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Hilfen für Künstler: Schnelles Signal
Kultur 5 Min. 19.03.2020

Hilfen für Künstler: Schnelles Signal

Kulturministerin Sam Tanson sieht Handlungsbedarf bei den oft schwierigen Einkommensverhältnissen von Künstlern in Zeiten der Krise.

Hilfen für Künstler: Schnelles Signal

Kulturministerin Sam Tanson sieht Handlungsbedarf bei den oft schwierigen Einkommensverhältnissen von Künstlern in Zeiten der Krise.
Foto: Pierre Matgé
Kultur 5 Min. 19.03.2020

Hilfen für Künstler: Schnelles Signal

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
„Auf den ersten Blick klingt das in der Theorie gut. Allerdings fehlt noch Genaueres zur Umsetzung“, sagt Peggy Wurth, Präsidentin der „Association Luxembourgeoise des Professionnels du Spectacle Vivant“. Dabei nutzen die politisch Verantwortlichen Anpassungen der bereits bestehenden Gesetze und versuchen, mit einem entgegenkommenden Signalen die Szene zu beruhigen.

„Die Künstler waren ja leider gezwungenermaßen als erste arbeitslos; ob durch die Reduzierung der Zuschauerzahlen oder später die Schließung der Bühnen. Das Bewusstsein war schon früh in der jetzigen Krise da. Eben weil wir wussten, wie fragil die finanzielle Situation oft ist und wie sehr Künstler von jedem einzelnen Auftrag abhängig sind. Die Regelungen für die Intermittents du spectacle und die Freischaffenden gibt es ja schon. Wir haben aber geschaut, wie wir die schon vorliegenden Gesetzgebungen anpassen und ergänzen können“, sagt Ministerin Sam Tanson zu den Maßnahmen, die das Kultur- und Wirtschaftsministerium umsetzen wollen. 

Diese Maßnahmen seien dringend notwendig und deswegen auch vom Regierungsrat bereits am letzten Dienstagmorgen in den Grundzügen angepasst und angenommen worden. Ein sektorielles Kultur-Rettungspaket wie in Frankreich ist indes nicht geplant.


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„Noch ist nicht auszumachen, was das an Kosten letztendlich bedeutet. Aber wichtig war uns, eine Kettenreaktion so gut wie möglich zu unterbinden. Sprich, zum Beispiel die Subsides nicht zu streichen, sondern aufrechtzuerhalten, um nicht im Nachgang immer neue Verdienstausfälle zu haben.“ 

Schnelles Handeln und die Frage nach den Konsequenzen

Besonders betroffen sind die Künstler, die nicht fest in einem Unternehmen angestellt oder an eine Institution gebunden sind und sich nicht dank Verträgen und Lehraufträgen an den Schulen oder Konservatorien über Wasser halten können. Bernard Baumgarten, Leiter des Tanzzentrums Trois C-L, hat beispielsweise weitgehend den Betrieb und die Weiterbildungsmaßnahmen bis auf Weiteres absagen müssen. 


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„Wir versuchen nun natürlich dank der Möglichkeiten unsere Künstler zu unterstützen. Wir zahlen zum Beispiel die Masterclass-Honorare, auch wenn diese nicht stattfinden. Aber natürlich macht eine solche Situation schon Sorge – gerade dann, wenn nicht klar ist, wie lange das so weitergehen muss." 

Peggy Wurth, Präsidentin der Association Luxembourgeoise des Professionnels du Spectacle Vivant, wollte noch die genauen Schritte abwarten: „Auf den ersten Blick klingt das in der Theorie gut. Allerdings fehlt noch Genaueres zur Umsetzung. Wir stehen zwar mit dem Ministerium in Kontakt, aber noch fehlen Details zu den einzelnen Maßnahmen. Bis dahin kann ich also noch wenig dazu sagen.“ 

Steve Karier bei seiner Lesung im Social-Media-Projekt  ''Live aus der Stuff'.
Steve Karier bei seiner Lesung im Social-Media-Projekt ''Live aus der Stuff'.
Foto: Lex Kleren

Das Ministerium stellte zwar ein erstes „FAQ“ zu den Maßnahmen auf seiner Homepage bereit, das etwas konkreter das Paket erklärte und Links zu Formularen und Stellen anbot, doch ob und wie zügig diese Anträge bearbeitet werden können, ist fraglich.

Nicolas Steil, Präsident der Theaterfederatioun und Leiter der Filmproduktionsgesellschaft Iris Group, sieht das generell schnelle politische Signal dennoch positiv: „Diese Maßnahmen sind hervorragend und helfen vielen, die im kulturellen Sektor arbeiten und jetzt unter Druck geraten sind. Es wird nun auf die Details ankommen, wann die Maßnahmen auch beantragt und bewilligt werden.“ 

Nicolas Steil steht als Präsident der Theaterfederatioun vor.
Nicolas Steil steht als Präsident der Theaterfederatioun vor.
Foto: Lex Kleren

Als Filmproduzent macht ihm aber noch dieser Sektor, der offiziell in Händen des von Xavier Bettel geführten Medienministeriums liegt, Sorgen: „Neben diesen Maßnahmen für die Künstler auf den Bühnen, gilt es noch daneben, den Bereich der audiovisuellen Produktion auch in den Blick zu nehmen. Deswegen verhandeln wir aktuell mit dem Filmfund und dem Medienministerium, mit welchen Maßnahmen wir die zum Teil um Monate sich verschiebenden Arbeiten bei internationalen Koproduktionen in der Vorplanung oder den Problemen mit den zum Teil eben schon angelaufenen Dreharbeiten unterfüttern können. Das sind eben sehr spezifische Hilfen für die künstlerisch Arbeitenden in diesem Sektor, die über die bisherigen Pakete noch nicht genügend ausgearbeitet sind.“ 

Was geschieht nach der Krise? 

Kulturministerin Sam Tanson sieht in der Krise auch Chancen – ob für die Künstlerinnen und Künstler oder die Bevölkerung: „Wir sind ohne Frage in einer schwierigen Situation. Natürlich müssen wir alles dafür tun, besonders die Risikogruppen zu schützen. Das hat Priorität. Aber insgesamt ist es nun auch eine Zeit des zu sich Findens und sich anders Fokussierens – eben auch auf die Kultur. Bewusster ein Buch zu lesen, Musik zu hören, bewusster das Familienleben miteinander gestalten und neue Möglichkeiten des Zusammenlebens und der Kommunikation auszuprobieren. Und das gilt auch für die Künstlerinnen und Künstler, diese neuen Wege zu erkunden.“ 


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Allerdings gibt es auch Sorgen der Ministerin: „Was passiert, wenn wir aus der Krise wieder herauskommen? Wie werden sich die Verschiebungen der Veranstaltungen bei den Programmplanungen national und international auswirken? Wie können wir den Betrieb wieder auffahren, welche Verträge sind zu halten, welche nicht? Wie reagiert das Publikum nach der Krise? Ich hoffe, dass wir ja wieder zu Veranstaltungen und normalen sozialen Kontakten zurückkommen können. Vieles ist einfach unklar.“

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