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Kinokritik: „Motherless Brooklyn" überrascht als sozialkritischer Krimi
Kultur 1 2 Min. 07.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Kinokritik: „Motherless Brooklyn" überrascht als sozialkritischer Krimi

Kämpfen gegen die Gentrifizierung: Laura Rose (Gugu Mbatha-Raw, l.) und Gabby Horwitz (Cherry Jones).

Kinokritik: „Motherless Brooklyn" überrascht als sozialkritischer Krimi

Kämpfen gegen die Gentrifizierung: Laura Rose (Gugu Mbatha-Raw, l.) und Gabby Horwitz (Cherry Jones).
Foto: Class 5 Films, MWM Studios, Warner Bros. Pictures
Kultur 1 2 Min. 07.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Kinokritik: „Motherless Brooklyn" überrascht als sozialkritischer Krimi

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Allein gegen den skrupellosen und rassistischen Immobilienhai: Das Krimidrama „Motherless Brooklyn“ von und mit Edward Norton im Stil der 1950er-Jahre spielt mehr im Jetzt als es zuerst scheint.

„If“, „if“, „if“, schallt es durch die New Yorker Metro, einen Harlemer Jazz-Club und über Brooklyns Gehwege. Denn unter Druck platzt es aus Lionel Esrogg (Edward Norton) kaskadenartig heraus, er stößt unkontrollierbare Wortspiele aus, oft poetisch und meistens beleidigend. 

Aufgrund seiner Tourette-Störung ist er ein Außenseiter und hat für seinen Job als Detektiv, in dem unauffälliges Leisetreten das Leben erleichtert, nicht gerade die besten Bedingungen – wären da nicht sein exzellentes Gedächtnis und seine Hartnäckigkeit. Beides muss Lionel, von seinen Kollegen zynisch „Freakshow“ genannt, ausreizen, als ihr Boss Frank (Bruce Willis) bei einem Job erschossen wird.

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„If“ rufend folgt Lionel seinem Instinkt und stößt auf Arbeiterviertel mit nicht-weißen Bewohnern, die als Slums diskreditiert und abgerissen werden. Und auf den Stadtkommissar Moses Randolph, der die Macht an sich reißt und über Gesetze hinweg sieht.

Unterkühlt und spannend

„Motherless Brooklyn“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des US-amerikanischen Autors Jonathan Lethem von 1999, der dafür den National Book Critics Circle Award for Fiction gewann. Edward Norton, der 2000 mit der romantischen Komödie „Keeping the Faith“ sein Regiedebüt gab, beweist in seiner kühlen, aber moralischen Verfilmung Gespür für talentierte Starbesetzung und Spannungshöhepunkte. 

Einen entscheidenden Beitrag zu dieser Atmosphäre liefert die Filmmusik von Daniel Pemberton („Yesterday“), die Startrompeter Wynton Marsalis cooljazzig umsetzt. Denn nichts in „Motherless Brooklyn“ ist überdramatisiert oder extrem. Es fließt etwas Blut, es wird etwas geprügelt, es gibt etwas Liebe.


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Man kann sich daran stören, dass – spätestens mit dem Auftauchen von Gentrifizierungsgegnerin Laura (Gugu Mbatha-Raw) – die anfängliche Thrilleratmosphäre gedämpft wird. 

Fans des Genres werden die sarkastische und abgeklärte Härte gängiger Detektivtypen in der Tradition eines Raymond Chandler und seines Philip Marlowe vermissen, die bei Lionel, dem chronisch guten Kerl, nicht vorkommen. Schließlich verfolgt der Film das hehre Ziel, Ideale nicht nur von Gleichheit sondern von Gleichbehandlung zu beschwören. Das wirkt zeitweise aufgesetzt und schablonenhaft.

Drama wider den Rassismus

Trotz Cooljazz und eines Dekors im Stil der 1950er-Jahre ist „Motherless Brooklyn“ also kein Schnüfflerfilm im altmodischen Stil. Das Krimihafte tritt hinter einem Drama über rassistische Sozialpolitik, moderne Stadtplanung und verspätetes Coming-of-Age eines Außenseiters zurück. Das sind viele Themen, die Norton unterbringen muss, wenn er dem Autor Lethem, der Genregrenzen überdehnt, Rechnung tragen will. 

Sehenswert ist der ambitionierte Film dennoch, allein wegen seiner ausbalancierten Stimmungen und seines kniffligen Plots. Und wer will, kann in einer scheinheiligen Rede von Moses Randolph sogar eine Klatsche gegen Trump sehen – erst recht, da dieser Bösewicht von Alec Baldwin verkörpert wird, welcher für seine Trump-Parodien sogar einen Emmy erhielt.  


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