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"Ich fordere zum Duell den ganzen Saal"
Edmond Rostand

"Ich fordere zum Duell den ganzen Saal"

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Edmond Rostand
Kultur 1 3 Min. 02.12.2018

"Ich fordere zum Duell den ganzen Saal"

Witze über seine Nase erlaubte er nur sich selbst. Andere bekamen dafür seine Klinge zu spüren. Der Cyrano von Bergerac gehört zu den großen Figuren der Weltliteratur. Autor Edmond Rostand gelang damit ein feiner Treffer.

(KNA) - "Sieh dich vor, geputzter Affe - denn beim letzten Verse stech ich." Der Cyrano erledigt seine Gegner nicht nur mit dem Degen, sondern auch in Alexandrinerreimen. Und Gegner hat er weiß Gott viele: "Wenn mir ein Stutzer widerspricht, werd ich den Staub aus seinem Mantel klopfen." Cyrano macht keine Zugeständnisse; nicht an Mächtige und Einflussreiche, nicht für Geld, Ruhm oder Positionen: "Durch List empor mich ranken statt durch Kraft? Nein, niemals!"

Mit seiner lyrischen Kraft und seinem Witz gehört der Cyrano von Bergerac zu den schönsten Figuren der Weltliteratur. Vor genau 100 Jahren starb sein Autor Edmond Rostand, am 2. Dezember 1918. Er setzte mit dem Werk seinen allerbesten Treffer. Von der Frische seiner Reime wie Orangenblüte "holt man sich einen Schnupfen im Gemüte".

Paris im Sommer 1640, die Zeit Kardinal Richelieus, der Musketiere, des barocken Theaters - und des Krieges zwischen Frankreich und Spanien. Der adlige Cyrano von Bergerac dient im so stolzen wie rauflustigen Regiment der Gascogner Kadetten. Doch anders als die meisten in diesen gefährlichen Zeiten sucht er sich keinen Gönner oder Beschützer bei Hofe. Er bleibt ein Einzelgänger, der sich nur auf sich selbst verlässt.

Doch er hat zwei weiche Stellen. Die eine hat er mitten im Gesicht. Doch Witze oder gar Gedichte über seine übergroße Nase erlaubt er nur sich selbst: "Meine Nase ist enorm! Ist sie weich wie'n Rüssel? Schlenkert wie ein Perpendikel?" Andere bekommen dafür seine Klinge zu spüren: "Ich fordere zum Duell den ganzen Saal!" Die zweite weiche Stelle ist seine Cousine Roxane, die er rettungslos liebt. Doch dies verbirgt er, aus Furcht, sie könnte ihn wegen seiner Nase zurückweisen. Seine einzige Furcht!

Auf der Place Pélissière in Bergerac steht zu Ehren der fiktiven Figur eine Statue.
Auf der Place Pélissière in Bergerac steht zu Ehren der fiktiven Figur eine Statue.
Foto: Shutterstock

Roxane sieht in Cyrano eher einen großen Bruder und Beschützer: "Vor allem dank ich Ihrem Degen, durch den ich diesem fahlen Tropf entrann." Als Cyrano erfährt, dass sich Roxane in einen Kadetten seiner Einheit verguckt hat, den hübschen, aber geistlosen Christian ("als ein blöder Wicht verstumm ich vor den Frauen"), fasst er einen Plan. Er leiht Christian seine Feder, schreibt dessen Liebesgedichte, um zumindest so Roxane nahe zu sein und ihr, gleichsam getarnt, seine Liebe gestehen zu können: "Ich bin dein Geist und du meine Wohlgestalt - zu zweit sind wir ein ganzer Liebesheld."

Die Tücken der Liebe

Der immer wachsende Haufen flammender Liebesbriefe verfehlt nicht seine Wirkung. Doch am Ende geht die Sache schief. Die Gascogner werden eingezogen, und Christian fällt bei der Belagerung von Arras - just in der Sekunde, als Roxane erklärt, sie habe einst an Christian nur den schönen Körper geliebt, nunmehr aber nur noch seinen schönen Geist. Gerade setzt Cyrano zum wichtigsten Geständnis seines Lebens an, da wird der tote Christian ins Lager gebracht. Cyrano schweigt, und Roxane lebt fortan als trauernde Witwe.

Edmond Rostand (1868-1918) hat sich die Figur des Cyrano gleichsam aus der Geschichte geborgt und für sein Stück zurechtgeformt. Der historische Cyrano (1619-1655) war ein Schriftsteller, den unter anderem die Reise zum Mond beschäftigte. Auch in Rostands Bühnenstück hat Cyrano einen furiosen Auftritt als Mann im Mond, der vor den Füßen eines hochgestellten Mannes landet ("von dieser safrangelben Kugel fiel ich!"), den er durch fortdauerndes Gerede von einem Besuch bei Roxane abhalten will.

Der Provenzale Rostand, eigentlich ausgebildeter Jurist, hatte mit dem Cyrano seinen größten Erfolg als Autor. 1903, sechs Jahre nach Erscheinen der dramatischen Komödie, wurde er in die Academie Francaise aufgenommen. Der Cyrano wurde später vielfach verfilmt. Am bekanntesten ist die Version von Jean-Paul Rappeneau 1990 mit Gerard Depardieu in der Hauptrolle. Die Schlusssequenz, in der Cyrano in den Armen von Roxane stirbt, wurde im einstigen Zisterzienserkloster Fontenay in Burgund gedreht. Edmond Rostand selbst starb, nur 50-jährig, an der Spanischen Grippe. 

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