Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Im Kino: Mehr als Stutenbisse
Kultur 1 2 Min. 02.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Im Kino: Mehr als Stutenbisse

So selbstsicher, wie sie sich gibt, ist Königin Elisabeth I. (Margot Robbie) nicht.

Im Kino: Mehr als Stutenbisse

So selbstsicher, wie sie sich gibt, ist Königin Elisabeth I. (Margot Robbie) nicht.
FOTO: LIAM DANIEL/FOCUS FEATURES
Kultur 1 2 Min. 02.03.2019 Aus unserem online-Archiv

Im Kino: Mehr als Stutenbisse

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Die Filmkritik zu "Mary Queen of Scots" und warum die Beziehung zwischen Elisabeth I. und Mary Stuart von Schottland im Film mehr als nur Stutenbissigkeit vor Historienkulisse ist.

Was macht die historische Rivalität zweier Frauen, die zwar am Ende eine den Kopf kosten wird, deren tragischer Ausgang aber wohl den meisten bekannt sein dürfte, überhaupt noch spannend? Einfach: eine gepflegte Umsetzung und zwei inspirierte Schauspielerinnen, die Geschichte lebendig werden lassen.  

 Ja, es grenzt fast schon an ein Klischee, dass die einzigen beiden Oscar-Nominierungen, die der erste Spielfilm von Josie Rourke überhaupt erhalten hat, für bestes Make-up, Frisuren sowie bestes Kostümdesign waren. So als ob ein Film, dessen Dreh- und Angelpunkt die Beziehung zweier Frauen ist und bei dem auch noch einer weiteren die Verantwortung der Regie obliegt, nichts weiter als eine appetitliche, doch zwangsläufig inhaltsleere Schokoladenhohlfigur sein kann. 

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Dem ist aber nicht so, da „Mary Queen of Scots“ in vielen Punkten überzeugt: Darstellung, Aufmachung und Ausführung sind mitreißend. Dennoch macht es eine gewisse Manieriertheit, die wahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass die Regisseurin als künstlerische Leiterin des Londoner Donmar Warehouse eine Theaterfrau ist, dem Zuschauer zeitweise schwer, am dramatischen Schicksal der beiden Hauptfiguren emotional wirklich teilzuhaben.

Dabei handelt es sich hier um zwei ganz außergewöhnliche Frauen, die in Zeiten, als Selbstbestimmung für das „schwache“ Geschlecht nicht einmal ein Fremdwort war, nicht nur ihre eigenen Geschicke, sondern die ganzer Nationen lenkten – und so Weltgeschichte schrieben: Elisabeth I., Königin von England und Irland, und Mary Stuart, ihre Cousine zweiten Grades, Witwe des französischen Monarchen François II., Königin von Schottland und ihre Konkurrentin mit Ansprüchen auf den britischen Thron.

Unausgeschöpftes Potenzial

Als Grundlage für sein Drehbuch hat „House of Cards“-Autor Beau Willimon die Biografie „Mary Queen of Scots: My Heart is My Own“, die u. a. 2004 mit dem „Whitbread Biography Award“ ausgezeichnet wurde, genommen. Vom Markenzeichen ihres Autors, des Historikers John Guy, seinem unakademisch-spannenden Schreibstil, ist in der filmischen Umsetzung nicht wirklich viel zu spüren: gemächlich und allzu konventionell chronologisch abgehandelt, schreitet die Geschichte – zwar in schöne Bilder gefasst – langsam voran, erschwert dem Zuschauer aber durch zuweilen spröde-theatralische Dialoge den emotionalen Einstieg in die Geschichte.

Wett macht dies – wenigstens zum Teil – die Inbrunst, mit der die beiden jungen Hauptdarstellerinnen ihre Charaktere porträtieren: Saoirse Ronan, die weltgewandte Mary, und Margot Robbie, die überraschend unsichere Elisabeth, die beide als Frau in einer ihnen feindlich gesinnten Welt ihren Mann stehen müssen.

Überraschend unausgeschöpft bleibt dabei das Potenzial einer tiefgründigeren psychologischen Auslotung der Beziehung der zwei Frauen, ihrer Solidarisierung und der Gründe von deren Scheitern. Besondere Erwähnung verdient indes die Filmmusik von Max Richter, die dem ansprechenden Historienfilm einen Hauch von harmonischer Modernität verleiht.