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"Le Mans 66": Ausladend erzähltes Rennfieber
Kultur 3 3 Min. 16.11.2019

"Le Mans 66": Ausladend erzähltes Rennfieber

Christian Bale (l.) und Matt Damon spielen das geniale Rennsportduo Miles/Shelby.

"Le Mans 66": Ausladend erzähltes Rennfieber

Christian Bale (l.) und Matt Damon spielen das geniale Rennsportduo Miles/Shelby.
Foto: 20th Century Fox
Kultur 3 3 Min. 16.11.2019

"Le Mans 66": Ausladend erzähltes Rennfieber

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Das Biopic mit dem Duo Bale/Damon ist schlicht gut gemachtes Kino, aber geht inhaltlich eigentlich komplett am Zeitgeist vorbei.

Die Autowelt diskutiert über neue umweltfreundlichere Antriebe, die einstige Autohochburg Detroit liegt danieder und kämpft mit dem Zeitenwandel, das klassische männliche Heroenideal scheint nur noch als Farce oder als Superheld daherzukommen und Raubeine wurden von erfolgreichen Tech-Nerds als Vorbild überholt. Und dann kommt Hollywood mit dem Streifen „Le Mans 66“ – oder auch im noch duellhafteren Original-Titel „Ford v Ferrari“ – daher.


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Nostalgie an alte Zeiten kommt dann besonders für Oldtimerfans und Schrauber auf, als man ein gutes Auto noch zum Teil selbst ertüfteln konnte – und es, um es richtig auszufahren, noch fahrerisches Können brauchte; als diese Kunst auch noch breit wertgeschätzt, in Rennen zelebriert und perfekte Rundenzeiten auf herausfordernden Strecken zum Sinnbild der Symbiose zwischen Mensch und Maschine wurden.

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Genau diese Kunst steht auch im Zentrum des an realen Ereignissen orientierten Biopics. Als die Ford Motor Company zu betulich wird und mit ihrem Image kämpft, soll 1966 ein Sieg beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans her – so fordert es Henry Ford II. (Tracy Letts). Der legendäre Cobra-Erbauer Carroll Shelby (Matt Damon) und sein sehr britisch aufbrausender, aber technisch genialer Fahrer Ken Miles (Christian Bale) sollen es richten und Ford einen Triumph gegen Enzo Ferrari und seine superschnellen „Spaghettifresser“-Wägen beschaffen. Und die gehen dabei über sich hinaus – wenn auch zu einem hohen Preis.

Wahnsinnige in rasenden Kisten

In 153 Minuten erzählt der Film von Regisseur und Produzent James Mangold, der in den vergangenen Jahren eher für Wolverine-Comic-Verfilmungen stand, dazu noch mehrere weitere Ebenen als die Höhen und Tiefen der kongenialen Männerfreundschaft Shelby/Miles, die beide zu hohen Risiken bereit sind. Es geht um Männer, die gegen innere Widerstände und gegen jene Papiertiger aus dem Ford-Machtapparat kämpfen, die lieber labern und sich mit der Leistung anderer brüsten. Es sind Wahnsinnige in ihren rasenden Kisten, die noch – selbst in den feuerfesten Anzügen brennend – über die perfekte Auslegung des Wagens und die richtige Taktik diskutieren.

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Dann geht es noch um Väter und Söhne, Passion für Technik, den Rausch der Geschwindigkeit bis zur Selbstüberschätzung, aber auch Wertschätzung für Leistungen selbst unter Feinden und leider auch alte Klischeefeindbilder zwischen Europa und den USA. Durchmischt wird das mit dem Kolorit der Jugendzimmererinnerungen einer Generation, die die Helden der Rennstrecke und deren Maschinen noch als Poster an den Wänden hängen hatte.


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Und doch erlaubt sich der Film jenseits von US-Patriotismus und Werbeveranstaltung für Ford, Dunlop und Co. auch Zweifel an den großen Wegbereitern an der Spitze. Hier rücken auch die Menschen hinter den Kulissen nach vorne, die alle Teil des Erfolgs sind. Allerdings dringt doch wieder die Botschaft durch: „Komitees bringen nichts“, zu große Maschinerien und Hierarchien scheitern. Erfolg braucht Kompetenz und Entscheidungsfähigkeit an der Spitze, die finanziellen Möglichkeiten und das Vertrauen, „das Ding“ durchzuziehen – der Film macht das zum Spiel von Alphamännchen in sehr amerikanischer Darstellung.

Spitzbübischer Humor in Dialogen und Szenen hilft dann dabei, die allzu verbissene Jagd nach diesem Erfolg leichter mitzutragen. Frauen? Die sind hier lediglich Beiwerk, Zweiflerinnen oder auch Teil der Passion. Aber immerhin wird nicht den Gridgirls gehuldigt; auch wenn das sicher originalgetreu wäre. Lediglich die Autos werden hier verweiblicht und auf der Strecke angetrieben oder gezähmt.

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Schauspielerisch ist der Film top – und in seiner technischen Machart gut und sauber erzählt. Er lässt sich dazu auch gerne mal Zeit, besonders in der Vater-Sohn-Beziehung von Miles und seinem Sohn Pete. Der Kleine mimt dem Zuschauer vor, wie er sich eine Sekunde später fühlen soll.


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Der Film schafft Spannung auf den Showdown, ohne dass gleich die ganze Welt, aber der Rennerfolg auf dem Spiel steht. Mit offiziell über 96 Millionen-Dollar Budget werden brennende Bremsen und Hitze im Cockpit spürbar. Fans originaler Sprachversionen dürfen gerne überprüfen, ob die im Abspann erwähnten Akzentcoaches für Damon und Bale gute Arbeit geleistet haben – für Nicht-Muttersprachler vielleicht eine Herausforderung. Am Schluss steht dann aber nicht die Sprache, sondern der tiefe beruhigende Sound des Motors, der sogar für Schmerzbewältigung sorgt. Für Europäer eher romantisch-nostalgisch, für Amerikaner überraschend anders. 


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