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Kulturstaatssekretär in der Chamber-Kommission: Guy Arendt: „Wir haben Lunghi nicht schuldig gesprochen“
Guy Arendt stellte sich der Kulturkommission der Chamber.

Kulturstaatssekretär in der Chamber-Kommission: Guy Arendt: „Wir haben Lunghi nicht schuldig gesprochen“

Foto: Anouk Antony
Guy Arendt stellte sich der Kulturkommission der Chamber.
Kultur 2 Min. 15.11.2016

Kulturstaatssekretär in der Chamber-Kommission: Guy Arendt: „Wir haben Lunghi nicht schuldig gesprochen“

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Die Reaktionen nach der Sitzung der Chamber Kulturkommission zur Causa Lunghi geben einen Fingerzeig zu den politischen Lagern.

(dco) - Am Dienstagmorgen schlug die Stunde der ersten parlamentarischen Auseinandersetzung mit der Causa Lunghi: Kulturstaatssekretär Guy Arendt diskutierte mit der Kulturkommission der Chamber unter anderem, ob Enrico Lunghi Opfer einer medialen Hetzkampagne geworden sei.

Der Auslöser: Einen Tag vor der Sitzung der Chamber-Kulturkommission hatte der Radio- und Fernsehsender das unbearbeitete Videomaterial über seine Website zugänglich gemacht. Jeder, so Arendt, könne selbst sehen und bewerten, wie das Interview zwischen der Journalistin Sophie Schram und Enrico Lunghi abgelaufen sei. Arendt wollte sich gegenüber dem Luxemburger Wort aber auch nicht näher zum Schnitt des RTL-Beitrags in der Sendung „Den Nol op de Kapp“ im Vergleich zum Rohmaterial äußern. „Ich habe der Kommission deutlich gemacht, dass es aber am Commissaire des Disziplinarverfahrens, der alle Parteien höre, sei, über die Schwere dieser Fakten zu entscheiden.“

Das Ergebnis des Verfahrens hat trotz der Kündigung Lunghis insofern Relevanz, als dass er juristisch weiterhin als Staatsbeamter gilt und so dienstrechtlich belangt werden könnte. Eine Bewertung schon vor dem Ergebnis des Verfahrens als „Assassinat médiatique“ – dieses Stichwort soll in der Sitzung gefallen sein – könnte also schon auf eine Entlastung Lunghis hindeuten. Arendt betonte aber gegenüber dem Luxemburger Wort: „Wir als Ministerium sind hier eindeutig an zweiter Stelle im Verfahren. Wir haben Enrico Lunghi nicht schuldig gesprochen, noch Druck auf ihn ausgeübt, sein Amt aufzugeben.“

Harsche Kritik aus den 
Reihen der Opposition

Genau daran schließt sich aber auch die in der Kommission von der Opposition geäußerte Kritik an. Insbesondere die CSV-Abgeordnete Octavie Modert habe die schnelle und nicht überblickende Reaktion von Kulturminister Xavier Bettel stark kritisiert, so ihre Fraktionskollegin und Kommissionsvizepräsidentin, Martine Mergen. „Octavie Modert hat deutlich gemacht, dass sie es nicht verstünde, dass Guy Arendt statt Bettel die Kastanien vor der Kulturkommission aus dem Feuer holen müsse und sich den kritischen Fragen der Opposition stellen müsse.“

Bettel hatte kurz nach der Ausstrahlung des geschnittenen Beitrags Lunghis Verhalten als „inakzeptabel“ bezeichnet und ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Bettel habe reagiert, ohne Lunghi zu hören bzw. sich zu informieren, so die Opposition. „Mehrere Mitglieder der Kommission haben sich geäußert, dass sich das, was RTL zuerst gezeigt habe, und das, was nun im Rohmaterial zu sehen ist, deutlich unterscheidet“, so Mergen. Jeder habe in der Kommissionssitzung, die hitziger als manch andere Debatte in dem Ausschuss ausgefallen sei, „seine Rolle gespielt“, so Claude Adam (Déi Gréng). „Es liegt in der Natur der Sache, dass nun auch politische Lager ihre Positionen beziehen.“

Jenseits der Bewertung des Verhaltens von Lunghi, RTL und des Ministeriums wurde aber auch über weitere Dimensionen des Falls debattiert: „Die Kommission hat auch über die Folgen des Imageschadens für die zeitgenössische Kunst in Luxemburg und das Mudam als Institution gesprochen“, so Adam. Martine Mergen fügte gegenüber dem Luxemburger Wort hinzu, dass die Suche nach einem qualitativen Nachfolger in dieser Situation sicher nicht leicht fallen werde.


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