Lisa Berg verstorben

Solo für Cello

Lisa Berg wurde nur 39 Jahre alt.
Lisa Berg wurde nur 39 Jahre alt.
Foto: Marc Wilwert

Von Thierry Hick und Vesna Andonovic

„Hope“, „Hoffnung“, hatte Lisa Berg das Stück genannt, das sie für die Fondation Cancer komponierte und 2014 in der Coque beim „Relais pour la Vie“ uraufführte: Für Minuten wich die Hektik der Solidaritätsveranstaltung einer bewegenden Stille – die Menschen lauschten gebannt dem Klang des Cellos. 

Damals ahnte noch niemand, dass die Musikerin knapp ein Jahr später selbst die schreckliche Diagnose Krebs bekommen sollte. 

Und dennoch prägte auch immer die Hoffnung die Zeit von Lisa Bergs' Kampf gegen die Leukämie. Mit ungebrochenem Lebenswillen und der inneren Kraft, die nur das Gefühl der Hoffnung zu verleihen vermag, stellte sich die Musikerin dem ungleichen Kampf und ging ganz offen mit ihrer Erkrankung um: Ein Hoffnungssträger auch für andere Menschen, die dieses ungerechte Schicksal ereilte.

Am Ende hat sie ihn jedoch verloren: Mit nur 39 Jahren ist die Luxemburger Cellistin Lisa Berg in der Nacht zu Freitag verstorben.

Im Juli 2016 feierte sie ihr Comeback auf der Bühne, nachdem sie den ersten Kampf gegen die Krankheit überstanden hatte und die Prognosen positiver waren.

An der Seite von Bertrand Cantat

2013 hatte die Luxemburger Cellistin die Ehre an der Seite von Bertrand Cantat zu spielen. Der französische Sänger hatte Lisa Berg für sein Song „Droit dans le Soleil“ verpflichtet. Im Mai 2015 trat die Musikerin an der Seite von Cantat und seiner Band Detroit in der Escher Rockhal auf. 

Im selben Jahr rief Lisa Berg zu einem Benefizkonzert für Lambert Schlechter auf, der bei einem Hausbrand große Teile seiner Bibliothek verloren hatte. Eine erste Diagnose der  Krankheit verhinderte jedoch, dass die Musikerin selbst an diesem Abend in der Kulturfabrik teilnehmen konnte . 

 Lisa war ein unglaublich offener Mensch und eine absolut vielseitige Musikerin.

James Chan-A-Sue, der Lisa Bergs' Musik in Szene setzte und gemeinsam mit Vito Labalestra beim Clip „Loopus“ Regie führte, reagierte tief betroffen über den Tod der Musikerin: „Lisa war ein unglaublich offener Mensch und eine absolut vielseitige Musikerin, die sich mit zahlreichen Genres beschäftigte.“ 

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Die Musikerin habe, ob nun alleine im Studio oder auf der Bühne, eine geradezu magische Aura gehabt und so ganz besondere Bedingungen geschaffen, um Musiker und Publikum gleichermaßen in ihren Bann zu ziehen.

Eine Woche lang hatte er Lisa Berg zu den Aufnahmen ihres ersten Solo-Albums im Studio von Peter Gabriel begleitet. 

 Sie war trotz ihrer Krankheit stets ein positiver Mensch – immer hilfsbereit und voller Liebe. Nie hat sie sich beschwert und immer konnte sie lachen.

Der Luxemburger Komponist und Pianist David Ianni lernte die Musikerin in jungen Jahren am Konservatorium von Maastricht kennen: „Wir studierten beide dort und trafen uns erstmals 2005 bei einem gemeinsamen Schülerkonzert. 2013 habe ich den Soundtrack für eine Doku von der ,Stëmm vun der Strooss‘ geschrieben – Lisa war am Cello, ich am Klavier“, erzählt Ianni und erinnert sich weiter: „Sie war trotz ihrer Krankheit stets ein positiver Mensch – immer hilfsbereit und voller Liebe. Nie hat sie sich beschwert und immer konnte sie lachen. Als ich sie noch vor kurzem gesehen habe, sprach sie nicht über sich und ihre Krankheit, sondern fragte, wie es meiner Familie gehe.“