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„Hi-Yo, Silver!“: Ein 1,678 Millionen Dollar die Minute teurer Flopp
Kultur 3 Min. 08.08.2013 Aus unserem online-Archiv

„Hi-Yo, Silver!“: Ein 1,678 Millionen Dollar die Minute teurer Flopp

Tonto (Johnny Depp) und Lone Ranger (Arnie Hammer)

„Hi-Yo, Silver!“: Ein 1,678 Millionen Dollar die Minute teurer Flopp

Tonto (Johnny Depp) und Lone Ranger (Arnie Hammer)
Foto: Walt Disney Productions
Kultur 3 Min. 08.08.2013 Aus unserem online-Archiv

„Hi-Yo, Silver!“: Ein 1,678 Millionen Dollar die Minute teurer Flopp

Eigentlich ist es kein Wunder, dass „The Lone Ranger“ von Gore Verbinski, bei der gleich zwei Giganten der Traumfabrik – Walt Disney Productions und Jerry Bruckheimer ("himself") – ihre Kräfte bündelten, floppte.

Von Vesna Andonovic

Eigentlich ist es kein Wunder, dass „The Lone Ranger“ von Gore Verbinski, bei der gleich zwei Giganten der Traumfabrik – Walt Disney Productions und Jerry Bruckheimer (himself) – ihre Kräfte bündelten, floppte.

Einerseits weil das Universum einfach so bestellt ist, dass es etwas wie eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt, die selbst den erfolgreichsten Filmproduzenten lehrt, dass auch er fehlbar ist. Andererseits weil trotz aller Blockbuster-Zutaten – der uramerikanischste aller Filmgenres, der Western; eine ebenso beliebte wie bekannte (Helden) Figur; eine nach klassischem Gut-Böse-Schema gestrickte Geschichte; ein erprobter Kapitän (Gore Verbinski) und überaus publikumswirksame Namen in der Besetzung (allen voran Johnny Depp) –, es stets eine unberechenbare Variable in der Film-Gleichung gibt: das Publikum. Und Letzteres will eben nicht immer so, wie man sich das vorstellt oder ausrechnet.

Denn auch wenn es dem Regisseur der drei ersten Werke aus der „Pirates of the Caribbean“-Erfolgsreihe mit ebendiesen gelang, aus einer Vergnügungspark-Attraktion sogar recht unterhaltsame Filme zu destillieren, so legt er mit „The Lone Ranger“ ein wahrscheinlich zu splitterhaftes Werk hin, um eine einheitlich begeisterte Rezeption zu erfahren. Doch genau deshalb sollte man sich den Film auch ansehen!

Keine Piraten

Wieso also spielte der 250 Millionen Dollar teure Streifen – nach Adam Riese also 1,677 Millionen pro Minute! – also nur läppische 29 Millionen am Eröffnungswochenende ein und wird von der Kritik größtenteils zerrissen? Eine einzige Antwort (wie bei Douglas Adams) hierfür gibt es nicht, wohl aber mehrere Pisten, die es ansatzweise erklären.

Denn ist „The Lone Ranger“ nicht der ultimative filmische Heuler, doch er ist auch definitiv nicht der totale Reinfall, den man sich erwartet hätte, bei den Verrissen.

Vielleicht ist Verbinskis Werk dem amerikanischen Publikum einfach zu unkonventionell unter dem Prädikat „Western“ – einmal abgesehen von der zuweilen etwas zu „geleckten“ Patina: Weckt er von der Form her mancherorts Erinnerungen an den unsäglichen „Wild Wild West“, so nimmt er sich reichlich Zeit (immerhin 149 Minuten!), um seine Geschichte nach ganz konventioneller Art zu erzählen (in diesem Fall durchaus ein Kompliment, da es aufzeigt, dass man den filmischen Code kennt) und die Landschaft als vollwertigen Bestandteil der Besetzung ausschöpft.

Antike Tragik

Dabei schimmert hinter der Western-Hochglanzkulisse und den klar umrissenen und typisierten Figuren (der Alpha-Held, der Rookie, der in diese Rolle hineinwachsen muss, der edle Wilde, der hinterhältige Schurke, die gezeichnete Prostituierte) stets eine gewisse, gar antike Tragik durch.Besonders Johnny Depp muss man zugutehalten, dass er sich mit dem Jack-Sparrow-Touch bei seinem Indianer Tonto zurückhält, im Gegensatz zu Arnie Hammer, der zu oft in eine auf Dauer nervige Karikatur abgleitet.

Vielleicht ist die Herangehensweise des Regisseurs dem Zuschauer, der gezielt in diese Art von Popcorn-Produktion geht, auch einfach zu überintellektualisierend – wobei er mit seiner metaphorischen Eröffnungsszene, die unweigerlich Erinnerungen an Lamorisses „Le ballon rouge“ wachruft, gleich Position bezieht: Hier beschäftigt sich jemand auf ganz persönliche Weise mit einem Kapitel Filmgeschichte und kaut nicht einfach nur Verschlungenes wieder.Nicht von ungefähr drehte der Regisseur seine in Texas angesiedelte Geschichte in der bevorzugten Kulisse des Western-Über-Ich John Ford, sprich der Monument Valley in Utah, kommt die Kavallerie „just in time“ (Lucky Luke lässt grüßen) und mutet der Abspann an wie ein Verschnitt zwischen dem klassischen, dem Sonnenuntergang entgegenreitenden einsamen Helden und Chaplins „Modern Times“.

Womöglich beschwert gerade diese Fülle an filmischen Referenzen und Reverenzen das Konstrukt „Lone Ranger“ letztlich zu sehr für Zuschauer, deren Spaß es nicht ist, diese herauszufinden.

Demnach keine Piraten im Wilden Westen, sondern ein schwer einzuordnender und auch gerade deshalb sehenswerter Film.


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