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Literaturpreis für Weltkriegsroman: Wichtigster Pulitzer-Preis geht in die Provinz
Kultur 10 3 Min. 21.04.2015

Literaturpreis für Weltkriegsroman: Wichtigster Pulitzer-Preis geht in die Provinz

Kultur 10 3 Min. 21.04.2015

Literaturpreis für Weltkriegsroman: Wichtigster Pulitzer-Preis geht in die Provinz

Dass die „New York Times“ keine schlechte Zeitung ist, hat sich herumgesprochen. Eine Oase in der Wüste? Keineswegs, wenn man der Pulitzer-Jury glauben darf. Die fand preiswürdige Reporter auch da, wo man nicht gleich sucht.

(dpa) - Die meisten Trophäen hat die „New York Times“ bekommen, aber die große Siegerin sitzt im tiefen Süden, wo man nicht unbedingt erstklassigen Journalismus vermutet: Eine Regionalzeitung aus Charleston in South Carolina hat den wichtigsten der diesjährigen Pulitzer-Preise gewonnen. Die ausgewählten Beispiele zeigen: Es gibt ihn, den herausragenden, aufklärenden, unbestechlichen und erfolgreichen Journalismus.

Vielleicht war das Erfolgsgeheimnis des „The Post and Courier“, dass er sich etwas genommen hat, was es heute in der internetgeprägten Medienlandschaft angeblich kaum noch gibt: Zeit. Die Regionalzeitung aus Charleston - für die meisten Amerikaner ist dieses Blatt ein unbeschriebenes - hat Todesfälle von Frauen untersucht, die als Unfälle, Selbstmorde oder natürliche Tode galten. 300 davon gab es innerhalb von zehn Jahren in South Carolina, ein Staat im tiefen Süden mit knapp fünf Millionen Einwohnern. Und allzu oft würden Polizei und andere Behörden die Augen zumachen, wenn die Todesursache häusliche Gewalt sein könnte.

Die preisgekrönten Bilder:

Die Zeitung habe es geschafft, mit dem Artikel „Bis dass der Tod uns scheidet“ dieses Phänomen auf die Tagesordnung der Politik in dem Bundesstaat zu setzen, lobte die Jury. Damit gewann das Regionalblatt vor der „New York Times“, der „Los Angeles Times“, der „Washington Post“ und dem „Boston Globe“. Dem zollte sogar die „New York Times“ in ihrem Bericht Tribut, die erst über den Scoop der Winzlinge aus Charleston berichtete, bevor es die drei eigenen Preise erwähnte. Die „Times“ hat übrigens gut 1100 Journalisten, der „Post und Courier“ gerade 80. Die große Gewinnerin des 99. Pulitzer-Preises ist eine Zeitung mit einer Auflage von 85 000.

Kleine Zeitungen stehen in der ersten Reihe

Die meisten Preise gewinnen in jedem Jahr die großen Zeitungen aus den großen Städten. Aber es sind in jedem Jahr auch Blätter dabei, von denen man außerhalb ihres Bundesstaates noch nie, oder zumindest selten, etwas gehört hat. Und auch wenn es das erste Mal seit fünf Jahren ist, dass eine so kleine Zeitung den wichtigsten der 14 Pulitzer-Preise für Journalismus gewonnen hat, fallen ungewohnte Namen immer wieder auf. In diesem Jahr heißen sie zum Beispiel „Seattle Times“, „The Buffalo News“ oder „St. Louis Post“.

In Seattle war es die Berichterstattung über einen tödlichen Erdrutsch - aktuell, nah, menschlich, aber ohne zu aufdringlich zu sein. In Buffalo an den Niagarafällen waren es die Karikaturen, die die Jury treffend und entlarvend fand. Und in St. Louis wurden herausragende Bilder von Verzweiflung und Wut nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf einen schwarzen Jugendlichen gemacht.

Diese Regionalzeitungen beweisen nichts weniger, als das ausgezeichneter Journalismus möglich ist, auch wenn man nicht Personalstärke, Ruf und Eigenkapital der ganz großen Blätter in seinem Rücken hat. 

Literaturpreis für "Alles Licht, das wir nicht sehen"

In der Literatursparte hat ein Weltkriegsroman über die Begegnung eines französischen Mädchens und eines deutschen Jungen gewonnen. Dem Buch „Alles Licht, das wir nicht sehen“ von Anthony Doerr wurde am Montag in New York der 99. Pulitzer-Preis für Literatur zugesprochen. Die besten Sachbücher behandelten Themen von Artenvielfalt über Indianer bis hin zum Papst und seiner Beziehung zu Benito Mussolini.

In Doerrs Roman geht es um Marie-Laure, ein blindes französisches Mädchen, und Werner, einen deutschen talentierten Waisenjungen, der von den Nazis gefördert wird. Im deutsch-besetzten Saint-Malo begegnen sich beide. Doerr wurde für seinen „einfallsreichen und komplexen Roman, der von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs inspiriert ist“, gewürdigt. Er schreibe „in kurzen, eleganten Kapiteln, die die menschliche Natur und die widersprüchliche Kraft der Technik erkunden“.


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