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Kriegstagebuch Albert Schergen: "Die Franzosen kämpfen mit einem wahren Heldenmut"
Bilder der zerstörten Stadt Longwy.

Kriegstagebuch Albert Schergen: "Die Franzosen kämpfen mit einem wahren Heldenmut"

FOTO: EUROPEANA COMMONS
Bilder der zerstörten Stadt Longwy.
Kultur 28.08.2014

Kriegstagebuch Albert Schergen: "Die Franzosen kämpfen mit einem wahren Heldenmut"

Der Kanonendonner hält noch immer an. Heute Morgen zogen wieder frische Truppen vorbei. Es ist ein Thüringer Regiment Landsturm.

„Der Kanonendonner hält noch immer an. Heute Morgen zogen wieder frische Truppen vorbei. Es ist ein Thüringer Regiment Landsturm. Alles Leute in den 40er Jahren und darüber hinaus. Man sieht es denselben an, dass sie das Soldatenleben nicht mehr gewohnt sind. Die 116er, welche bis jetzt die Wachtposten besetzt hielten, sind abgerückt, um die entstandenen Lücken auszufüllen, an ihre Stelle tritt jetzt der Landsturm.

Gegen 10 1/2 Uhr hört man einen fürchterlichen Knall. Von Augenzeugen werden Schilderungen von den Schlachten bei Longwy gemacht, welche die Feder sich sträubt, wiederzugeben. Es liegen dort soviel Leichen, dass an einzelnen Stellen die erschossenen Soldaten fast aufrecht standen. Die Franzosen kämpfen mit einem wahren Heldenmut.

Trotzdem die französischen Soldaten (wenn ich von einzelnen Gefangenen, welche ich gesehen habe, ausschließen darf) schlecht gekleidet sind, so scheinen sie auf einen Krieg doch nicht ganz unvorbereitet gewesen zu sein; diese von deutscher Seite aufgestellte Behauptung trifft jedenfalls nicht zu.

Gegen 6 ½ Uhr erfolgt Knall auf Knall eine fürchterliche Kanonade, welche in Worten nicht zu beschreiben ist. Dies hielt bis ca 9 Uhr an, aber auch dann noch hörte man die Kanonen ununterbrochen donnern. Es heißt, die Deutschen seien über die Grenze in unser Land zurückgetrieben worden und befänden sich zur Zeit in der Nähe von Eischen und der Gaischel. Am Himmel sieht man in dieser Richtung einen feuerroten Schein, wahrscheinlich brennen die Grenzdörfer, welche um Longwy liegen. Ich hörte von einem Bekannten, welcher zu Rad nach Messancy und Arlon gefahren war, dass gegen 3 Uhr in Arlon sich die Nachricht verbreitete, die Franzosen seien im Anzug. Arlon wurde daraufhin von den Fremden sofort geräumt. Es ist jetzt Mitternacht und noch immer hört man die dumpfen Knälle schauerlich herübertönen. Viele Leute werden diese Nacht wohl nicht schlafen gehen.“


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