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Kernzelle Kinneksbond Mamer
Kultur 5 5 Min. 05.09.2019

Kernzelle Kinneksbond Mamer

"Orphée et Eurydice" kommt als grenzübergreifende Produktion auf die Bühne.

Kernzelle Kinneksbond Mamer

"Orphée et Eurydice" kommt als grenzübergreifende Produktion auf die Bühne.
Foto: Luc Bertau
Kultur 5 5 Min. 05.09.2019

Kernzelle Kinneksbond Mamer

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Der Kinneksbond-Direktor Jérôme Konen beschwört für die neue Saison die „Politik des Teilens und der Offenheit“.

Vernetzung zum Wohl aller Beteiligten – dieses große Vorhaben, das sich wie ein roter Faden durch die Programmstruktur der neuen Kinneksbond-Saison zieht, macht der Direktor des Kulturzentrums in Mamer zum Markenkern. Jérôme Konen handelt im Sinne gemeinsamer Stärke. 

Wie man das merkt? Schon in den Verweisen auf Kooperationspartner im In- und Ausland. Klar sei eine der Missionen mit anderen Kulturhäusern des Landes – wie dem Kasemattentheater und dem Kulturhaus Niederanven – nationale Koproduktionen zu ermöglichen und sie mit mehr Spielterminen insgesamt an den unterschiedlichen Partnerspielstätten zu zeigen, sagt Konen. So bekommt das Publikum auch den Hinweis – wenn ein Abend Spaß gemacht hat –, wo er noch einmal erlebbar wäre. Da schwingt die Botschaft dieser „Politik des Teilens und der Offenheit“, wie Konen sagt, mit. 

Ein weiteres Beispiel dafür: Zusammen mit dem Team des Mierscher Kulturhaus hat Konen mit „Culture UP!“ ein Veranstaltungspaket für 12- bis 19-Jährige geschnürt und ein pädagogisches Rahmenkonzept dazu erarbeitet. So sind unter anderem für die jungen Zuschauer eigens anberaumte Nachgespräche mit den Künstlern nach den öffentlichen Vorstellungen vorgesehen, um den Abend noch verständlicher zu machen – ein Invest in ein zukünftiges Publikum. 

Workshops in Schulen von Künstlern, die in Mamer zu Gast sind, kommen obendrauf. Knapp bemessene Personalstärke Das alles stemmt Konen neben der normalen Spielbetriebsabwicklung mit einem Team von – inklusive ihm – sechs Mitarbeitern. Das ist knapp bemessen. 

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Bei den Millioneninvestitionen um den Kinneksbond herum, scheinen im Mamer Gemeindehaushalt doch Spielräume zu sein, für Erleichterung im Kulturzentrum sorgen zu können – und nicht nur auf das Engagement des Teams weit jenseits der üblichen Arbeitszeiten zu vertrauen. 


„The Ephemeral Life of an Octopus“ feiert an diesem Freitag Premiere im Kinneksbond.
Tanzstück zeigt den Körper als ein fremdes Tier
„Das Schöne interessiert mich nicht.“ Choreografin Léa Tirabasso erforscht mit ihrem neuen Tanzstück „The Ephemeral Life of an Octopus“ die seltsamen Phasen des Körpers und verarbeitet eine Krebserkrankung.

Aktuell liegt der Etat der Gemeinde für die Arbeit des Hauses bei 350.000 Euro pro Jahr (plus Betriebskosten), 165.000 Euro steuert zusätzlich das Kulturministerium bei. „Wir bekommen viel gestemmt. Aber wir würden uns zum Beispiel einen Theaterpädagogen und Mediator wünschen, der genau diese Arbeit zwischen Bühne und Publikum noch besser umsetzen kann“, sagt Konen. 

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„Ganz generell möchten wir die vierte Wand durchbrechen und das Publikum ob jung oder alt so nah wie möglich an die Künstler heranführen.“ Dass sich die Arbeit der letzten Jahre in dieser Hinsicht gelohnt hat, macht Konen an einem Beispiel klar: „Wir gelten im Land sicher als eine der stärksten Bühnen, wenn es um Tanz geht. Und inzwischen haben wir ein Publikum, das sich selbst bei scheinbar weniger zugänglichen Stücken aus dem zeitgenössischen Tanz überraschen und begeistern lässt. Das ist eine Sache des Vertrauens – und ich bin froh, dass wir dieses Vertrauen aufbauen konnten.“ 

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Unter anderem sieht das Saisonprogramm 19/20 Abende mit den Choreografen Sarah Baltzinger und Jan Martens vor – Künstler, die „alle ihre Facetten zeigen können sollen“, sagt Konen und meint damit, dass die beiden jeweils zwei Stücke an einem Abend zeigen werden: Eines, das sie für andere Tänzer geschaffen haben, und eines, bei dem sie selbst auf der Bühne stehen. „Das ist auch für das Publikum ein besonderer Reiz“, sagt Konen.

Talente im Fokus

Aber wo sind die ganz großen Namen? „Entscheidend ist nicht der Name. Auch wenn wir zum Beispiel Philipp Hochmair wieder dabeihaben, soll es nicht um den Namen gehen. Bei ihm können wir sicher sein, dass er auch in dieser Spielzeit wieder einen herausragenden Abend mit ,Der Prozeß‘ nach Kafka auf der Bühne abliefern wird. Diese Qualität ist entscheidend. Wir wollen aber auch gerade Geheimtipps Raum geben. Künstler, die herausragende Arbeit machen und in der Szene schon auf sich aufmerksam gemacht haben, aber noch nicht auf den ganz großen Festivals oder Theaterbühnen gezeigt werden – auch wenn ihnen spürbar die Zukunft gehört. Und genau um diese Talente bemühen wir uns.“

Apropos Tanz und Talentförderung: „Nach der überaus erfolgreichen Premiere von Lea Tirabassos Tanzstück ,The Ephemeral Life of an Octopus‘ und deren internationalen Nachhall in der letzten Spielzeit wollten wir dem Publikum die Möglichkeit geben, das Stück noch einmal zu sehen. Aber im Spielplan war kein Platz mehr. So haben wir das Tanzzentrum Trois C-L in der Hauptstadt gefragt, ob wir bei Übernahme der Kosten dort das Stück ,hors les murs‘ wieder zeigen können. Und Direktor Bernard Baumgarten hat gerne zugestimmt“, sagt Konen – wieder ein Zeichen für seine Politik der Offenheit und des Miteinanders.

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Und das Orchestre du Chambre de Luxembourg (OCL), das einst seinen Sitz im Kinnesbond hatte? „Nein, das Orchester hat offiziell seinen Sitz nicht mehr hier, aber probt bei uns. Wir haben eine gute Lösung gefunden, es weiterhin auch im Programm dabeizuhaben. Zwar nicht mit einer eigenen Konzertreihe, die bei früheren Versuchen letztlich auch nicht den Publikumszuspruch fand, den wir uns erwartet hatten, sondern in Form einer Dreierkooperation mit der Opéra-Théâtre de Metz Métropole und uns. Davon profitieren dann alle Beteiligten – wir haben ein besonderes Programm auf unserer großen Bühne, das OCL bekommt Auslandsauftritte und die Opéra-Théâtre de Metz Métropole ein flexibles Orchester.“