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Kulturdiplomatie : "Leidenschaft vermitteln"
Kultur 4 Min. 09.05.2015

Kulturdiplomatie : "Leidenschaft vermitteln"

Filmfund-Direktor Guy Daleiden stellte unter anderem im vergangenen Februar die Filmszene in der Berliner Botschaft vor.

Kulturdiplomatie : "Leidenschaft vermitteln"

Filmfund-Direktor Guy Daleiden stellte unter anderem im vergangenen Februar die Filmszene in der Berliner Botschaft vor.
Foto: Tessy Firtz /Culture.lu
Kultur 4 Min. 09.05.2015

Kulturdiplomatie : "Leidenschaft vermitteln"

Die Auslandsvertretungen des Großherzogtums bemühen sich, die Luxemburger Kulturszene und Künstler in den jeweiligen Ländern vorzustellen und zu fördern. Doch reichen die Mittel dazu aus?

Die Luxemburger Szene und ihre Künstler hätten sich in den letzten Jahren deutlich professionalisiert und drängten mehr ins Ausland, so Ann Muller, die sich in der Luxemburger Botschaft in Berlin um die kulturellen Belange und die Imageförderung des Großherzogtums in Deutschland kümmert.

Doch wie gelingt das mit einem begrenzten Budget und dem Druck, in der Kulturszene einer Millionenmetropole wirklich Akzente für ein kleines Land und seine kreativen Akteure zu setzen? „Ohne langfristiges und gutes Netzwerken und die Unterstützung der Kulturinstitutionen in Luxemburg selbst, geht nur wenig“, betont auch Valérie Quilez, die sich von Paris aus ähnlich um den Kulturaustausch bemüht.

„Niemand in Berlin wartet auf die Luxemburger“, stellt Ann Muller ganz nüchtern fest. „Aber wenn wir uns richtig vernetzen, unsere Künstler ins Gespräch bringen, brauchen wir uns trotz des großen Angebotes hier ganz und gar nicht mit unseren Projekten zu verstecken.“

Dennoch: „brennende Leidenschaft“ bräuchten Menschen wie sie. Der Arbeitstag dauert häufig weit mehr als acht Stunden. „Eine Art ,Beamtenmentalität‘ kann man sich hier nicht leisten. Wir arbeiten mit Steuergeldern und das wollen wir auch so verantwortlich und gut wie möglich für die Luxemburger Kulturszene tun. Und zum Glück unterstützt der Botschafter – wie auch sein Vorgänger – hier sehr die kulturelle Arbeit, und dank der wichtigen Mithilfe zum Beispiel des Musikexportbüros oder der Kuratoren und Mitarbeiter der Institutionen für den Tanz und der Museen können wir hier sehr viel besser arbeiten.“

Ann Muller
Ann Muller
Foto: Privat

Muller stellt wie Valérie Quilez in Paris neben eigenen Veranstaltungen Kontakte zu Kulturtreibenden in Deutschland zusammen und forscht nach Möglichkeit, Luxemburger zum Beispiel in Festivals und Kulturprogramme zu bringen. „Es bringt ja nichts, wenn wir heimatbetonte Wohlfühlveranstaltungen für die hier lebenden Luxemburger machen würden. Selbstverständlich sind die Luxemburger in Deutschland immer zu den Veranstaltungen eingeladen, aber Ziel ist es, die Künstler in neue Zusammenhänge und einen internationalen Kontext zu bringen, die Szene des Landes stärker in das Bewusstsein zu rücken und so auch für ein anderes Image zu sorgen.“

„Das ist sehr viel Vertrauensarbeit auf fast schon persönlicher Ebene, die nicht mit einem Schlag funktioniert. Ich arbeite seit jetzt fünf Jahren und es braucht einfach Zeit, bis sich Türen öffnen und Menschen sich einsetzen“, sagt Quilez. Die Förderung in Deutschland und Frankreich ist vergleichsweise gut ausgebaut. Im Gegensatz zu vielen anderen Auslandsvertretungen gibt es in Berlin den Status einer „Maison Grand-Duché du Luxembourg“ (ebenso wie in Brüssel, Tokio, New York, London und Warschau), die das Außenministerium insgesamt seit 1998 für den stärkeren Kulturtransfer und die Imageförderung eingerichtet hat.

Einen Sonderfall stellt zudem die „Mission culturelle du Luxembourg en France“ dar, die ganz unter der Federführung des Kultusministeriums läuft – obwohl der Dienstsitz zur Botschaft in Frankreich gehört. Diese „Mission culturelle“ sei, so das Kulturministerium, als „Pilotprojekt“ in den Auslandsaktivitäten zu verstehen.

Unterschiedliche Budgetquellen

Das Budget für diese kulturellen Aktivitäten speist sich aus recht verschiedenen Quellen: 60 000 Euro stellt das Außenministerium insgesamt allen Botschaften weltweit im Jahr 2015 für rein kulturelle Projekte zur Verfügung.

145 000 Euro fließen – nach einem internen Verteilerschlüssel – aus dem Außenministerium an die sechs „Maisons“. Allerdings sind diese – laut Titel – „dépenses dans l'intérêt de la promotion de l'image du Luxembourg“ nicht zwingend als reine kulturelle Fördermittel, sondern auch zum Beispiel zur Wirtschaftsförderung zu verwenden.

Aus dem Topf des Kulturministeriums sind dafür aber im Budget 2015 für die „Mission culturelle“ in Frankreich 30 000 Euro vorgesehen. Insgesamt können dann als Auslandsförderung 277 290 Euro für Bezuschussungen und Anfragen von den Botschaften, Konsulaten und Auslandsvertretungen innerhalb der Behörde von Ministerin Maggy Nagel verwendet werden.

Ein Zentralbüro für alle Sparten?

Reicht das und geschieht das im Sinne der Kulturszene? Eine echte, klare, künstlerische oder kulturpolitische Leitlinie existiert offenbar nicht – lediglich steht den Auslandsvertretungen, so das Kulturministerium, ein „Guide pratique“ zur Verfügung. Details dazu nennt die Behörde nicht. Antragsformalitäten im Kultur- und Außenministerium sowie in deren Gremien seien aber klar geregelt.

Entscheidend sind dann reell die Botschaften und die zuständigen Beamten vor Ort – falls es überhaupt eigens für Kulturaufgaben bestellte Staatsdiener gibt – was sie letztlich für die Kulturpflege, die Luxemburger Künstler, die in den Ländern und Regionen leben, tun. Übergreifende Konzepte – wie zum Beispiel Rundreisen von Produktionen, Wanderausstellungen oder Ähnliches – sind kaum entstanden und können sich so auch nicht wirklich entwickeln.

„Es wäre sicher gut, wenn es neben den Musiksparten ähnliche Exportbüros unter einer Art Dachstruktur gäbe. Es ist uns kaum möglich, zum Beispiel Künstler selbst auszuwählen. Das machen die Kuratoren und Fachleute der Institutionen im Großherzogtum auch besser“, so Ann Muller. So eine „Exportstruktur“ stand auch politisch neu im Raum. Im aktuellen Regierungsprogramm der Gambia-Koalition war zu lesen, dass die Regierung prüfen wolle, ein „bureau de promotion nationale et internationale“ einzurichten.


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