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Jim Morrison würde am Samstag seinen 75. feiern
Lebenslang hegte Jim Morrison den Traum, auch als Poet ernst genommen zu werden.

Jim Morrison würde am Samstag seinen 75. feiern

Foto: Manfred Rehm/dpa
Lebenslang hegte Jim Morrison den Traum, auch als Poet ernst genommen zu werden.
Kultur 5 2 Min. 08.12.2018

Jim Morrison würde am Samstag seinen 75. feiern

Jim Morrison, der Frontmann der legendären Band "The Doors", wäre heute 75 Jahre alt geworden. Seine Fans fasziniert er bis heute. Uund inzwischen wird Morrison auch als Dichter ernst genommen - die Erfüllung eines Traums, die ihm erst nach seinem Tod beschieden wurde.

(KNA) - Der Raum ist dunkel, nur ein Scheinwerfer erleuchtet die Bühne. Ein junger Mann liegt auf dem Boden. Er atmet schwer, ansonsten ertönt kein Geräusch. Dann lacht er den Zuschauern herausfordernd ins Gesicht, wälzt sich auf der Bühne, schreit auf. „The future's uncertain and the end is always near“, singt er.

Der Text von „Roadhouse Blues“ wird sich bewahrheiten. Mit 27 Jahren stirbt Jim Morrison, Sänger von „The Doors“, in Paris.

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Mit ihren Auftritten prägte die Band den Begriff des Rocktheaters, bewegte sich zwischen psychedelischer Rockmusik und etwas Neuem, Unbekanntem. Geboren vor 75 Jahren, am 8. Dezember 1943 in Florida, schrieb der spätere Weltstar sein erstes Gedicht bereits mit neun Jahren. 

Die Pforten der Wahrnehmung

In seiner Studienzeit in Los Angeles gründete er die „Doors“. Der Name geht auf ein Zitat des englischen Dichters William Blake zurück: „Wenn die Pforten der Wahrnehmung gereinigt würden, würde alles dem Menschen erscheinen, wie es ist: unendlich.“

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Einen Übergang schaffen zwischen Diesseits und Jenseits, die menschliche Wahrnehmung erweitern – dieses künstlerische Ziel verband die Musiker der 1960er Jahre mit Künstlern wie Baudelaire, Hemingway oder Rimbaud.

Sexsymbol und Teenie-Idol

Doch der Erfolg hatte zerstörerische Folgen. Drogen und Alkohol forderten wie bei den Vorbildern ihren Tribut. Und die Rolle des Rockstars schien Morrison stets als zweischneidig zu empfinden.

Im Dokumentarfilm „When You're Strange“ von 2009 gibt es eine Szene, in der die „Doors“ an einem Flughafen ankommen. Jeder Musiker nennt seinen Namen und sein Instrument. Der Sänger ist als letzter an der Reihe, wird nach seinem Namen gefragt. „Oh“, sagt er, „Jim.“ Auf die Frage nach seiner Beschäftigung reagiert er mit einem jungenhaften Lachen – ein zauberhafter, trauriger Moment.

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Die Musik nahm Morrison bei allen Eskapaden ernst. Die Bühnenshow betrachtete er als Schaffung einer neuen, einer Art Zwischenwelt. Einerseits erklärte er auf dem Höhepunkt des Erfolgs, nur auf der Bühne öffne er sich wirklich.

Andererseits fühlte er sich zunehmend unwohl, hochstilisiert zum Sexsymbol und Teenie-Idol. Er siedelte nach Paris über und schrieb Gedichte. Kurz vor seiner Ausreise hatte ein US-Gericht Haftbefehl gegen den Sänger erlassen, weil er während eines Konzerts obszön gestikuliert haben sollte. Erst 2010 wurde er postum freigesprochen.

Spät erfüllter Traum

Paris, wo er sich den Idolen der Vergangenheit nah fühlte und zugleich eine bessere Zukunft zu erkennen glaubte, war für Morrison ein Schwebezustand und zugleich eine Zerreißprobe.

Er starb, bevor er einen Kompromiss finden konnte. Die Todesursache bleibt ungeklärt. Die geläufige Version: Er starb an Herzversagen und wurde tot in seiner Badewanne gefunden.

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Den Künstlerfriedhof Père Lachaise hatte Morrison einige Wochen vor seinem Tod besucht – und war von dessen Ruhe und Schönheit fasziniert. Er wurde zu seiner eigenen letzten Ruhestätte. Fast 50 Jahre nach seinem Tod pilgern noch immer Hunderte von Fans täglich zu seinem eingezäunten Grab, das videoüberwacht wird. Das Anbringen von Graffiti wird mit Geldstrafen bis zu 15.000 Euro geahndet.

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Die Grabinschrift spielt auf griechische Mythologie und Selbstinszenierung des Rockstars an: „Kata Ton Daimona Eaytoy“ – „gemäß seinem eigenen Geist“.

Die Ballade „When the Music's Over“ beklagt den schlimmen Zustand der Erde, der die Menschen mit ihren Zäunen die Freiheit genommen hätten. Diese und andere Gedichte Morrisons werden heute an Universitäten gelesen – die Erfüllung eines zu Lebzeiten gehegten Traums, als Poet ernst genommen zu werden.



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