Künstler Nico Hienckes verstorben

Der "Meister des Rosts" ist tot

2011 im Atelier: Nico Hienckes zeigte die Schönheit des Verrosteten.
2011 im Atelier: Nico Hienckes zeigte die Schönheit des Verrosteten.
Foto: Gerry Huberty

(dco) - Wie die Gemeindeverwaltung Wormeldingen nun bestätigte, ist der "Meister des Rosts", Nico Hienckes verstorben. Der 67-jährige galt als eine der bekanntesten Persönlichkeiten an der Mosel.

Allein sein Atelier unterhalb der Weinberge war schon ein echter Hingucker: Die alte Destillerie bei Wormeldingen, die er liebevoll in "op der Wollek" umgetauft und das große Rolltor leuchtendblau angestrichen hatte, war sein Schaffensmittelpunkt.

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Nach 38 Jahren als Grundschullehrer ging er 2010 in den Ruhestand und konnte sich ganz seiner Passion widmen. Seit 1972 hatte er sich künstlerisch engagiert und seine Techniken perfektioniert.  "Die Kunst geht immer weiter. Wenn ich mal ein paar Wochen keine Kunstprojekte mache, fehlt es mir", sagte Hienckes einmal.

In seinen Werken vermischte Hienckes natürliche und künstliche Alterungsprozesse.
In seinen Werken vermischte Hienckes natürliche und künstliche Alterungsprozesse.
Foto: Archiv LW

Pädagoge blieb er dabei immer. Hunderte Schüler in Malkursen und Ateliers lernten von ihm Grundzüge in seine Techniken des künstlichen und natürlichen Patinierens, die er über die Jahrzehnte immer weiter verfeinert hatte. Bücher und DVDs mit Einführungen in seine Arbeit erschienen in den letzten Jahren.  In zahlreichen Ausstellungen wie zuletzt im Differdinger Espace H2O machte er auf sich aufmerksam.

Inspiration war ihm immer die Moselregion, in der er lebte, und deren Farben er einzufangen versuchte. "Es war eine Joggingrunde durch die Weinberge, die mich auf die Idee gebracht hat. Neben dem Pfad lagen Bleche. Durch die Witterung hatte sich Rost gebildet und mir gefiel dieses Farbenspiel unterschiedlicher Brauntöne", sagte er in einem Interview 2011 zu dem Schlüsselerlebnis, die Patina als Stilmittel zu nutzen.

Dieser Verwitterungsüberzug, oft rau und dunkel, entsteht normalerweise erst durch den langsamen Alterungsprozess insbesondere von Metallen. Der Wechsel von Sonne und Feuchtigkeit lässt das Material oxidieren – Eisen wird braun, Kupfer färbt sich grünlich. Über die Jahre entwickelte er daraus ein so prägendes Alleinstellungsmerkmal, dass er auch aus dem Ausland als Kunstlehrer angefragt und geschätzt wurde.

Ein Beispiel: Seine 2016 vorgestellte Stahlskulptur am Kreisverkehr "Kummert" in Grevenmacher ist nur eine seiner Werke im öffentlichen Raum, die bleiben werden.

Nico Hienckes Arbeit "Loscht op Maacher"
Nico Hienckes Arbeit "Loscht op Maacher"
Foto: Commune Grevenmacher