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Kriegstagebuch Albert Schergen - 13. August 1914: Hier ruhen in Frieden Nr. 14 und Nr. 15
Ein deutscher Soldat, aufgenommen in der Nähe der Ortschaft Wahl.

Kriegstagebuch Albert Schergen - 13. August 1914: Hier ruhen in Frieden Nr. 14 und Nr. 15

FOTO: EUROPEANA COMMONS
Ein deutscher Soldat, aufgenommen in der Nähe der Ortschaft Wahl.
Kultur 12.08.2014

Kriegstagebuch Albert Schergen - 13. August 1914: Hier ruhen in Frieden Nr. 14 und Nr. 15

Alles ruhig, auch heute nichts neues. Auf dem Schobermessfeld herrscht noch das gleiche Leben wie vor Tagen. Die dort biwakirende Artillerie scheint nicht mehr fort zu wollen.

Alles ruhig, auch heute nichts neues. Auf dem Schobermessfeld herrscht noch das gleiche Leben wie vor Tagen. Die dort biwakirende Artillerie scheint nicht mehr fort zu wollen. Die Soldaten verbringen ihre Zeit mit Exerzieren und dem Putzen ihrer Waffen sowie des Pferdegeschirrs. Ich hatte heute Morgen von 10 bis 1 Uhr Dienst im „Roten Kreuz“ (Elisabetherinnen-Klinik). Es liegen hier viele kranke Soldaten. Ich wurde beauftragt, den Ambulanzwagen im Erdgeschoss der Deputiertenkammer zu bestellen, damit verschiedene Kranke in anderen Häusern untergebracht werden könnten.

Heute Morgen wuschen sich zwei Soldaten im Hofe unseres Gebäudes, und da hörte ich den einen fragen, du, welche Nummer hast du denn eigentlich (gemeint war die Nummer auf dem kleinen Blechschildchen, welches ein jeder Soldat an einem Schnürchen hängend auf der bloßen Brust trägt). Derselbe antwortete, ich habe Nummer 14, und du? Ich habe Nummer 15, darauf der erstere, dann werden unsere Hinterbliebenen später auf dem Schlachtfelddenkmal lesen können, hier ruhen in Frieden n°14 und 15 vom … Regiment, worauf beide sich weinend um den Hals fielen. Der Rest des Tages verlief ruhig.

Mit diesem Tagebuch führen wir unsere Leser hundert Jahre zurück in die Geschichte, und zwar in die ersten Tage des Ersten Weltkrieges. Dazu haben wir in unseren eigenen Zeitungsarchiven gestöbert, uns liegt aber auch ein Tagebuch von damals vor, in dem der Schreiber, Albert Schergen, Tag für Tag die Ereignisse von damals akribisch festgehalten hat.