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Kummerkasten Kultur
Kultur 3 Min. 29.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Kummerkasten Kultur

Im Musikkonservatorium wird darüber diskutiert, wie die Weichen für die Kulturpolitik in Zukunft gestellt werden sollen.

Kummerkasten Kultur

Im Musikkonservatorium wird darüber diskutiert, wie die Weichen für die Kulturpolitik in Zukunft gestellt werden sollen.
Foto: Lex Kleren
Kultur 3 Min. 29.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Kummerkasten Kultur

Marc THILL
Marc THILL
Der Kulturentwicklungsplan 2018-2028 war das Kernstück der „Assises culturelles“, die am Freitag begonnen haben und an diesem Samstag weitergeführt werden. Im hauptstädtischen Konservatorium berät derzeit die Kulturszene über das Papier.

Der Kulturentwicklungsplan 2018-2028 machte den Auftakt der „Assises culturelles“, die am Freitag begonnen haben und an diesem Samstag weitergeführt werden. Im hauptstädtischen Konservatorium berät die Kulturszene über das 190-Seiten-Dokument, das Jo Kox in den letzten zwei Jahren im Auftrag des Kulturministeriums erarbeitet hat. 61 Vorschläge sind bereits darin enthalten; bis Ende Juli können noch weitere eingereicht werden, die dann bis Ende September in eine Endfassung einfließen werden.


Assises Culturelles 2018, Jo Kox, Foto Lex Kleren
"Es herrscht Umbruchstimmung"
Jo Kox hat im Auftrag des Kulturministeriums die Debattenvorlage für die Assises Culturelles und den Kulturentwicklungsplan 2018-2028 erarbeitet. Im Interview fordert er den Willen, die Vorschläge auch umzusetzen.

Der Autor des Dokumentes präsentierte zunächst seine Arbeit vor rund 300 Kulturschaffenden des Landes. Er betonte dabei, dass eine Kulturentwicklung nicht alleine der Kultur sondern darüber hinaus der gesamten Gesellschaft erlaube, einen Schritt nach vorne zu tun – Bildung, Tourismus, Wirtschaft, Stadtentwicklung.

"Nun erst beginnt die richtige Arbeit"

Eingeteilt in zehn Kapiteln enthalte der Plan Pisten und Vorschläge, kurzfristige bis langfristige, die aber weder abgeschlossen noch in Stein gemeißelt seien, so Kox. Dieser Plan müsse leben, umgesetzt und getragen werden, nicht nur von einer Regierung - er reiche bis ins Jahr 2028. Für Kox ist es eine Version 0.1 – nun erst beginne die richtige Arbeit, im September liege dann die Version 1.0 vor.

Nach Jo Kox ging Staatssekretär Guy Arendt in einem fast einstündigen Bericht ins Detail des Entwicklungsplans, und erklärte die einzelnen Bereiche. Lebendiger wurde die Debatte im Saal als nach der Vorstellung des Plans, das Rundtischgespräch stattfand, an dem Staatssekretär Guy Arendt, Jo Kox, die Direktorin des regionalen Kulturzentrums opderschmelz, Danielle Igniti, und der Kulturkoordinator der Stadt Esch/Alzette, Ralph Waltmans, teilnahmen und das von Christiane Kremer und Claude Mangen moderiert wurde.

"Ein Stück Papier, dem die Visionen fehlen"

Danielle Igniti betonte zunächst, dass der vorgestellte Entwicklungsplan für sie zunächst einmal ein Stück Papier sei, dem aber im Grunde die Visionen fehlten. „Es ist eine administrative Reform des Kulturministeriums, eine gute Arbeit, aber mehr nicht.“ Für sie sei es wichtig, definitiv festzulegen, warum die Menschen Kultur wollten und was Kultur sei.

Jo Kox: "Dieser Plan muss leben, umgesetzt und getragen werden, nicht nur von einer Regierung."
Jo Kox: "Dieser Plan muss leben, umgesetzt und getragen werden, nicht nur von einer Regierung."
Foto: Lex Kleren

Einen kommunalen Kulturentwicklungsplan hat bislang nur die Stadt Esch/Alzette. In Düdelingen habe man eine Schöffenratserklärung, das reiche, so Danielle Igniti. Zehn Prozent des Budgets der Gemeinde Düdelingen fließen in die Kultur.

Ralph Waltmans, Kulturkoordinator in Esch/Alzette, meinte darauf: "Mir ist es wichtig, dass der Plan in Esch/Alzette einstimmig vor einem Jahr von der Stadt votiert wurde. Da sich wenige Monate später die Stadtführung in Esch/Alzette änderte, ist nun sichergestellt, dass der Entwicklungsplan weiter getragen wird". Kultur und Politik sollten sich voneinander loslösen. Zwölf Prozent des Budgets steht der Kultur in Esch/Alzette zur Verfügung. 

"Kultur nicht dem Kulturministerium überlassen"

Rückblickend auf seine zweijährige Arbeit bei der Ausarbeitung des Kulturentwicklungsplans, meinte Jo Kox, er habe in den vergangenen zwei Jahren feststellen können, dass es oft an Transparenz und Dialog unter den Kulturschaffenden fehle. Auch gebe es in der Kultur viele Egos, über die man vielleicht hinwegkommen müsse, worauf Danielle Igniti meinte, ein gesundes Ego zeichne die Kultur aus und genau deshalb werde Kultur gemacht. Für sie ist Kultur aber vor allem zu wichtig, um sie alleine dem Kulturministerium zu überlassen. Kultur müsse ein Bekenntnis der ganzen Regierung sein.

Sie wies auf die Weltausstellung von Dubai hin. Die Wirtschaft wird dort in die Vitrine gestellt, und da man sich Kunst zum Verschönern des Ganzen wünsche, werden Künstler gefrag, die aber über staatliche Fördermittel bezahlt werden. Warum nicht von der Wirtschaft selbst? Das sei wirklich keine Kulturpolitik, meinte die Direktorin des Kulturzentrums opderschmelz.

Aus dem Saal selbst kamen an diesem Freitag etliche Anregungen und Kritiken: Der Kulturentwicklungsplan sei wohl ein Plan, es fehlten aber noch zwei weitere „P“ -   Programm und Prioritäten. Und es fehle diesem Plan zudem eine Legitimierung des Plans durch das Parlament.

Angemerkt wurde auch, dass Kultur ein öffentliches Anliegen bleiben müsse, und nicht ein privates. Dann werde Kultur nämlich zu Entertainment.  


Jo Kox bei den Assises Culturelles 2016
Kulturentwicklungsplan vorgelegt
Das 190 Seiten-Dokument ist die Diskussionsgrundlage für die Beratungen der Assises Culturelles 2018, die ab Freitag, dem 29. Juni, im hauptstädtischen Musikkonservatorium stattfinden.

Ebenso fiel die Bemerkung, dass Kultur auch Freiheit brauche, und ob gerade Plankultur da nicht auch ein Widerspruch sei. Und da Kultur übergreifend sei, wurde die Frage gestellt: Wo befinden sich im Plan die Schnittstellen zur Bildung, zur Landesplanung, zur nachhaltigen Entwicklung, zur Entwicklungshilfe?

Heute auf dem Programm der "Assises culturelles": ab 9 Uhr Rundtischgespräche über Wertschätzung in und von der Kultur sowie über die Situation des freischaffenden Künstlers. Die Abschlussrede hält der Kulturminister Xavier Bettel.


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