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Im Alter von 92 Jahren: Dirigent Georges Prêtre gestorben
Georges Prêtre war zeitweise Generalmusikdirektor der Pariser Oper.

Im Alter von 92 Jahren: Dirigent Georges Prêtre gestorben

Foto: AFP
Georges Prêtre war zeitweise Generalmusikdirektor der Pariser Oper.
Kultur 2 Min. 04.01.2017

Im Alter von 92 Jahren: Dirigent Georges Prêtre gestorben

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Der französische Dirigent Georges Prêtre ging in den großen Opernhäusern der Welt ein und aus und galt als Lieblingsdirigent von Maria Callas. Jetzt ist er im Alter von 92 Jahren gestorben.

(dpa/red.) - Der französische Stardirigent Georges Prêtre ist tot. Der Maestro starb im Alter von 92 Jahren am Mittwochnachmittag in Frankreich, wie der Wiener Musikverein bestätigte. Prêtre trat im Laufe seiner Karriere in zahlreichen großen Opernhäusern der Welt auf. Er war zeitweise auch Generalmusikdirektor der Pariser Oper. Zuerst hatte die österreichische Nachrichtenagentur APA über seinen Tod berichtet.

Der Dirigent leitete zweimal das prestigeträchtige Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, zuletzt 2010. Er war eng mit der österreichischen Hauptstadt verbunden und Ehrenmitglied des Musikvereins: „Ich bin Franzose, aber mein Herz gehört Wien“, sagte er einmal. 

Als einer der Höhepunkte seiner Karriere galt das Konzert zur Wiedereröffnung der New Yorker Metropolitan Opera 1966. Prêtre galt zudem als Lieblingsdirigent der Star-Sopranistin Maria Callas, die er etwa in den Opern „Tosca“ und „Carmen“ dirigierte.

"...einer der feinsinnigen, großen Dirigenten unserer Zeit"

Der ehemalige Direktor der Luxemburger Philharmonie und heutige Leiter des Wiener Konzerthauses, Matthias Naske,  erinnert sich an die besonderen Auftritte Prêtres:  "Georges Prêtre war einer der feinsinnigen, großen Dirigenten unserer Zeit, der dem Publikum mit seiner Eleganz, seinem Esprit und seiner unerschöpflichen Neugier gegenüber der Musik unvergessliche musikalische Momente schenkte. Mit dem Publikum in Wien verband Georges Prêtre eine jahrzehntelange tiefe Freundschaft, die sich in unzähligen Konzerten und Dirigaten in der Wiener Staatsoper, aber auch in der Annahme der Ehrenmitgliedschaften sowohl der Wiener Konzerthausgesellschaft als auch der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien dokumentierte. Von 1986 bis 1991 war Georges Prêtre Chefdirigent der Wiener Symphoniker, mit denen er internationale Konzertreisen durch Europa, Japan und die USA unternahm. Im Wiener Konzerthaus war der Dirigent seit seinem Debüt 1962 in über 60 Konzerten zu erleben."

Prêtre wurde am 14. August 1924 im nordfranzösischen Waziers geboren. Er studierte an den Konservatorien von Douai und Paris, zunächst Klavier und Trompete. Eigentlich wollte er Komponist werden, wie er vor einigen Jahren im Interview der „Wiener Zeitung“ erzählte - der Berufswunsch änderte sich aber, als er im Orchestergraben der Pariser Oper den großen Einfluss des Dirigenten auf die Musik miterlebte.

Prêtre debütierte 1946 als 22-Jähriger an der Oper von Marseille. Nach Stationen in Lille, Casablanca und Toulouse kam er in die französische Hauptstadt, wo er zunächst an der Opéra Comique, dann an der Pariser Oper tätig war. Später dirigierte er regelmäßig die großen Orchester der Welt: Herbert von Karajan holte ihn 1962 an die Wiener Staatsoper, später war er an der Mailänder Scala engagiert. Auch die Berliner Philharmoniker traten unter seiner Leitung auf. Von 1986 bis 1991 war Prêtre Erster Gastdirigent der Wiener Symphoniker.

Später dirigierte Prêtre weniger Opern und widmete sich stärker dem Konzertrepertoire. „Zum Teil wegen der Regisseure“, sagte er 2009. Regiearbeiten hätten mit der Musik oft gar nichts mehr zu tun und provozierten bloß Skandale. „Doch für diese Skandale zahlt der Dirigent die Zeche“, sagte er. Der damalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte Prêtre 2011 als den „weltweit berühmtesten französischen Dirigenten“ bezeichnet.


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