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Historisches Museum in Basel: Aus für Marie-Paule Jungblut
Marie-Paule Jungblut verlässt das Historische Museum in Basel.

Historisches Museum in Basel: Aus für Marie-Paule Jungblut

Foto: Anouk Antony
Marie-Paule Jungblut verlässt das Historische Museum in Basel.
Kultur 2 Min. 11.09.2015

Historisches Museum in Basel: Aus für Marie-Paule Jungblut

Nach anhaltenden internen Querelen hat das Historische Museum in Basel eine "einvernehmliche Trennung" mit seiner Leiterin, der Luxemburgerin Marie-Paule Jungblut, bekannt gegeben. In einer Stellungnahme spricht sie von "Differenzen".

(ps) - Nach anhaltenden internen Querelen, die zuletzt auch in der Öffentlichkeit ausgetragen wurden, gab das Museum am Mittwoch eine einvernehmliche Trennung von Marie-Paule Jungblut für Ende September bekannt.

Damit verlässt die Luxemburgerin, die vorher als Vizedirektorin am Geschichtsmuseum der Stadt Luxemburg tätig war, nach nur drei Jahren die Stelle in Basel. Über die Gründe der Trennungsvereinbarung wurde Stillschweigen vereinbart. Dies bestätigte auf Nachfrage hin Philippe Bischof, Kulturchef des Präsidialdepartements des Kantons Basel-Stadt. 

Allerdings stand die Leiterin seit längerer Zeit in der Kritik  - zuletzt hatten 20 Angestellte massive Vorwürfe gegen ihren Führungs- und Kommunikationsstil erhoben und von einer "Atmosphäre der Angst" gesprochen. Museumsmitarbeiter seien "gegeneinander ausgespielt" worden, eine Diskussionskultur und ein Meinungsaustausch über die Programmgestaltung sei nicht möglich gewesen. 

Gegenüber dem Luxemburger Wort bezog Jungblut dennoch Stellung und betonte, dass ihre begonnene Neuausrichtung und eine Öffnung des Museums für neue museumspädagogische Ansätze zwar bereits Früchte getragen und sich beispielsweise in den steigenden Besucherzahlen widergespiegelt hätten,  aber bei der weiteren Umsetzung der Strategie Differenzen mit den Baseler Stadtoberen gegeben waren. Diese Differenzen hätten zur einvernehmlichen Auflösung des Vertrags geführt. Marie-Paule Jungblut beschreibt in ihren Fachpublikationen immer wieder neue Wege, Museen an das Publikum anzupassen.

Hier ist die gesamte Stellungnahme:

"Ich wurde nach Basel geholt, um das historische Museum Basel als zeitgemäßes Stadtmuseum auszurichten. Kurz zusammengefasst besteht die Neuausrichtung darin, zusätzlich zum bestehenden museumsaffinen Publikum neue Publikumssegmente zu erreichen, welche auf andere als die „klassischen Vermittlungsformate“ ansprechen, z.B. Afterworks für berufstätige Leute, Infotainment in geeigneten Ausstellungen (siehe die Ausstellung „Fussball. Glaube.Liebe. Hoffnung“, welche 2016 im Musée d'Histoire de la Ville de Luxembourg gezeigt werden wird) und Games zu bestehenden und zukünftigen Sammlungen.

Mit den Verantwortlichen habe ich des Weiteren eine eCulture Strategie für das Historische Museum Basel entwickelt. Diese ist Teil der Publikumsstrategie. Bei der eCulture-Strategie geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch: Zusätzlich zum traditionellen Museumspublikum sollen neue Dialoggruppen, gerade auch nicht –museumsaffine, erreicht und für Museumsthemen begeistert werden: auf innovative Weise und über die Kommunikationskanäle, in denen sie sich aufhalten. Neue Zielpublika zu erschließen, heißt somit auch, sich ihrer Sprache mächtig machen.

Sammlungsarbeit und Forschungstätigkeit sind und bleiben weiterhin ein wichtiger Teil der Gesamtstrategie. Die Gewinnung der Ausstattung der Basler Fototaliers Hoffmann 2015 sowie die Liste der etwa 600 2014 akquirierten, rsp. inventarisierten Objekte im Jahrbuch 2014 des HMB dokumentieren dies bestens. Das Jahrbuch 2014 kann als PDF auf der Website des HMB heruntergeladen werden (www.hmb.ch).

Die neue Ausrichtung hat erste Resultate gebracht. In den ersten 6 Monaten 2015 konnte das HMB seine Besucherzahlen um 27% im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2014 steigern (ausgenommen die Museumsnacht). Mein Artikel "Museum as a social hub" in der September Nummer der Zeitschrift „Forum“ beschreibt, wie sich historische Museen angesichts einer sich wandelnden Bevölkerungsstruktur im 21. Jahrhundert weiterentwickeln können.

Bei der Umsetzung der Strategie gab es Differenzen und aufgrund dieser Differenzen haben das Präsidialdepartement des Kantons Basel Stadt und ich gegenseitig und einvernehmlich die Auflösung meiner Verpflichtungen beschlossen."