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Im Kino: Elton John Superstar
Taron Egerton (M.) ist ein bestechender Elton John – musste er wohl auch sein. Denn der britische Superstar hatte schließlich angekündigt, höchstpersönlich bei der Premiere beim 72. Filmfestival von Cannes mit dabei zu sein – und bei der darauffolgenden Party stimmten beide auch noch gemeinsam zum Liedchen an.  Foto: Paramount Pictures/ Gavin Bond

Im Kino: Elton John Superstar

Foto: Paramount Pictures/ Gavin Bond
Taron Egerton (M.) ist ein bestechender Elton John – musste er wohl auch sein. Denn der britische Superstar hatte schließlich angekündigt, höchstpersönlich bei der Premiere beim 72. Filmfestival von Cannes mit dabei zu sein – und bei der darauffolgenden Party stimmten beide auch noch gemeinsam zum Liedchen an. Foto: Paramount Pictures/ Gavin Bond
Kultur 3 2 Min. 02.06.2019

Im Kino: Elton John Superstar

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Regisseur Dexter Fletcher schreibt die Heldensaga des Briten schrill, laut und doch irgendwie bewegend ehrlich.

Früher wartete man zumindest, bis jemand den Märtyrertod starb, um ihn als Heiligen in den Himmel zu hieven. Heute haben sich nicht nur die Ansprüche an Letztere, sondern auch die praktischen Modalitäten dieses Aufstiegs in den Vorbilderolymp drastisch verändert. Vor allem Film- und Musikstars kümmern sich dabei lieber selbst und schon zu Lebzeiten um die eigene Hagiographie; heißt, sie wachen mit Argusaugen darüber, wie ihre Leben auf immer und ewig für die Nachwelt – sprich spätestens bis zum nächsten unautorisierten Enthüllungsroman – festgehalten wird.


Singer Elton John performs at a  charity concert dedicated to the fight against HIV/AIDS at Independence Square in Kiev June 30, 2012. REUTERS/Gleb Garanich (UKRAINE - Tags: ENTERTAINMENT)
Elton John in der Coque: Konzertbesucher unter Bewachung
Besucher des Elton-John-Konzerts am Dienstag in der Coque müssen mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen rechnen. Deshalb werden sie gebeten, sich etwas früher nach Kirchberg zu begeben.

Scheinbar ist das manchmal wohl auch besser so. Denn Freddy Mercury hätte dann beispielsweise sicher verhindert, dass seine Homosexualität in „Bohemian Rhapsody“ derart verlegen heruntergespielt wird. Diesen Fehler wollte Weltstar Elton John wohl nicht machen und verfolgte aus der Distanz sein Biopic, nahm an grundlegenden Entscheidungen teil und sah sich zwischendurch einige Rushs an. Doch das Tagesgeschäft am Set überließ er Ehemann David Furnish, wie John in einem Artikel, den der Musiker am 25. Mai im „The Guardian“ veröffentlichte, verriet. Dort erfährt man auch aus erster Hand, dass er nur 15 Minuten brauchte, um bei der ersten Vorführung des Films in Tränen auszubrechen.

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Seine filmische Biografie – nach dem auf dem 1972er-Album „Honky Château“ veröffentlichten Song „Rocketman“ benannt und von „Eddie the Eagle“-Regisseur Dexter Fletcher passend dynamisch umgesetzt – ist aber nicht die klassische Heiligsprechung, die man hätte erwarten beziehungsweise befürchten müssen.

Im Gegenteil; der Film überrascht durch seine unerwartete Mischung. Denn er bringt Themen unter einen Hut, die scheinbar unvereinbar sind, und zeigt die Licht- und Schattenseiten der Musikerkarriere. Und Schuld daran tragen Elton Johns beide Söhne Zachary und Elijah: „Die Idee, dass sie einen Film und eine Autobiografie von mir hätten, in der ich ehrlich bin, gefiel mir. [...] ich habe einfach kein Ab-13-Jahren-Altersfreigabe-Leben geführt.“

Vom ungeliebten Knaben zum gefeierten Idol

So folgt der Zuschauer dem musikalischen Wunderkind Reginald „Reggie“ Dwight, der lieblos in der Pinner Hill Road aufwächst, über die Klavierstunden am Konservatorium und die spätere Bekanntschaft mit seinem Texter Bernie Taupin (eine Freundschaft, die inzwischen über ein halbes Jahrhundert hält!) durch eine Fügung von Liberty Records hin zum musikalischen Welterfolg, der verzweifelten Suche nach emotionalem Halt und dem Absturz in Alkohol- und Kokainsucht.

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Das Ziel „etwas zu machen, das wie mein Leben ist: chaotisch, lustig, verrückt, schrecklich, brillant und düster“, so Elton John weiter, dürfte demnach geglückt sein – und der Zuschauer erfährt nicht nur so manches über besagtes Leben, sondern unterhält sich zudem prächtig mit zeitlosen Songs und wunderbar choreografierten Tanzeinlagen (Busby Berkeley lässt grüßen!).

„Es ist natürlich nicht alles wahr, aber es ist die Wahrheit“, so der Superstar, der durch diesen Film nicht zum unnahbaren Heiligen hochstilisiert wird, sondern sympathisch an Menschlichkeit gewinnt.

Zu verdanken ist dies maßgeblich Hauptdarsteller Taron Egerton, der sich überzeugend vom „Kingsman“ zum „Rocketman“ wandelt und hier noch Stimmtalent beweist, da er alle Lieder auch selbst vorträgt. Mehr noch als eine physische Ähnlichkeit gelingt es Egerton seine Figur emotional glaubhaft als innerlich zerrissenes Energiebündel zu verkörpern.

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Natürlich menschelt es und eine kleine Prise Melodrama lässt sich auch hie und da ausmachen, doch das Ganze passt einfach perfekt zusammen. Wem es des Guten trotzdem zu viel ist, der kann ja derzeit durchzählen, wie viele unterschiedliche Brillen der Film-Elton in „Rocketman“ trägt ...