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Kinostart von Vicky-Krieps-Film: Machtspiel "Phantom Thread"
Daniel Day-Lewis (r.) entwirft als Modeschöpfer an seiner Muse Alma (Vicky Krieps) die schönsten Kleider.

Kinostart von Vicky-Krieps-Film: Machtspiel "Phantom Thread"

Foto: Focus Feature
Daniel Day-Lewis (r.) entwirft als Modeschöpfer an seiner Muse Alma (Vicky Krieps) die schönsten Kleider.
Kultur 1 3 Min. 15.02.2018

Kinostart von Vicky-Krieps-Film: Machtspiel "Phantom Thread"

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Lohnt sich der Kinobesuch von „Phantom Thread“? Vicky Krieps verhalf ihre Performance in jedem Fall schon zur nächsten Hollywood-Rolle.

Von Daniel Conrad

Da hat Vicky Krieps gerade erst die Promotion-Tour für „Phantom Thread“ hinter sich, schon zahlt sich ihre furchtlose Performance an der Seite von Legende Daniel Day-Lewis aus. Eine neue Hollwood-Rolle wartet schon. Und das ist auch wirklich verdient.

Kaum ein Film wurde in den vergangenen Wochen in Luxemburg medial so durchdekliniert wie „Phantom Thread“. Mit der öffentlichen Vorpremiere rund um den Presseauftakt des Luxembourg City Film Festivals und ihrem persönlichen Erscheinen hatte Vicky Krieps die Medienvertreter ganz auf ihrer Seite. Und wie die Resonanzen zeigen, will das Publikum auch mehr erfahren: Endlich gibt es mit ihr eine Luxemburgerin, die es schafft, in einer Hollywood-Produktion ihre Qualität zu unterstreichen – selbst wenn sie bei den Oscar-Nominierungen leer ausging.

Wie das US-amerikanische Branchenblatt Variety versichert, geht es aber international schon weiter für sie: mit „The Girl in the Spider’s Web“ von Federico Álvarez – einem Sequel der Verfilmung des Stieg-Larsson-Buchs „The Girl with the Dragon Tattoo“ von David Fincher – hat Krieps ihren nächsten Rollencoup gelandet (auch wenn die früheren Hauptdarsteller Daniel Craig und Rooney Mara ihre Rolle als Lisbeth Salander und Mikael Blomqvist nicht wieder aufnehmen werden; der Filmstart ist Ende November 2018 vorgesehen).

Der internationale Durchbruch scheint geschafft – so vermittelt es zumindest der Variety-Artikel und bezieht sich explizit auf ihre Performance in „Phantom Thread“. Aber neben diesen Branchenzwischentönen, stellt sich für den Zuschauer die Frage, ob „Phantom Tread“ auch insgesamt einen Besuch im Kino vor Ort wert ist. Und diese Geschichte ist nicht jedermanns Sache: Kurz gefasst faltet der Film in 130 Minuten ein Beziehungsmachtspiel im schillernden Kolorit der High Society im England der 1950er-Jahre auf.

Dichtes Beziehungsmachtspiel

Daniel Day-Lewis gibt in seinem offiziell letzten Film den sich mehr für seine Arbeit als an seinen Gefährtinnen und Bewunderinnen interessierenden Modeschöpfer Reynolds Woodcock, der in einem seiner Schaffenstiefs (immer angedeutet durch das Verschmähen des Essens) plötzlich in Alma, einer jungen, Luxemburger Landgasthof-Kellnerin (Krieps), seine neue Muse erkennt.

Er nimmt sie mit nach London, entwirft an ihrer Silhouette die schönsten Kleider (der wie immer hart an sich und für die Leinwand arbeitende Method-Actor Day-Lewis hat sogar, um sich die handwerklichen Bewegungen anzutrainieren, angeblich ein Atelierkleid nachgeschneidert) und geht schließlich eine Beziehung mit ihr ein. Alma aber will diesen Mann weit über ihrer Klasse und lässt sich nicht darauf ein, von ihm einfach wieder abgelegt zu werden wie eine ihre Vorgängerinnen. Und doch scheitert sie zunächst nicht nur an der am Modegeschäft mitregierenden Schwester des Modezars, Cyril (von Lesley Manville herrlich britisch gezüchtigt gespielt).

Alma sucht nach Mitteln, wie sie sich in dieser höheren Gesellschaft diesen Mann zwischen gelebter Routine und Kreativität gefügig macht und an sich bindet. Und da sind die vier Worte „Lëtzebuergesch“ auch ein Zeichen vom Selbstbewusstsein und Eigensinn – nicht nur der Figur Alma, sondern auch von Vicky Krieps als Schauspielerin und als wirklich beeindruckend ebenbürtige psychische Gegenrednerin.

Regisseur Paul Thomas Anderson lässt sie sogar auf düstere Pfade wandeln (auch optisch dunkel inszeniert), um diese Beziehung zu erhalten. Er weidet sich an dem Tauziehen und nur zögerlichen inneren Aufbrechen seiner Protagonisten in großen, eleganten Bildern, dem Mimen in kammerspielartigen Szenen. Das längt den Film ungemein und brennt den Fokus ein. Nicht jedem Zuschauer gefällt das; aber es ist schlicht wunderschön gefilmt. „Phantom Tread“ ist ein Film für die, die mitreden wollen, wie Krieps spielt. Aber dieser Autorenfilm ist trotz guter Kritiken kein Blockbuster.

Auf das eher schräg anmutende Ende dieses Beziehungsmachtspiels angesprochen, beschreibt Vicky Krieps – ohne allzu viel zu verraten – es als „ungewöhnliche, aber für die beiden tragbare Lösung dieses Beziehungsdramas.“


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