian“.  

In der Kategorie beste Miniserie oder Fernsehfilm gewinnt das Schachdrama „The Queen’s Gambit“. Hauptdarstellerin Anya Taylor-Joy (per Video zugeschaltet) holt auch die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie oder einem Fernsehfilm. 

Über die Auszeichnungen des Verbands der Auslandspresse (HFPA) in 25 Film- und Fernsehkategorien entscheiden nur knapp 90 internationale Journalisten, die seit langem in Hollywood arbeiten. Bei den Oscars stimmen über 9000 Filmschaffende ab. Die Academy Awards sollen Ende April vergeben werden.



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