Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Hintergrund: Der "Trierer Goldschatz"
Kultur 1 3 Min. 09.10.2019

Hintergrund: Der "Trierer Goldschatz"

Ein Teil der Münzen mit dem beschädigten Kupfergefäß.

Hintergrund: Der "Trierer Goldschatz"

Ein Teil der Münzen mit dem beschädigten Kupfergefäß.
Foto: Rheinisches Landesmuseum Trier
Kultur 1 3 Min. 09.10.2019

Hintergrund: Der "Trierer Goldschatz"

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Er besteht aus über 2.600 Münzen aus dem 1. und 2. Jahrhundert, ist insgesamt 18,5 Kilo schwer und kam durch reinen Zufall ans Tageslicht. Der "Trierer Goldschatz" ist ein weltweit einmaliger Fund.

Der weltweit größte Goldschatz aus der römischen Kaiserzeit (das ist die Zeitspanne von 27 v. Chr. bis 284 n. Chr.) liegt einen Steinwurf von der Luxemburger Grenze entfernt: Im Rheinischen Landesmuseum in Trier. 

Insgesamt umfasst der Schatz 2650 Goldmünzen, sogenannte "Aurei", und hat ein Gesamtgewicht von 18,5 Kilogramm. Die überwiegende Mehrzahl der Münzen wurde zwischen 63 und 168 n. Chr. geprägt, nur einige wenige stammen aus den Jahren 193 bis 196. Insgesamt 27 römische Kaiser, von Nero bis Mark Aurel, oder deren Verwandte, sind darauf abgebildet. "Es ist unser wertvollstes Exponat, sowohl im materiellen als auch im ideellen Sinne", sagt der Archäologe und Direktor des Rheinischen Landesmuseums, Marcus Reuter. 

Sensationeller Zufallsfund

Wie aber kam das Museum an diesen im wahrsten Sinne einmaligen Schatz? Wie so oft: durch reinen Zufall. Im September 1993 waren Bauarbeiter mit Ausschachtungsarbeiten in der Trierer Feldstraße auf dem Gelände des Krankenhauses "Mutterhaus der Borromäerinnen" beschäftigt. Am 9. September 1993 entdeckte ein Hobby-Archäologe in einem Erdhaufen auf der Baustelle erst einzelne Münzen. 

Der Numismatiker Karl-Josef Gilles platziert im Trierer Landesmuseum den Goldschatz in einer Vitrine.
Der Numismatiker Karl-Josef Gilles platziert im Trierer Landesmuseum den Goldschatz in einer Vitrine.
Foto: Thomas Frey/dpa

Als er später mit einem Metalldetektor weitersuchte, fand er insgesamt 1389 Aurei, die durch Erde und Korrosion zum Teil zusammenklebten. Weitere 589 Münzen und einen Teil des Gefäßes, in dem sie enthalten waren, fand er im Kellerraum eines römischen Gebäudes, das beim Baggern freigelegt worden war. Den Rest hatte der Bagger unbemerkt abtransportiert - er fand sich zeitgleich auf einer Baustelle am Trierer Hotel Kockelsberg, wo der Aushub aus der Feldstraße beim Bau eines Parkplatzes verwendet werden sollte. Rund 400 Aurei und den anderen Teil des Gefäßes fanden die Bauarbeiter hier. 

Die Bilanz der Schnitzeljagd: Insgesamt landen am Ende 2518 römische Goldmünzen - teils in Tüten, teils in Eimern - im Rheinischen Landesmuseum. Ob unterwegs etwas "verloren ging" lässt sich nicht sagen. Tüte und Eimer sind heute Teil der Ausstellung. 

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Historische Einordnung

Der "Trierer Goldschatz" entsprach auch für römische Verhältnisse einer enormen Summe - mehr als das Jahresgehalt eines römischen Gouverneurs in den westlichen Provinzen. Dieser hohe Wert und auch die Art der Aufbewahrung in einem speziellen Gefäß, vermutlich in abgepackten Rollen, um die Entnahme zu erleichtern, deuten darauf hin, dass es sich bei den Münzen nicht um privates, sondern um staatliches Geld handelte. 

Auch ein Porträt des römischen Kaisers Didius Julianus (133 o. 137 bis 193) befindet sich unter den Münzen.
Auch ein Porträt des römischen Kaisers Didius Julianus (133 o. 137 bis 193) befindet sich unter den Münzen.
Foto. Rheinisches Landesmuseum Trier

Der Trierer Numismatiker Karl-Josef Gilles, der den Schatz wissenschaftlich ausgewertet hat, vermutet, dass es einen Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg von 196 geben könnte - der Besitzer oder Verwalter des Schatzes könnte überstürzt geflohen sein, ohne später zum Versteck zurückkehren zu können. 

Etwas ähnliches könnte ihn schon einmal während der "Antoninischen Pest" im Jahr 168 widerfahren sein. Die Münzreihe endet hier für rund 25 Jahre - die Pest könnte der Grund gewesen sein, den Schatz sicher im Keller zu verwahren. 

Bedeutung

Münzforscher Gilles nennt den Fund "einen archäologischen Lottogewinn", der die ganze Münzwelt auf den Kopf gestellt habe. Rund 80 bis dato unbekannte Münztypen bzw. Varianten enthält der "Trierer Goldschatz". Im Rheinischen Landesmuseum zählt das "Münzkabinett" zu den Highlights der Dauerausstellung. 

Wert

Der reine Goldwert des Trierer Schatzes liegt laut Museumsdirektor Reuter bei etwa drei bis fünf Millionen Euro, der Sammlerwert dagegen wesentlich höher - man spricht in diesem Zusammenhang nicht nur im übertragenen Sinne von "unschätzbar". Der Finder erhielt damals eine Belohnung von 20.000 D-Mark - und eine lebenslang gültige Freikarte fürs Museum.  

Einbruch vom 8. Oktober

In der Nacht auf Dienstag, den 8. Oktober 2019 gegen 3.45 Uhr versuchten unbekannte Täter den "Trierer Goldschatz" zu stehlen. Die Diebe (die Trierer Polizei geht von zwei Tätern aus) verschafften sich über ein aufgehebeltes Fenster Zutritt zum Museum, die direkt mit der Kriminalpolizei Trier verbundene Alarmanlage löste aber einen großen Polizeieinsatz aus. Die Beamten umstellen das Gebäude, aber die Diebe sind bereits durch den Notausgang in Richtung Palastgarten geflohen.


Der "Trierer Goldschatz" wurde 1993 gefunden. Es handelt sich um den weltweit größten Goldschatz der römischen Kaiserzeit: 18,5 Kilo schwer und rund 2600 Münzen stark.
Landesmuseum Trier: Diebe wollten römischen Goldschatz stehlen
Der Einbruch ins Trierer Landesmuseum ist noch nicht aufgeklärt, die Täter flüchtig. Die Polizei geht davon aus, dass sie es gezielt auf das wertvollste Objekt abgesehen hatten: Den "Trierer Goldschatz".

Aufgrund der Spurenlage stellt sich heraus: Die Diebe haben mit brachialer Gewalt versucht, im Münzkabinett den Glaskubus über dem Goldschatz zu zertrümmern, was ihnen jedoch nicht gelang. So beläuft sich der Sachschaden "nur" auf mehrere tausend Euro.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema