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Kunst, Kunden, Kapital
Kultur 3 Min. 21.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Kunst, Kunden, Kapital

Besucher der Kunstmesse Art Cologne gehen am Stand der Galerie Sprüth Magers (D/GB/USA) vorbei.

Kunst, Kunden, Kapital

Besucher der Kunstmesse Art Cologne gehen am Stand der Galerie Sprüth Magers (D/GB/USA) vorbei.
Foto: DPA
Kultur 3 Min. 21.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Kunst, Kunden, Kapital

Thierry HICK
Thierry HICK
Einfach nur schauen oder shoppen? Viele Besucher der Art Cologne stellen sich diese Frage sicherlich nicht. In den Hallen der Kölnmesse wird verhandelt, Kunst verkauft und gekauft und Kapital angelegt. Unter den 210 Galeristen ist auch der Luxemburger Alex Reding.

Florian Berktold ist ein zufriedener Galerie-Leiter. „Wir haben bereits vier Werke verkauft“. Knapp zwei Stunden nach dem Andrang der ersten wohlhabenden und oft älteren „Preview“-Besucher in den drei Hallen der Kölnmesse, läuft das Geschäft von Hauser & Wirth besonders gut. Wie viel kostet Kunst? Auch wenn die Frage in aller Munde ist, wird sie in Köln nicht gestellt und schon gar nicht beantwortet. Das breite Lächeln und zufriedene Gesichter von so manchen Galeriebetreibern – oft in Meetings mit möglichen Kunden beschäftigt – ist ein gutes Omen für die bis Sonntag stattfindende Art Cologne. Die Messe wurde 1967 gegründet und ist somit die älteste Kunstmesse der Welt.

Ein lokales Publikum

„Jede Kunstmesse hat ihren eigenen Charakter. Wenn wir auf einer Messe präsent sind, müssen wir uns den jeweiligen Bedingungen des Landes anpassen. Im Rheinland gibt es eine große Kunstsammler-Tradition. Auch wenn der Markt globalisiert ist, wenden wir uns in Köln an ein sehr lokales Publikum“, unterstreicht Florian Berktold, dessen Galerie in Zürich, London, New York, Los Angeles und Hong Kong aktiv ist.

Gagosian, aus London und New York gehört auch zu den Schwergewichten der Art Cologne. Der „Window Washer“ des amerikanischen Bildhauers Duane Hanson sorgt für Furore auf den Stand der Galerie. Ein Selfie mit dem sehr echt aussehenden Putzmann ist ein absolutes Must. Über die politische Message des Werkes wird resolut nicht gefachsimpelt.

Für den künstlerischen Leiter der Art Cologne, Daniel Hug, „soll sich hier das Geschehen der zeitgenössischen Kunstwelt widerspiegeln.“ Kristian Jarmuschek, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler – ein wichtiger Partner der Kunstmesse – hat einen Wunsch: „Die Menschen sollen ihr Geld für Kunst und nur für Kunst ausgeben.“ Mit den zahlreichen, interessierten Besuchern gleich am ersten Messetag sollte dieser Wunsch in Erfüllung gehen können. Manche Galeristen, wie karsten Greve, lehnen sogar Gespräche mit Pressevertretern ab, die Zeit drängt, das Business läuft. „Ich habe drei Personen, die auf mich warten“.

Daniel Hug (2.v.r.), Direktor der Kunstmesse Art Cologne geht mit dem Galeristen Jona Lueddeckens (l) über den Stand der Galerie Gagosian (USA) am  Kunstwerk "Window Washer" von Duane Hanson vorbei .
Daniel Hug (2.v.r.), Direktor der Kunstmesse Art Cologne geht mit dem Galeristen Jona Lueddeckens (l) über den Stand der Galerie Gagosian (USA) am Kunstwerk "Window Washer" von Duane Hanson vorbei .
Foto: DPA

Rivalitäten und Konkurrenz

Der Luxemburger Alex Reding ist seit 2004 regelmäßig in Köln präsent. Dieses Jahr sind im Portfolio seiner Galerie Nosbaum & Reding Kunstwerke von Damien Deroubaix, Xavier Mary, Barthélémy Toguo, Wawrzyniec Tokarski, Peter Zimmermann, Manuel Ocampo und vom Biennale-Künstler Mike Bourscheid zu finden. Wie seine Kollegen will Reding möglichst „viel verkaufen“. Und doch ist sich der Luxemburger bewusst, dass Rivalitäten und Konkurrenz im Kunstmarkt zum Alltag gehören. Trotzdem führt kein Weg an solchen Kunstmessen vorbei – die Galerien Nosbaum & Reding, Ceysson-Bénétière und Zidoun-Bossuyt aus Luxemburg nehmen an diesem Wochenende an der Art Brussels-Messe teil. „Eine Galerie muss ihre Arbeit und ihre Künstler im Ausland zeigen. Um auf der Kunstweltkarte zu existieren, muss ein Land eine gute Kunstszene haben. Die kann nur durch gute Künstler, Institutionen und Galerien gewährleistet werden. In diesem Bereich sind in Luxemburg noch viele Fortschritte möglich“, unterstreicht Alex Reding, der in Köln wahrscheinlich seine Kosten nicht decken wird.

Zu den Neulingen der Art Cologne gehört die in Paris und London ansässige Kamel Mennour-Galerie. Deren Leiterin Marie-Sophie Eiché-Demester erklärt: „Köln ist eine wichtige Kunststadt in Deutschland. Wir stehen hier im direkten Kontakt mit Institutionen, Museen und Sammlern“ – alles mögliche Käufer. Auf dem Stand der Galerie Von Vertes aus Zürich warten im gedämpften Licht Malereien von Gerhard Richter und Damien Hirst auf einen neuen Besitzer.

Ein Teil der Halle 11.1 im Südbereich der Kölnmesse ist der Moderne gewidmet, die Hallen 11.2 und 11.3 den zeitgenössischen Künstlern. „Köln ist der wichtigste deutsche Standort für die Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert“, weiß Daniel Hug wissen. Auch mit 52 Jahren bleibt die Art Cologne „frisch und spannend“, so Jarmuschek. Auch wenn die nordrhein-westfälische Großstadt seit 2017 einen direkten Konkurrenten hat: die im November zum zweiten Mal stattfindende Art Düsseldorf.



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