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Kulturhauptstadt-Eröffnungsfeier: Startschuss in San Sebastián
Kultur 18 2 Min. 24.01.2016

Kulturhauptstadt-Eröffnungsfeier: Startschuss in San Sebastián

Tausende verfolgten das Spektakel vom Ufer aus.

Kulturhauptstadt-Eröffnungsfeier: Startschuss in San Sebastián

Tausende verfolgten das Spektakel vom Ufer aus.
Foto: AFP
Kultur 18 2 Min. 24.01.2016

Kulturhauptstadt-Eröffnungsfeier: Startschuss in San Sebastián

San Sebastián feiert den Beginn des Kulturhauptstadtjahres 2016 – und eröffnet nach mit einem Licht- und Klangspektakel seine symbolische „Brücke des Miteinanders“. Allerdings gab es daran trotz guter Absichten Kritik.

Von LW-Auslandskorrespondent Martin Dahms (San Sebastián)

Der Liedermacher Mikel Laboa aus San Sebastián schrieb 1969 das Lied „Baga, biga, higa“. Der lautmalerische Text kann nichts und alles bedeuten: Hexenspruch vielleicht, kindliches Wortspiel oder Beschwörungsformel.

Die Besucher des Eröffnungsspektakels für das europäische Kulturhauptstadtjahr in San Sebastián am Samstagabend erhielten eine Postkarte mit dem Liedtext in die Hand gedrückt, und irgendwann während des gut halbstündigen Licht- und Klangfestes ertönte die Melodie des Liedes.

Wer sich traute, fiel ein: Baga, biga, higa, laga, boga, sega... Ja, es war eine kurze gemeinsame Beschwörung, dass aus diesem Kulturhauptstadtjahr für San Sebastián ein erfolgreiches Jahr werden solle, und mehr noch: dass sich das Motto dieses Jahres verwirklichen möge – dass die Kultur Brücken für ein friedliches Miteinander baue.

Der Zeremonienmeister dieses Abends war Hansel Cereza, früher einmal Mitglied der katalanischen Truppe Fura dels Baus, die 1992 die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Barcelona auf die Beine stellte, und Zuarbeiter für den Cirque du Soleil, ein Experte also für aufrührende Großereignisse.

Laut, bunt, aber nicht mehr

In San Sebastián machte Cereza mit viel Licht, Feuer, Musik und Artistik aus der María-Cristina-Brücke über den Stadtfluss Urumea eine symbolische „Brücke des Miteinanders“, wobei von seinen guten Absichten beim Publikum kaum mehr als der Eindruck einer lauten und bunten Show ankam. Am stärksten war die Feier in ihren stilleren Momenten: während der (viel zu kurzen) Baga-biga-higa-Beschwörung und in der Anfangssequenz, als sich die Menschen – Akteure und Zuschauer – von den beiden Seiten des Flusses aus einander zuwinkten.

Bürgermeister Eneko Goia benannte während des feierlichen Eröffnungsaktes am Samstag die Herausforderung für seine Stadt und für die Welt: Nicht die Brücke des Miteinanders zu bauen, sondern sie danach täglich zu pflegen und zu bewahren. Das ist die große Beschwörung von San Sebastián 2016.

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Nachtrag aus der LW-Redaktion (dco):

Die Feierlichkeiten wurden am darauf folgenden Sonntag insgesamt sehr unterschiedlich aufgenommen. Der Korrespondent der Nachrichtenagentur DPA, der ebenfalls vor Ort war, bewertete die Eröffnungsfeier sogar als deutlich von Kritik überlagert:

"Die Europäische Kulturhauptstadt San Sebastián hat mit ihrem Programm keinen guten Start erwischt. Eine große Show, die der „unvergessliche Höhepunkt“ der Eröffnungsfeiern sein sollte, kam beim Publikum in der nordspanischen Küstenstadt nicht gut an. Der stellvertretende Bürgermeister Ernesto Gasco bat die Bewohner der baskischen Metropole am Sonntag um Entschuldigung dafür, dass es „keine angemessene Eröffnung“ gegeben habe.

[...] Das Publikum nahm die Show, mit der eine sinnbildliche „Brücke des Zusammenlebens“ dargestellt werden sollte, jedoch ausgesprochen unterkühlt auf. Viele Zuschauer reagierten mit Unverständnis auf die Darbietungen, einige auch mit Pfiffen.

Ein Teil des Publikums war vor allem verärgert darüber, dass die Darbietungen auf den großen Bildleinwänden vielerorts nicht zu sehen waren. „Die Eröffnungsfeier hat die Erwartungen offensichtlich nicht erfüllt“, konstatierte die Zeitung „Diario Vasco“. Das renommierte Madrider Blatt „El País“ meinte: „San Sebastián hätte eine bessere Eröffnung verdient gehabt.“


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