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Junge Superheldin auf Luxemburger Schwingen
Von Kaya (Anna Shirin Habedank, l.) bekommt Sue (Ruby M. Lichtenberg) ihr Superheldinnenkostüm.

Junge Superheldin auf Luxemburger Schwingen

Foto: Ostlicht/Amour Fou Luxembourg
Von Kaya (Anna Shirin Habedank, l.) bekommt Sue (Ruby M. Lichtenberg) ihr Superheldinnenkostüm.
Kultur 3 Min. 16.03.2019

Junge Superheldin auf Luxemburger Schwingen

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Der europäische Film musste lange auf eine Superheldin warten. Nun kommt sie in Gestalt von "Invisible Sue", einer Zwölfjährigen, die sich unsichtbar machen kann und so ihre Familie retten muss und endlich Freunde findet. Der Regisseur Markus Dietrich erklärt im Interview, warum der Dreh in Luxemburg den Film bereichert hat.

Während Wonder Woman schon 2017 auf der Leinwand die Welt gerettet hat, musste der europäische Film länger auf eine Superheldin warten. Nun kommt sie – dank des deutschen Regisseurs Markus Dietrich, der Kinderdarstellerin Ruby M. Lichtenberg und Luxemburger Beteiligung: Für den Jugendfilm „Invisible Sue“, von der deutschen Ostlicht Filmproduktion und von Amour Fou Luxembourg koproduziert, wurde viel in Luxemburg gedreht. 

Im Interview berichtet Markus Dietrich, wie er sich beim Dreh in das Land verliebte und warum es lange brauchte, bis ein europäischer Film um eine junge Superheldin ins Kino kam.

Die Kinder haben einen holografischen Butler - als genretypische Anspielung heißt der Alfred, so wie bei Batman.
Die Kinder haben einen holografischen Butler - als genretypische Anspielung heißt der Alfred, so wie bei Batman.
Foto: Ostlicht/Amour Fou Luxembourg

Markus Dietrich, wie kommt Sue beim jungen Publikum an? Ich habe das Gefühl, dass wir mit einer jungen Superheldin gerade den Nerv treffen, starke Mädchenfiguren werden gesucht. Die Kinder gehen mit dem Film sehr mit, es ist eine sehr universelle Geschichte. Egal, in welchem Land.

Sie haben eine Tochter. Wie steht sie zu Sue?
Selma ist sieben und kennt Sue jetzt schon seit drei, vier Jahren. Sie ist ein Riesen-Sue-Fan. Wobei der Film eher ab zwölf Jahren ist.


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Schon bevor Sie Vater geworden sind, haben Sie Kindertheater inszeniert und Kinderfilme gedreht – wie verändert sich der Blick darauf, wenn man selbst Kinder hat?
Ich habe vorher immer versucht, herauszufinden, wofür sich die Zielgruppe interessiert. Jetzt ist es sehr schön, ich habe mit meiner Tochter Schnitte diskutiert und sie nach ihrer Meinung zu Sue gefragt. Ich weiß jetzt, für wen ich diese Filme mache.

Sind Sie seitdem bemühter, realistische Figuren zu schaffen und keine Idealbilder?
Ja und nein. Meine Filme haben immer einen realistischen Kern und drum herum baue ich ein Genre. Ich verstecke die Botschaft gerne in einem Genre, weil es für Kinder und Erwachsene so einfacher ist, sich einem Problem zu nähern. Ich bin aber tatsächlich stärker darauf konzentriert, andere Figuren um den Hauptcharakter zu bauen und reale Probleme aus Kindergarten oder Schule einzubringen.


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Kinder finden ihre Helden auch auf Instagram und YouTube, was kann da ein Kinofilm ausrichten? Wir müssen uns die Aufmerksamkeit der Kinder natürlich teilen, andererseits existieren die Helden im Kino trotzdem. Schwieriger geworden ist es, Figuren zu erschaffen, die nur auf der Kinoleinwand funktionieren. Aber es gibt die Kinohelden noch, die Kinder lieben sie auch und schauen sie sich im Kino an.

Was haben Sie bei Ihrer Arbeit im Theater gelernt, das Sie auch im Film anwenden können?
Mit Kindern arbeiten ist nie einfach und eine große Herausforderung, weil man sich sehr auf sie einstellen muss. Sonst funktioniert es nicht. Beim Film müssen Kinder schneller und mehr funktionieren, insofern nehme ich eher etwas vom Film für das Theater mit. Beim Film muss ich schneller Entscheidungen treffen und mich schneller in die Kinder hineinversetzen. Ich muss überlegen, wie ich das Kind inszeniere, damit es schneller auf den Punkt kommt. Andererseits arbeitet man am Theater stark an Gruppendynamik, was auch für ein Filmensemble wichtig ist. Man muss diese Gruppe einen, damit sie sich am Set vertraut und hilft.


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Welchen Fokus haben Sie auf die Spezialeffekte gelegt?
Es ist ein Superheldenfilm und ich wollte eine größtmögliche Visualität erschaffen, damit man auch auf dem Kinomarkt, zumindest im Ansatz, mit Comicverfilmungen mithalten kann. Zuerst sind die Geschichte und Figuren wichtig. Wir haben viel mit Computer und Green Screen gearbeitet, aber alles, was man mit Stöcken und Strippen manipulieren konnte, haben wir gemacht und danach retuschiert. Das Set ist so echt wie möglich, eben damit es keine Green-Screen-Orgie wird. Alles wurde an einem echten Ort gedreht und das hilft ungemein.

Was halten Sie von den Drehorten in Luxemburg?
Ich bin nach Luxemburg gefahren und habe Esch und Echternach besucht, noch bevor der Film Fund seine Entscheidung getroffen hat. Am nächsten Morgen habe ich ihnen im Scherz gesagt: „Sie müssen uns unbedingt das Geld geben, ich habe mich so in diese Orte verliebt, ich muss hier drehen.“ Das war ganz gut, um aufzulockern, aber sie haben dann natürlich anhand des Buches und anderer Kriterien entschieden. Der Dreh in Luxemburg hat viel für den Look des Films getan, der vorher ziemlich deutsch war. Jetzt hat er etwas Internationales.


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Warum hat ein deutschsprachiger Superheldinnenfilm so lange gebraucht?
Auch bei Marvel und DC hat es lange gedauert, bis Frauen Hauptfiguren in Superheldenfilmen wurden. Gerade für die Debatte um Gleichstellung und Diversität hilft es, dass man solche Filme machen kann. Mit Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter gibt es schon starke Mädchenfiguren, das sind auch meine Vorbilder, aber sonst fallen mir nicht so viele ein.

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„Invisible Sue“ läuft an diesem Samstag, 14.30 Uhr, im Ciné Utopia. Der Kinostart ist für Herbst geplant.


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