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Kulturentwicklungsplan vorgelegt
Kultur 2 Min. 28.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Kulturentwicklungsplan vorgelegt

Jo Kox bei den Assises Culturelles 2016

Kulturentwicklungsplan vorgelegt

Jo Kox bei den Assises Culturelles 2016
Foto: Luc Deflorenne
Kultur 2 Min. 28.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Kulturentwicklungsplan vorgelegt

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Das 190 Seiten-Dokument ist die Diskussionsgrundlage für die Beratungen der Assises Culturelles 2018, die ab Freitag, dem 29. Juni, im hauptstädtischen Musikkonservatorium stattfinden.

Knapp zwei Jahre nach den Beratungen des Kulturministeriums mit breiten Teilen der Kulturszene legt der eigens bestellte Berater des Ministeriums Jo Kox -  der ehemalige Verwaltungschef des Casino Forum d'Art contemporain und Präsident des Focuna - die erste Fassung des Kulturentwicklungsplans vor, der als politisches Projekt seit 2009 wieder deutlicher im Gespräch ist und mit der Einberufung der Assises 2016 einen festeren Rahmen erhielt. 

Das 190 Seiten-Dokument ist nun die Diskussionsgrundlage für die Beratungen der Assises Culturelles 2018, die ab Freitag, dem 29. Juni, im hauptstädtischen Musikkonservatorium stattfinden sollen.

Screenshot: LW

Auf den Seiten des Dokuments finden sich neben zahlreichen Strukturänderungs- und Gesetzesänderungsvorschlägen insbesondere die Schaffung neuer Institutionen wie einem Luxembourg Art Council und einen Zentrum der Architektur. Insgesamt sind 61 Vorschläge in zehn Themenkapiteln  - gouvernance, création, valorisation du travail culturel et professionnalisation, patrimoine culturel, industries culturelles et créatives, culture en région, action culturelle internationale, éducation artistique et culturelle, culturelle accessible et inclusive, recherche et innovation -  erfasst.

Inwieweit die Politik diesen tiefgreifenden Wandel auch umsetzen will, hängt wohl auch von der Initiative einer neuen Regierung ab Herbst ab. Schon jetzt aber ist dieser Plan einer der dichtesten Strukturpapiere, die im Luxemburger Kulturbetrieb je erarbeitet wurden. Dazu gehören ebenso Budgetanalysen auf nationaler Ebene bzw. auch der Abgleich zur Kulturförderung der Gemeinden, wie philosophische Leitgedanken. Direkte Sparmaßnahmen oder Umverteilungen zugunsten oder wider speziellen Institutionen oder Kulturträgern stehen nicht im Plan. Wohl aber ist einer der Vorschläge, das Kultur- und Medienministerium mit dem Staatsministerium zu verschmelzen -  und damit bisher geteilte Aufgaben (die Filmförderung liegt zum Beispiel aktuell im Medienministerium) zu bündeln.

Kox selbst schreibt zur Herausgabe unter dem Hinweis auf die lange Debatte: "Le plan de développement culturel qui résulte de ces constats et contre-constats est un essai pour se rapprocher d’une vision idéale en partant d’une situation héritée : une carte, une boussole, rien de plus. Son devenir n’est pas achevé et j’espère que le débat public l’enrichira, sans vouloir remettre en question certaines directions claires, basées sur les faits et leur analyse, qu’il a pu établir." 

"New Deal"

Die Vorschläge dieses "New Deals" in der Kulturpolitik sind in knappen Worten der Kapitel stichwortartig umrissen, setzen einen Zeithorizont der Umsetzung an und bemerken Grenzen und Risiken wie auch mögliche Beispiele aus anderen Ländern bzw. Politikfeldern. Allerdings fehlen Angaben zum möglichen Budgetumfang der Maßnahmen. Eine bisher nicht online gestellte Bibliographie mit über 500 Einträgen soll den Plan mit tiefergehender Lektüre ergänzen.

Zunächst sollen aber die Vertreter der Kulturszene über die erste Fassung beraten und sich austauschen können. Dazu sind nicht nur ab Freitag, dem 29. Juni, eine Vorstellung des Plans von Jo Kox gegenüber dem Assises-Plenum vorgesehen, sondern auch Diskussionsrunden bis Samstagnachmittag. Es folgt eine Phase, in der Eingaben an das Ministerium gemacht werden können. Bis zum 31. Juli 2018 können Stellungsnahmen eingereicht werden. Diese sollen in die offizielle "Version 1.0" einfließen, die kurz vor den Wahlen, am 26 September 2018, erst der Chamber-Kultkommission und dann der Presse vorgestellt werden soll. Um aber schon den Schulterschluss zu demonstrieren, sind alle Vertreter, die an den Beratungen 2016 teilgenommen haben, namentlich erwähnt. Ein Zeichen für den gemeinsam getragenen, gesellschafts- und kulturgenreübergreifenden Geist dieses Papiers?


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