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Lana Del Rey über Schein und Sein des amerikanischen Traums
Kultur 2 2 Min. 09.04.2021

Lana Del Rey über Schein und Sein des amerikanischen Traums

Lana Del Rey legt mit „Chemtrails Over The Country Club“ ihr siebtes Album vor.

Lana Del Rey über Schein und Sein des amerikanischen Traums

Lana Del Rey legt mit „Chemtrails Over The Country Club“ ihr siebtes Album vor.
Foto: Universal Music
Kultur 2 2 Min. 09.04.2021

Lana Del Rey über Schein und Sein des amerikanischen Traums

Marc Peschke
Marc Peschke
Wiessel mol d'Scheif: Das neue Album „Chemtrails Over The Country Club“ Rey bleibt dem nostalgischen Vintage-Pop treu.

Schon „Video Games“, die 2011 erschienene Single des Lana Del Rey-Albums „Born To Die“, war ein langsames, meditatives Monster. Gerade mit 61 BPM kroch dieser erste Hit der US-Amerikanerin voran. Heute, zehn Jahre später, hat sich die Musik von Lana Del Rey nicht grundlegend verändert. „Chemtrails Over The Country Club“ heißt das siebte Werk, das soeben erschienen ist.

Del Reys Blick auf die USA ist seit jeher geprägt von Nostalgie, den sie mit bitterem Zynismus paart. Und auch auf dem neuen Album geht sie wieder der zentralen Frage ihres Schaffens nach: Was ist aus dem amerikanischen Traum geworden? Ehemals ein Glücksversprechen, zeigt dieser Traum schon lange Risse. 

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Verschwörungstheoretiker... 

Nun sind es „Chemtrails“, die sich über die USA legen: von Verschwörungstheoretikern behauptete Chemikalienstreifen. Giftwolken, die auf kondensierte Flugzeugabgase zurückgehen sollen. Reine Fiktion, doch als Metapher ein starkes Bild. 

Del Reys Blick auf die USA ist seit jeher geprägt von Nostalgie, den sie mit bitterem Zynismus paart.

Weiterhin setzt Lana Del Rey ganz auf ihren opulenten Sound: Akustische Gitarren, viel Klavier, schwüle Hollywood-Streicher in Cinemascope. Stets geht der Blick zurück. Oft klingt sie wie Carole King, covert Joni Mitchells „For Free“. Oder das fast sechs Minuten lange Titelstück. 

... und sonnendurchflutetes Kalifornien  

Das Video dazu muss man gesehen haben, in dem die Sängerin in einem alten Mercedes-Cabrio durch ein sonnendurchflutetes Kalifornien fährt: Ein Land der Swimming Pools und Picknicks, der Partys in luxuriösen Country Clubs, der klackernden Eiswürfel im Glas – das ganze Leben ist eine Erholungsanlage in diesem Video, bis der Film ein drastisches Ende nimmt und weibliche Werwölfe mit funkelnden Augen und fletschenden Zähnen den Mercedes in Flammen aufgehen lassen. Stürme brechen los. Bilder stocken. Flugzeuge hinterlassen Kondensstreifen – ein anderes, dunkles, nächtliches Amerika zeigt sich. 

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Auch die weiteren Stücke des Albums klingen bekannt: hallender, langsamer Road Movie-Pop, verträumte elektronische Balladen, Folk und Country Rock in der Art von Neil Young, Fleetwood-Mac-Reminiszenzen, Slide-Gitarren.

Das Lied, das uns Lana Del Rey singt, ist nicht neu – und sie singt es so langsam wie eh und je. Es gibt einige Momente auf diesem Album, da wünscht man es sich ein wenig flotter – wie schon bei der ersten Nummer „White Dress“, in dem sich Del Rey an ihre Zeit als 19-jährige Kellnerin erinnert. 

Reine Schönheit

Doch eigentlich braucht diese Musikerin aus Los Angeles nicht mehr Geschwindigkeit. Dieser Sound eines vergangenen Amerika, etwa bei „Breaking Up Slowly“, dem Duett mit der Country-Sängerin Nikki Lane: Das alles ist reine Schönheit. 

Und die wirkt auch ganz, ganz langsam, so wie das wunderbare Stück „Let Me Love You Like A Woman“. Es bleibt dabei: Lana Del Rey, inzwischen 35 Jahre alt, hat mit ihrem Vintage-Pop ein ganz eigenes musikalisches Universum geschaffen. Das neue Album ist digital erhältlich, aber auch als CD, Kassette sowie in verschiedenen Vinyl-Ausgaben.

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