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Josy Braun wäre am Sonntag 80 geworden: Ein Mann der Sprache
Er war in allen Disziplinen zu Hause, die einer Sprache Leben geben: Josy Braun war Schriftsteller, Linguist, Theaterschreiber, Schauspieler, Kabarettist und Journalist. Am Sonntag wäre er 80 Jahre alt geworden.

Josy Braun wäre am Sonntag 80 geworden: Ein Mann der Sprache

FOTO: CLAUDE PISCITELLI / LW-ARCHIV
Er war in allen Disziplinen zu Hause, die einer Sprache Leben geben: Josy Braun war Schriftsteller, Linguist, Theaterschreiber, Schauspieler, Kabarettist und Journalist. Am Sonntag wäre er 80 Jahre alt geworden.
Kultur 2 Min. 13.01.2018

Josy Braun wäre am Sonntag 80 geworden: Ein Mann der Sprache

Marc THILL
Marc THILL
Am Sonntag erinnert um 10.30 Uhr ein literarisches Apéro im Pavillon „Am Brill“ in Mamer an Josy Braun, der in allen Disziplinen zu Hause war, die einer Sprache Leben geben.

von Marc Thill

In eine Schublade lässt er sich nicht ablegen. Josy Braun beansprucht einen ganzen Aktenschrank, eine ganze Bibliothek. Er vereinte nämlich viele Talente in sich, und man kann ihn deshalb mit etlichen Berufsbezeichnungen betiteln: Schriftsteller, Linguist, Theaterschreiber, Schauspieler, Kabarettist, Übersetzer und Journalist. Alle Fäden in seinem Schaffen führten aber auf eines zu – die Luxemburger Sprache.

Geboren wurde Josy Braun am 14. Januar 1938. Er wuchs in Wecker auf und ging in Biwer zur Primärschule. Nach der Sekundarschule in Clairefontaine wurde er Gewerkschaftssekretär, veröffentlichte zu dem Zeitpunkt bereits erste kulturelle Beiträge für das „Luxemburger Wort“ und deren Feuilleton-Beilage „Die Warte“, ehe er dann von 1973 bis 1991 Journalist des „Tageblatt“ wurde. Bis zu seinem Tod am 3. August 2012 war er freiberuflicher Schriftsteller.

Josy Braun verfasste eine Vielzahl an satirischen und gesellschaftskritischen Texten, war aber auch Krimiautor und schrieb und übersetzte Kinder- und Jugendliteratur. Ihm kam 2002 die Ehre zu, „Le Petit Prince“ von Antoine de Saint-Exupéry ins Luxemburgische zu übertragen.

Wer sich an Josy Braun erinnert, der denkt aber auch an seine investigativen journalistischen Recherchen. Ende der Achtzigerjahre hat er sie vor allem in Krimis und sozialkritisch angelegten Politthrillern verarbeitet. Sein Roman „Bommenteppech“ wurde dabei zu einem Schlüsselroman in der bis heute nicht aufgeklärten „Bommeleeër“-Affäre. In diesem Bestseller aus dem Jahr 2004 schafft es der Autor, den Leser durch 300 Seiten mit zahlreichen Haupt- und Nebenfiguren über verschiedene Zeitebenen und an haarsträubenden Verschwörungstheorien vorbei zu führen.

Ein Streiter für den Gebrauch des Luxemburgischen

Brauns autobiografisch geprägter Roman „Keen Däiwel méi, deen nach Herrgotte keeft“ erschien postum und schildert den Lebensweg des Dorfjungen Théo Bourscheidt, der sich von schulischen, elterlichen und kirchlichen Autoritäten befreit und eigene Wege als Journalist und Schriftsteller geht. Ebenfalls nach seinem Tod wurde der Krimi „Armagnac“ veröffentlicht, in dem der Autor den kommunalpolitischen Mief in dörflichen Strukturen kritisiert. Die Handlung findet im Raum Wecker, Biwer, Manternach statt, wo Braun aufgewachsen ist.

Mit seinen Romanen aber auch als Schreiber von Kabarett- und Theaterstücken hat sich Josy Braun auch unermüdlich für die Belange der Luxemburger Sprache eingesetzt. Er war ein engagierter Streiter für ihren Gebrauch als Schriftsprache, wirkte an der „Grammaire de la langue luxembourgeoise“ mit und gab den immer wieder neu aufgelegten Ratgeber der luxemburgischen Rechtschreibung „Eis Sprooch richteg schreiwen“ 1986 heraus. Dieses Buch wurde zu einer Referenzfibel für den Gebrauch unserer Sprache.

Am Sonntag erinnern Christiane Kremer, Claude Mangen und Jay Schiltz um 10.30 Uhr in einem literarischen Apéro im Pavillon „Am Brill“ in Mamer an Josy Braun.