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Höllisches Durcheinander
David Harbour (M.) spielt im Reboot den Antihelden Hellboy.

Höllisches Durcheinander

Foto: Millennium Films
David Harbour (M.) spielt im Reboot den Antihelden Hellboy.
Kultur 1 2 Min. 13.04.2019

Höllisches Durcheinander

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Dieser Film wirkt wie ein langatmiger Anachronismus.

 

„Hellboy“ kommt als Reboot unter der Regie des Horrorspezialisten und eher für die Inszenierung US-amerikanischer Fernsehformate bekannten Neil Marshall zurück ins Kino. Seine Erfahrungen bei „Game of Thrones“ oder anderen Fantasy-, Horror- und Science-Fiction-Projekten in allen Ehren, aber es ist eben etwas anderes, „Hellboy“ nach den Veränderungen im Genre auf der Leinwand der vergangenen Jahre neu starten zu müssen. Und damit unvermeidlich immer noch mit dem Oscar-Gewinner Guillermo del Toro verglichen zu werden, der weit vor dem Rausch der Comic-Adaptationen mit seiner ersten Realfilmfassung des Comics um den 2004 noch eine neue Tür aufbrechen und damals eine recht einzigartige Kinoerfahrung schaffen konnte.


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Mit dem Film des mexikanischen Regisseurs mit Hang zum Fantastischen wurde zudem auch Ron Perlman zum geliebten Darsteller und Interpreten der Comicfigur in roter Dämonengestalt mit den abgeschliffenen Hörnern, der die Welt von allerlei Untoten und höllischen Dämonen befreit.

Nun hat sich aber die Genre-Fangemeinde schon längst an ein anderes Kinoerlebnis und durchexerzierte Leinwandspielarten des Dämonischen, sowie an vom Untergang bedrohte Großstädte gewöhnt. Und was macht Regisseur Marshall? Er setzt einfach einen drauf; angeblich, um dem im Comic vorgegebenen Grundraster von Zeichner Mike Mignola, der auch als Berater bei dem Projekt fungierte, besser nachzukommen. Doch dabei übertreibt er fürchterlich und lässt der Action Raum, wo es eigentlich viel Besseres aus dem Original in den doch insgesamt zwei Stunden Film auszuloten gäbe. So wird aus allen Versatzstücken zwischen Mythologischem und Popkulturanleihen ein mit Rockhymnen musikalisch unterlegtes, ungezügeltes Horrorbilderrauschen, das eine Altersbegrenzung ab 16 mehr als verdient hat.

Horrororgie ohne zündende Idee

Hier dürfen Körper nach allen Spielarten zerteilt, zermalmt und zerfetzt werden. Genügend Blut inklusive. Wer das Horrorgenre mag, bekommt dann auch einiges an Monströsem geboten, was optisch spektakulär funktioniert, aber schlicht ermüdet, weil dafür ein passender Spannungsbogen und Überraschendes fehlen.

Also Gewaltorgie hin oder her, es mangelt einfach schlicht an einem sich unterscheidenden klaren Konzept in der Umsetzung. Die Handlung ist auch kurz umrissen: Hellboy zweifelt an sich. Was ist seine Bestimmung? Wirklich die Apokalypse auszulösen? Warum tötet er Dämonen, wenn er doch selbst einer ist? Sein menschlicher Ziehvater mag ihm die Antwort nicht richtig geben.

Als die Hexe Nimue, die „Queen of Blood“ (gespielt von der sexistisch klischeehaft aufgemachten Milla Jovovich), wiederbelebt wird und ihn dann auch noch zum König des höllischen Paradieses auf Erden machen will, scheint der Held wider Willen auf dem Weg in den Untergang.

Der Versuch, das inhaltlich stark umzusetzen, liegt auch eigentlich im Drehbuch. Dialoghumor, Zweifel der Hauptfigur, Aufopferung und Scheitern – alles da. Dazu die Inszenierung der Verführung und ein Ian McShane als Hellboys Ziehvater Trevor Bruttenholm zwischen Liebe und Übervater – aber es klappt nicht. Und David Harbour als Hellboy verliert letztlich jeden Hauch von Selbstironie.

Das Schlimmste: Der Streifen wirkt an einigen Stellen wie ein Motivationsfilm für US-Soldaten, was besonders in der im Abspann eingefügten Bonus-Szene gipfelt. „Jammer nicht, halte durch, kämpfe“ – ist das Motto. Das könnte auch für manchen Zuschauer, der sich mehr vom Reboot erhofft hatte, spätestens ab der Hälfte es Films gelten.