Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Kinokritik: „De Buttek“ – eine Momentaufnahme im Leben von zwölf Schauspielern
Kultur 1 2 Min. 30.11.2019

Kinokritik: „De Buttek“ – eine Momentaufnahme im Leben von zwölf Schauspielern

Änder Jung und Germain Wagner, die beiden Geschäftspartner von "Alter Native" bei der Weihnachtsfeier im Hotel Dirbach-Plage.

Kinokritik: „De Buttek“ – eine Momentaufnahme im Leben von zwölf Schauspielern

Änder Jung und Germain Wagner, die beiden Geschäftspartner von "Alter Native" bei der Weihnachtsfeier im Hotel Dirbach-Plage.
Kultur 1 2 Min. 30.11.2019

Kinokritik: „De Buttek“ – eine Momentaufnahme im Leben von zwölf Schauspielern

Marc THILL
Marc THILL
Der Film lebt von der Improvisation. Mit Sack und Pack sind die Schauspieler, wie ihre Figuren, ins Hotel Dirbach-Plage gezogen und haben dort auch übernachtet – zwölf Nächte lang.

Ein einsames Bistro, zwei Kunden an der Bar, beide mit leerem Blick. Der Wirt wirkt müde und gelangweilt. Die Kamera nimmt sich etwas Zeit, so als müsste der Film noch einmal tief Luft holen, bevor die Schauspieler so richtig loslegen dürfen. Ein gedämpftes Surren ist zu hören, vielleicht das eines Kühlschranks. Plötzlich entfährt es Änder: „Dat ka jo net opgoen.“ Mit leicht empörtem Gesichtsausdruck dreht er den Kopf zu seinem Tresennachbarn, dieser antwortet etwas verschlafen: „Wat mengst du domadder?“ Darauf legt Änder nach: „Ma, mir zwee hei! Mir kënnen dach eleng net esou vill drénken, datt dat fir de Wiert opgeet.“

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Der Film ist lanciert, die bitter-böse Komödie „De Buttek“ nimmt ihren Lauf, Spannung ist da, und der Zuschauer fragt sich, was in anderthalb Stunden noch so alles auf ihn zukommen wird. Eins vorweg: Herzhaftes Lachen steht an und ein ganzes Dutzend Luxemburger Schauspieler sind mit von der Partie – André Jung, Philippe Thelen, Sophie Mousel, Anouk Wagener, Luc Schiltz, Klaus Nierhoff, Martin Engler, Catherine Janke, Germain Wagner, Fabienne Hollwege, Valérie Bodson und Jules Werner.

Luc Feit hat sie alle für sein Regiedebüt in einem Langspielfilm zusammengebracht und gemeinsam mit ihnen ein ganz besonderes Projekt angepackt. Der von Samsa Film produzierte Streifen erzählt die Weihnachtsfeier des Unternehmens „Alter Native“. Wie jedes Jahr am vierten Advent treffen sich alle Filialleiter im kleinen Hotel Dirbach-Plage im Norden des Landes. Das Fest – ein gemütliches Abendessen inklusive Karaoke und Übernachtung – hat Tradition. Nur steht diesmal noch eine wichtige Entscheidung an: Änder, der Geschäftsinhaber, gespielt von André Jung, ist sterbenskrank und er verkündet, seinen Nachfolger und Erben bestimmen zu wollen.

Bonjour Tristesse und Ironie

Der Film lebt von der Improvisation. Mit Sack und Pack sind die Schauspieler, wie ihre Figuren, ins Hotel Dirbach-Plage gezogen und haben dort auch übernachtet – zwölf Nächte lang. Kein Drehbuch, keine vorgeschriebenen Dialoge, dafür aber eine Eigendynamik. Und die Rechnung geht auf: „De Buttek“ überrascht mit schwarzem Humor, viele der Szenen sind urkomisch und absurd – etwa das Rennen mit den Rollatoren oder die Marienfigur der Weihnachtskrippe, die plötzlich in Brand gerät und Hals über Kopf in die Sauer fliegt.

An manchen Stellen tritt der Film allerdings etwas auf der Stelle, kommt dann aber ganz ungeahnt wieder in Fahrt.

Das einsame Hotel an der rauschenden Sauer und der leuchtende wie plärrende Weihnachtskitsch rundherum versprühen einen Hauch Tristesse. Mehrfach rückt die Kamera den Fluss ins rechte Licht.


„De Buttek“ – und zwar gleich doppelt
Luc Feits Improvisationsfilm ohne Drehbuch, aber mit einer Fülle an Luxemburger Schauspielern.

Man könnte fast meinen, auch er spielt seine Rolle – mit Heraklits Flussvergleich: „Man steigt nie zweimal in denselben Fluss.“ Der Film ist insofern im weitesten Sinne auch eine Momentaufnahme im Leben von zwölf Komödianten, die sich für zwei Wochen in einem Hotel zusammengefunden haben und dabei das Werk so entstehen ließen, wie er nun auf der Kinoleinwand gezeigt wird. Würde man ein zweites Mal mit der Kamera diese Geschichte erzählen, käme ein ganz anderes Szenario heraus. Heraklit sagt: „Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

D'Woch am Kino: Dirbach-Plage
Wo liegt Dirbach-Plage? Irgendwo im Ösling, jedenfalls an der Sauer. Dort hat es die Belegschaft von "Alter Native" zu einer Weihnachtsfeier verschlagen. Ein außergewöhnlicher Luxemburger Film.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.