Wählen Sie Ihre Nachrichten​

„Der vielleicht letzte Rockstar“
Kultur 3 3 Min. 20.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Kurt Cobain wäre 50 geworden

„Der vielleicht letzte Rockstar“

Als Junkie gestorben - als Legende verehrt.
Kurt Cobain wäre 50 geworden

„Der vielleicht letzte Rockstar“

Als Junkie gestorben - als Legende verehrt.
Foto: AP
Kultur 3 3 Min. 20.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Kurt Cobain wäre 50 geworden

„Der vielleicht letzte Rockstar“

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Kurt Cobain war nicht nur der Inbegriff des Grunge, er wurde zur Symbolfigur einer ganzen Generation. Am 20. Februar wäre er 50 geworden - doch er schaffte nicht einmal seinen 28. Geburtstag.

(dpa) - Wie Kurt Cobain wohl aussähe mit 50? Ergraut? Mit Bauch? Würde er Anzug tragen oder Karo-Hemd? Hätte die exzessive Drogensucht ihn noch weiter gezeichnet? Oder hätte er die Kurve nochmal gekriegt? Sein Nirvana-Bandkollege Krist Novoselic trägt inzwischen Halbglatze, der Dritte im Bunde, Dave Grohl, hat sich dagegen zumindest optisch kaum verändert seit damals.

Welches Schicksal das Leben für Cobain noch bereitgehalten hätte, wird nach jenem schicksalhaften Tag im Jahr 1994 unbeantwortet bleiben. An diesem Montag, dem 20. Februar, wäre Cobain 50 Jahre alt geworden. Doch am 5. April 1994 erschoss er sich in seinem Anwesen in Seattle - wohl im Heroinrausch - mit einer Schrotflinte. „It's better to burn out than to fade away“ schrieb er in seinem Abschiedsbrief, den es tatsächlich - auf T-Shirts gedruckt - zu kaufen gibt.

„Es war eine pathetische Inszenierung“, sagt der Chefredakteur des deutschen „Rolling Stone“, Sebastian Zabel. Und es war ein Selbstmord mit Ansage. Gar nicht lange vor der Tat posiert Cobain mit einer Waffe im Mund, das letzte Nirvana-Album trug den Titel „I Hate Myself And Want To Die“. „Er hat sich mit seinem Selbstmord unsterblich gemacht“, sagt Zabel - wie andere Rockstars vor und nach ihm, die ihren 28. Geburtstag nicht mehr erlebten: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Amy Winehouse, der „Club 27“.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Dazu getrieben hat ihn wohl neben seiner heftigen Heroinsucht auch eine tiefe Depression. Der spektakuläre Dokumentarfilm „Montage of Heck“, den seine Tochter Frances Bean (die noch nicht zwei Jahre alt war, als ihr Vater sich in den Kopf schoss) produziert hat, gibt Einblick in die schwer verletzte Seele eines zwischen den geschiedenen Eltern hin und her geschobenen Jungen. Er zeigt eindrücklich, bewegend, schonungslos und an der Grenze zum Voyeurismus, wie aus einem fröhlichen, begabten kleinen Jungen einen tief trauriger, wütender – wenn auch nicht weniger begabter junger Mann wurde. „Es tat ihm unglaublich weh, bloßgestellt zu werden.“ Einen Satz wie diesen sagt fast jeder über Cobain, der in dem Film zu Wort kommt - auch seine Witwe Courtney Love.

Antiheld, Superstar, Junkie

Mitte der 1980er beginnt Cobain, Musik zu machen – bald auch schon zusammen mit Novoselic. Ein paar Jahre später - am 30. Oktober 1988 - zertrümmert er seine erste Gitarre. So ist es zumindest auf der offiziellen Nirvana-Homepage der Plattenfirma Universal vermerkt. Im September 1991 erscheint das Album „Nevermind“ mit der Hymne einer ganzen Generation: „Smells Like Teen Spirit“. Es katapultiert die Band in Höhen, in denen zumindest Cobain sich nie wohl fühlt. Im April 1992 erscheint die Band auf dem Cover des „Rolling Stone“.

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Der heutige Chefredakteur der deutschen Ausgabe des Musikmagazins, Zabel, hat die Band zweimal getroffen. Einmal vor ihrem Mega-Durchbruch, einmal danach. „Im Gespräch war Kurt Cobain ein übellauniger, maulfauler Mensch, sehr klein“, sagt er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Aber auf der Bühne hat er eine ungeheure Energie ausgestrahlt.“

Was Cobain zeigt, ist damals neu. Er macht Schluss mit Glamour und betont männlichem Macho-Gehabe, zwei der wesentlichen Merkmale des amerikanischen Rock-Zirkus' zu der Zeit. Es ist nicht nur die Grunge-Musik, eine Mischung als Punk und Garagen-Rock, die ihn zum Idol so vieler junger Leute macht, sondern auch er als Person. „Er hat immer eine große Verletzlichkeit zur Schau gestellt und das Breitbeinige und Glamouröse abgelehnt.“ Und das passte in die Zeit. „Die jungen Männer wollten auch nicht mehr solche Männer sein und die Mädchen wollten auch nicht mehr solche Männer haben.“

Cobain sei, so sagt Zabel, „fast der letzte richtig große Rockstar“ gewesen. „Er hat eine Ära, die vom klassischen amerikanischen Rock dominiert wurde, beendet. Er ist natürlich eine legendäre Figur.“ Seine Tochter Frances Bean (heute mit 24 nur wenige Jahre jünger als ihr Vater bei seinem Tod) sieht die Legendenbildung um ihn kritisch. „Wenn er weitergelebt hätte“, so sagte sie einmal, „dann hätte ich einen Vater gehabt. Und das wäre eine unglaubliche Erfahrung gewesen.“

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.



Wer Suizidgedanken hat, sollte mit vertrauten Menschen darüber reden. Oft hilft bereits ein Gespräch, die Situation, zumindest für den Moment, zu verbessern. Wer darüber hinausgehende Hilfsangebote in Anspruch nehmen will, oder sich um nahestehende Personen sorgt, kann sich an SOS Détresse unter 00352-454545 wenden.   

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Rockmusik und Künstliche Intelligenz
Ein Charity-Projekt hat eine Software neue Songs im Stil von Nirvana, den Doors oder Jimi Hendrix schreiben lassen. Das Ergebnis verblüfft.
Als Junkie gestorben - als Legende verehrt.
Ein gar nicht wehmütiger Blick zurück auf Monumente der populären Musik - und auf das, was lange nach ihrer Veröffentlichung davon übrig ist. Zum Beispiel "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band", das am 1. Juni 2017 50 Jahre alt wird.
Beatles4
Als Nirvana-Sänger Kurt Cobain seinem Leben am 5. April 1994 ein Ende setzte, wurde er zur Legende. Seine Tochter hat jetzt einen berührenden Dokumentarfilm produziert, der den Mann hinter dieser Legende begreifen will. Ein Film wie ein Nirvana-Album.
Kurt Cobain of Nirvana during the taping of MTV Unplugged at Sony Studios in New York City, 11/18/93. Photo by Frank Micelotta.  *** Special Rates Apply *** Call for Rates ***