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Literatur-Nobelpreisträger V. S. Naipaul gestorben
Der indische Schriftsteller Vidiadhar Surajprasad Naipaul 2008 während des Literaturfestivals in Rom. Der Autor sei im Alter von 85 Jahren am Samstag friedlich gestorben.

Literatur-Nobelpreisträger V. S. Naipaul gestorben

Foto: dpa
Der indische Schriftsteller Vidiadhar Surajprasad Naipaul 2008 während des Literaturfestivals in Rom. Der Autor sei im Alter von 85 Jahren am Samstag friedlich gestorben.
Kultur 12.08.2018

Literatur-Nobelpreisträger V. S. Naipaul gestorben

Der Schriftsteller V. S. Naipaul war nirgendwo ganz zu Hause: Auf Trinidad geboren, mit indischen Wurzeln und britischem Pass. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.

(dpa) - Der Literaturnobelpreisträger V.S. Naipaul ist tot. Der Autor sei im Alter von 85 Jahren am Samstag friedlich gestorben, teilte seine Familie nach Angaben der Agentur PA mit. „Er war ein Riese in allem, was er erreicht hat und er starb im Kreis seiner geliebten Menschen, nachdem er ein Leben voll wunderbarer Kreativität und Streben gelebt hatte“, heißt es in einer Erklärung von Lady Naipaul.

Geboren wurde Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul am 17. August 1932 auf der Karibikinsel Trinidad in eine Familie indischer Herkunft. Ein Stipendium ermöglichte dem 18-Jährigen ein Studium in Oxford. Dort lernte er seine erste Frau Patricia Hale kennen, mit der er bis zu ihrem Tode 1996 verheiratet war.

Nach einigen Jahren als Journalist für britische Medien begann Naipaul Romane zu schreiben. Die ersten spielten noch auf Trinidad. Später erkundete er Afrika, Asien und Lateinamerika und verarbeitete seine Eindrücke in Romanen, Reportagen und Essays.

Ritterschlag und Nobelpreis

In „Land der Finsternis“ (1964, dt. 1997) analysierte er kritisch die Verhältnisse in Indien, dem Land seiner Vorfahren. In „Eine Islamische Reise“ (1981, dt. 1982) wurde er zum Islamkritiker. Der Roman „An der Biegung des großen Flusses“ (1979, dt. 1980) beschrieb Chaos und Gewaltherrschaft in den unabhängig gewordenen Staaten Afrikas.

Naipauls Stärken waren seine klare, schnörkellose Sprache, sein Recherchefleiß und seine Fähigkeit, genau zu beobachten. Er wurde von Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen, 2001 erhielt er den Literaturnobelpreis.

Kritiker warfen V. S. Naipaul neben Arroganz und Ruppigkeit vor, die Welt vor allem aus dem Blickwinkel der Kolonialherren zu betrachten. In der 2008 erschienenen autorisierten Biografie „The world is what it is“ (Die Welt ist, was sie ist) beschrieb der britische Literaturwissenschaftler Patrick French außerdem wenig schmeichelhaft, wie der Nobelpreisträger seine erste Ehefrau und seine langjährige Geliebte über Jahrzehnte demütigte.

In seinem Spätwerk behandelte Naipaul in Romanen wie „Ein halbes Leben“ (2001, dt. 2003) oder „Magische Saat“ (2004, dt. 2005) wieder die Frage von Identität und Heimatlosigkeit. Der weltberühmte Schriftsteller hinterlässt seine zweite Frau Nadira und eine Tochter.