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Kult-Festival Rock am Ring wirft Pantera aus dem Line-up
Kultur 3 4 Min. 23.01.2023
Nach Rassismus-Shitstorm

Kult-Festival Rock am Ring wirft Pantera aus dem Line-up

Rock am Ring wird dieses Jahr ohne die viel erwartete Reunion der Metal-Band Pantera stattfinden. Die Ursache dafür liegt in einer Rassismus-Entgleisung von Frontmann Phil Anselmo im Jahr 2016.
Nach Rassismus-Shitstorm

Kult-Festival Rock am Ring wirft Pantera aus dem Line-up

Rock am Ring wird dieses Jahr ohne die viel erwartete Reunion der Metal-Band Pantera stattfinden. Die Ursache dafür liegt in einer Rassismus-Entgleisung von Frontmann Phil Anselmo im Jahr 2016.
Foto: Yuri Murakami/Fotoarena/Sipa USA
Kultur 3 4 Min. 23.01.2023
Nach Rassismus-Shitstorm

Kult-Festival Rock am Ring wirft Pantera aus dem Line-up

Dustin MERTES
Dustin MERTES
Wegen einer rassistischen Entgleisung des Pantera-Sängers bei einem Konzert im Jahr 2016 haben die Rock am Ring-Veranstalter einer Welle der Kritik nachgegeben.

Die Heavy Metal-Band Pantera soll nach heftiger Kritik nun doch nicht bei den Musikfestivals „Rock im Park“ und „Rock am Ring“ spielen. „Die Band Pantera wird nicht wie angekündigt bei Rock im Park und Rock am Ring 2023 auftreten“, teilten die Veranstalter am Montagabend bei Twitter in wortgleichen Statements mit. Der geplante Auftritt hatte in den vergangenen Wochen für viel Kritik gesorgt. 

Line-up ohne Überraschungen 

Als das diesjährige Rock am Ring-Line-up Anfang November angekündigt wurde, hielt sich die Begeisterung vielerorts in Grenzen, überwogen doch im Bandprogramm Wiederholungstäter wie die Toten Hosen oder auch die 2012 noch als originelles Booking gefeierten Tenacious D. Pantera sorgte dabei als einer von wenigen nennenswerten Acts im Metalbereich für positive Rückmeldung, schließlich hatten die Südstaaten-Metaller seit 2000 keine europäischen Bühnen mehr bespielt. 


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Bei der aktuellen Bandzusammensetzung wurden die verstorbenen Bandmitglieder Vinnie Paul (2018) und Dimebag Darrell (2004) durch Anthrax-Drummer Charlie Benante und Gitarrist Zakk Wylde (Black Label Society, Ozzy Osbourne) ersetzt. Diese Pantera-Version, die seit Anfang Dezember 2022 auf Tour ist, wird in Fankreisen eher als eine Art Heavy-Metal-Supergroup denn als klassische Reunion gefeiert.

Doch was sich zunächst als Buchungs-Glücksgriff herausstellte, sorgte in den vergangenen Tagen für einen regelrechten Shitstorm, der sowohl das Kultfestival in der Eifel, als auch das Schwester-Festival Rock im Park in Nürnberg betrifft. Gegen die Metal-Reunion im Line-up regt sich Widerstand, der nicht nur offizielle Statements des Festivals als auch Reaktionen unter den gebuchten Künstlern nach sich zog. Zuletzt meldeten sich unter anderem die Toten Hosen zu Wort. Nun zogen die Veranstalter die Notbremse.

Nach intensiven Gesprächen mit Künstlern, Partnern und Festivalfans habe man sich entschlossen, die Band aus dem Programm zu nehmen. Auch bei der Ankündigung der Line-ups auf den Homepages der Zwillingsfestivals in Nürnberg und am Nürburgring in der Eifel Anfang Juni fehlte die Gruppe nun.  Zusätzliche Kritik hatte es mit Blick auf den Veranstaltungsort gegeben: „Rock im Park“ findet in Nürnberg auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände statt.  

Was war damals passiert?

Am 22. Januar 2016 war Pantera-Sänger Phil Anselmo Teil des sogenannten Dimebash-Konzerts in Hollywood, Kalifornien. Bei der wiederkehrenden Tribute-Veranstaltung spielen jedes Jahr zahlreiche bekannte Musiker aus der Rock- und Metal-Szene zu Ehren des 2003 auf der Bühne erschossenen Pantera-Gitarristen Dimebag Darrell, so auch 2016. Mit von der Party waren nicht nur Pantera-Mitglieder wie Phil Anselmo und Rex Brown, sondern auch Foo Fighters-Frontmann Dave Grohl, Metallica-Bassist Robert Trujillo, der damalige Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo und Machine Head-Sänger Rob Flynn. 

Gegen Ende des Konzerts streckte Phil Anselmo nach einer Ansprache ans Publikum seinen Arm zum Hitler-Gruß und schrie „White Power“ in die Menge. Das Publikum reagierte irritiert und auch unter den teilnehmenden Künstlern äußerte sich zunächst niemand zu dem Vorfall, der dennoch schnell auf YouTube viral ging. 

Anselmo reagierte zunächst wenig einsichtig und kommentierte mit dem Account seiner Plattenfirma Housecore Records unter dem Video: „Ok Leute, das bin ich euch wohl schuldig, aber verdammt, ich habe nur einen Witz gemacht. Es war ein Insider an dem Abend, denn wir haben Weißwein getrunken, hahaha. Ausgerechnet Weißwein. Legt euch mal eine dickere Haut zu. […] Ich liebe jeden Menschen, ich verabscheue jeden Menschen, so einfach ist das. Eine Entschuldigung kriegt ihr von mir nicht.“

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Am deutlichsten meldete sich Machine Head-Frontmann Rob Flynn zu Wort, der auf dem YouTube-Kanal seiner Band ein elfminütiges Video namens „Robb Flynn – Racism in Metal“ hochlud, welches klar Stellung gegen Anselmos Aktion bezog und selbst viral ging. Später verriet er, dass er für seine klaren Worte „tausende Morddrohungen“ erhalten hatte.

Ende Januar reagierte dann auch Anselmo mit einem 1,5-minütigen Entschuldigungs-Video auf YouTube. „Ich bin 1000%ig bereit, mich zu entschuldigen bei jedem, der sich durch das Gesagte angegriffen fühlte“, so Anselmo. Kurz darauf schiebt er nach, dass jeder sich angegriffen fühlen sollte und bittet um eine „weitere Chance“. 

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Anselmo-Show im Atelier storniert

In Europa wurde die anstehende Tour von Anselmos Band Down abgesagt. Auch eine Show in Luxemburg war von der Absage betroffen. Im Atelier blieben demzufolge die Tore am 15. Juni 2016 geschlossen. 

Inwiefern weitere Pantera-Tourdates im kommenden Festivalsommer betroffen sind, ist aktuell nicht bekannt. Pantera ist unter anderem für das im belgischen Dessel stattfindende Graspop Metal Meeting gebucht, die Band-Website zeigt aktuell Konzerte bis ins Jahr 2024.

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Mit Material der dpa  

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