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Justin Trudeau weint um Gord Downie
Kultur 2 2 Min. 18.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Kanadische Rockikone verstorben

Justin Trudeau weint um Gord Downie

Kultur 2 2 Min. 18.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Kanadische Rockikone verstorben

Justin Trudeau weint um Gord Downie

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Gord Downie, Sänger der kanadischen Rockband The Tragically Hip, ist im Alter von 53 Jahren an einem Hirntumor verstorben. Kanadas Premier Justin Trudeau würdigte den Musiker in einer kurzen Ansprache - und konnte die Tränen nicht zurückhalten.

Nach etwas über einer Minute brechen die Dämme: „Ich dachte, ich komme ohne zu weinen durch, aber es geht nicht”, entschuldigt sich Justin Trudeau bei den anwesenden Reportern. Der kanadische Premier ist sichtlich angegriffen, als er vor laufenden Kameras Leben und Werk von Gord Downie würdigt - und dessen Bedeutung für Kanada als Nation.

Downie, Frontmann der in Kanada legendären, aber außerhalb relativ unbekannten Rockband The Tragically Hip, war am Dienstag an den Folgen eines Hirntumors gestorben, der 2015 diagnostiziert worden war. Er wurde 53 Jahre alt. Seine Krebsdiagnose und die folgende Tournee seiner Band hatten in Kanada für großes Aufsehen gesorgt. 

„Kanada wird ein schlechteres Land sein”

„Gord liebte Kanada, jeden versteckten Winkel, jede Geschichte, jeden Aspekt dieses Landes, das er zu einem besseren Land machen wollte”, sagte Trudeau über den Musiker. „Er wusste, dass wir besser werden müssen als wir sind. Deshalb hat er sich in seinen letzten Jahren mit der „Gord Downie and Chanie Wenjack”-Stiftung sehr für die Aussöhnung mit Kanadas Ureinwohnern eingesetzt. Er hat mich inspiriert. Unser Land wird ohne Gord Downie wieder ein schlechteres Land sein.”

  • 1984 in Kingston, Ontario gegründet, waren The Tragically Hip die wohl bekannteste Rockband in Kanada. Ihre Diskografie umfasst 14 Studioalben, zwei Livealben und insgesamt 54 Single-Auskopplungen. Die Band hat im Verlauf ihrer Karriere über acht Millionen Alben verkauft und insgesamt 16 Mal den Juno Award, die höchste Auszeichnung der kanadischen Musikindustrie gewonnen. Gordon Downie schrieb und sang über Kanada, ohne dabei nationalistische Töne anzuschlagen. Er setzte sich dabei auch mit für das Land unangenehmen Themen wie dem Umgang mit den kanadischen Ureinwohnern auseinander.

Downie hatte die Diagnose ein Jahr lang geheim gehalten. Seine Band The Tragically Hip hatte im Mai 2016 bekannt gegeben, dass bei ihm ein Glioblastom festgestellt worden sei, die geplante Sommertour aber trotzdem stattfinden würde. Die Konzertreise quer durch Kanada geriet zur großen, sehr emotionalen Abschiedstournee für Downie. Das letzte Konzert am 20. August in Kingston, Ontario, wurde live von der CBC übertragen und erreichte knapp zwölf Millionen Zuschauer. Auch Justin Trudeau war im Publikum in Kingston. 

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Aussöhnung als Lebensaufgabe

Nach der Tournee brachte Downie im Oktober 2016 ein Multimedia-Konzeptalbum über den Indianerjungen Chanie Wenjack vom Stamm der Ojibway heraus. Kurz zuvor hatte er die Gründung einer Stiftung unter seinem und Wenjacks Namen bekannt gegeben. Chanie Wenjack war 1966 im Alter von zwölf Jahren aus einer sogenannten „Residential School”, einer Art Zwangsinternat für indianische Kinder, geflüchtet und hatte sich zu Fuß auf den Weg von Kenora im Süden Ontarios zu seiner 600 Kilometer entfernten Familie im Norden der Provinz gemacht. Ungefähr 50 Kilometer von seinem Ausgangspunkt entfernt starb er bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt an Erschöpfung. 

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Wenjacks Geschichte steht in Kanada symbolisch für das Schicksal vieler Indianerkinder, die als Teil der Kolonialpolitik in das „Residential School System” gezwungen wurden. Neben Downie hat sich auch der Romancier Joseph Boyden mit Wenjacks tragischer Flucht beschäftigt und sie in seiner Novelle „Wenjack” verarbeitet.

Foto: The Tragically Hip in Aspen 2007 / Wikimedia Commons / Kim Pardi / CC BY-SA 2.0


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