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Kleiner Mann, ganz groß
Kultur 2 2 Min. 21.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Kleiner Mann, ganz groß

Wieder einmal warten große Aufgaben auf Ant-Man alias Scott Lang (Paul Rudd).

Kleiner Mann, ganz groß

Wieder einmal warten große Aufgaben auf Ant-Man alias Scott Lang (Paul Rudd).
Foto: Ben Rothstein/©Marvel Studios 2018
Kultur 2 2 Min. 21.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Kleiner Mann, ganz groß

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Er ist der kleinste aller Superhelden – und wohl deshalb ist die Größe seines Mundwerks umgekehrt proportional zu der seines Körpers. Dabei hat Scott Lang alias Ant-Man titanische Aufgaben zu bewältigen: als getrennt und unter Hausarrest lebender Vater seinem Singledasein ein Ende setzen.

Darüber kann ein Superheld „Made in Hollywood“ nur lachen: Vor Jahren warb die amerikanische Neuauflage von „Godzilla“ mit einem protzigen „Size matters“ um die Gunst des Publikums. Ant-Man setzt nämlich auf das genaue Gegenteil: Dank seines Hightech-Anzugs kann er sich beliebig auf die Größe einer Ameise schrumpfen – und hat in den kleinen Krabbelviechern auch noch als Verbündete eine ganze Armee zu seiner Verfügung.

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Auch wenn sein Ansatz komplett anders, sprich humorvoll statt gruselig ist, weckt der Ameisenmann unweigerlich Erinnerungen an gute alte Schwarz-Weiß-Hollywoodschinken wie „Them!“ (1957) – denn zumindest in dieser freudigen Mischung aus Ekel und Faszination und diesem (Gefühls-) Kribbeln, das Riesenameisen beim Zuschauer auslösen, treffen beide auf einen gemeinsamen Nenner.

Nach seinem ersten Auftritt 2015 und einem Kurzauftritt in „Captain America: Civil War“, der ihm Hausarrest mit FBI-Fußfessel einbrachte, ist der Meisterdieb Scott Lang, ehemals Ant-Man (Paul Rudd) in einer Art Zwangsruhestand.

Doch als Dr. Hank Pym (Michael Douglas) und seine attraktive Tochter Hope van Dyne alias The Wasp (Evangeline Lilly) sich aufmachen, die vor Jahren im Microraum verschollene Mutter und Ur-Wasp Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer) zu retten, muss Scott sich zwischen geregeltem Leben als geschiedener Vater und der großen Liebe entscheiden.

Ironie ist Trumpf

Als dann auch noch mit Ghost (Hannah John-Kamen) eine knallharte Widersacherin auftaucht, die ihre Pläne zum Scheitern bringen könnte, wird es brenzlig ...

In Wasp alias Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) findet der Ant-Man Scott Lang (Paul Rudd) nicht nur im Kampf gegen die Bösen eine passende Partnerin.
In Wasp alias Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) findet der Ant-Man Scott Lang (Paul Rudd) nicht nur im Kampf gegen die Bösen eine passende Partnerin.
Foto: Marvel Studios

Neben den „Guardians of the Galaxy“ ist Ant-Man der Held mit dem erfrischendsten Mundwerk und Humor. Das liegt sicherlich daran, dass er überhaupt kein richtiger Held, sondern eigentlich ein ziemlich banaler Meisterdieb und geschiedener Vater auf heroischen Abwegen ist, der in eine außergewöhnliche Situation hineinschlittert und zum außergewöhnlichen Mann über sich hinauswachsen muss.

Hat er im ersten Film seine Superkräfte – allein durch einen Anzug – erworben, so muss Ant-Man nun beweisen, dass er besagtes Hightechteil auch mit moralischer Größe auszufüllen vermag. Dabei ist das Spannende gerade die Banalität dieses Helden, Ex-Knackis und zuweilen überforderten Vaters, die der üblichen Ethikkeule eine gewinnende Selbstironie entgegensetzt.

Ein überaus angenehmer Side-Kick ist dabei wieder einmal Scotts Partner Luis (Michael Peña), der zwar wenige, doch umso markantere Einsätze hat.

Der perfekte Sommerfilm

Und speziell für eingefleischte Marvel-Fans: Auch der 95-jährige Stan Lee, ehemaliger Marvel-Comics-Chef, der mit Larry Lieber Ant-Man erfand und unter anderem ebenfalls die Vaterschaft von Spider-Man, Hulk, Doctor Strange, Black Panther, den X-Men, Iron Man und Thor für sich beanspruchen kann, hat wieder eine kurzen Cameo-Auftritt.

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Regisseur Peyton Reed, der schon das erste Ant-Man-Opus inszenierte, gelingt so erneut ein ausgewogenes, unterhaltsames und witziges Werk, bei dem die Actionszenen erfreulich nach Handarbeit und nicht nach Computer aussehen.

Der perfekte Sommerfilm – bevor im kommenden Jahr der noch titellose nächste Avengers-Film alle 22 vorherigen Werke des Marvel- Universums in einem großen Showdown zusammenführt.


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