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Kunsthaus „Hariko“: Jetzt soll Schluss sein
Kultur 2 Min. 20.09.2017

Kunsthaus „Hariko“: Jetzt soll Schluss sein

Das ehemalige Sogel-Gebäude in der Rue du Dernier Sol, in dem sich "Hariko" befand, wurde verkauft.

Kunsthaus „Hariko“: Jetzt soll Schluss sein

Das ehemalige Sogel-Gebäude in der Rue du Dernier Sol, in dem sich "Hariko" befand, wurde verkauft.
Foto: Guy Jallay
Kultur 2 Min. 20.09.2017

Kunsthaus „Hariko“: Jetzt soll Schluss sein

Marc THILL
Marc THILL
Das Künstlerhaus "Hariko" in Bonneweg wird wahrscheinlich schließen. Zwei Jahre lang war es eine wichtige Anlaufstelle für Flüchtlinge und Jugendliche. Doch die Leiterin und die Künstler haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Von Sophie Wiessler, Sarah München und Marc Thill (Übersetzung)

Ein bisschen verrückt, etwas schräg, vor allem aber kreativ. So war das Kunsthaus „Hariko“ in Bonneweg, das vom Roten Kreuz initiiert worden war, vor allem um Jugendliche und Flüchtlinge von der Straße zu holen. „War“, denn nun soll Schluss sein. Das Gebäude, in dem „Hariko“ bis jetzt untergebracht ist – eine ehemalige Fabrik in Sogel – wurde an PromoSol verkauft. Jetzt soll QBuild im Auftrag von PromoSol auf diesem Gelände ein neues Projekt planen. Voraussichtlich bis März kommenden Jahres müssen die Künstler ausziehen.

Marianne Donven, Leiterin des Projektes, ist enttäuscht und hofft auf eine schnelle Lösung.
Marianne Donven, Leiterin des Projektes, ist enttäuscht und hofft auf eine schnelle Lösung.
Foto: Anouk Antony

Marianne Donven, Leiterin des Kunsthauses, ist enttäuscht: „Gerade junge Flüchtlinge kamen regelmäßig zu den Workshops, die hier angeboten wurden, es gab einen regen Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft.“

22 Künstler hatten in den verwinkelten Räumlichkeiten des dreistöckigen Gebäudes ihre Ateliers untergebracht. Einzige Bedingung: Sie mussten regelmäßig Workshops für Jugendliche organisieren. Im Angebot standen diverse Ateliers von Breakdance, Graffiti und Schmuckdesign bis Choreografie und Schauspielerei.

Drei der Künstler sind Sophie Medawar, Lucie Majerus und Patrick Galbats. Sie und ihre Künstlerkollegen treffen sich heute Nachmittag, um Näheres über die Zukunft des „Hariko“ zu erfahren. Alle drei hoffen, dass es weitergeht mit „Hariko“. Wenn nicht in Bonneweg, dann an einem anderen Platz. „Das ist auf jeden Fall das Ziel, aber es ist natürlich schwierig, ein geeignetes Gebäude zu finden“, räumt Majerus ein.

Die Designerin und der Fotograf Patrick Galbats hätten erst einmal keine Alternative. „Die Alternativen kosten alle sehr viel Geld. Wir wissen ja alle, wie die Immobilienpreise in Luxemburg sind“, so Galbats.

Aber nicht nur die Künstler, auch die vielen Jugendlichen, die die Kurse im „Hariko“ besuchen, werden bei einer Schließung keine Anlaufstelle mehr haben. „Ich finde das richtig schade. Kunst muss für jeden zugänglich sein, und das fehlt in Luxemburg“, findet Künstlerin Sophie Medawar. Sie und ihre Mitstreiter, wussten zwar, dass das Gebäude jederzeit verkauft werden könnte, aber, „wir haben trotzdem gehofft, noch zwei, drei Jahre dort bleiben zu können“.

Wir fühlten uns wohl hier. Wir hoffen, dass die Stadt Luxemburg uns helfen wird."

Aber auch Hilfsorganisationen und Vereine nutzten das Haus für Veranstaltungen, Anwälte informierten die Flüchtlinge, es gab freien Internetzugang für alle.

„Wir  machen uns Sorgen,  müssen uns anderswo umschauen“, sagt Marianne Donven. „Hier fühlten wir uns wohl. Wir hoffen, dass die Stadt Luxemburg uns helfen wird, damit wir weiterbestehen können.“

Die Leiterin des Kulturhauses hat auch bereits mit dem neuen Eigentümer der Immobilie Kontakt aufgenommen. Sie hat ihn eingeladen. Er solle sich die Werkstätten im Haus „Hariko“ anschauen. Auf diese Einladung hat er allerdings nicht reagiert, und wollte auch nicht gegenüber wort.lu Stellung nehmen.

Sophie Medawar, Lucie Majerus und Patrick Galbats und Marianne Donven hoffen derweil weiter auf ein Happy End. Denn so Medawar: „Eine Stadt ohne lebendige Kunst ist traurig.“

"Hariko" wird derweil am kommenden 7. Oktober seinen zweiten Geburtstag feiern. Mit einem Buffet und viel Musik.


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