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Haydn rockt!
Kultur 3 Min. 18.09.2015 Aus unserem online-Archiv
In der Philharmonie

Haydn rockt!

In den gemeinsamen Proben mussten sich der Robert-Schuman-Chor und der Landesjugendchor Saar erst aneinander gewöhnen.
In der Philharmonie

Haydn rockt!

In den gemeinsamen Proben mussten sich der Robert-Schuman-Chor und der Landesjugendchor Saar erst aneinander gewöhnen.
Foto: J. Backes
Kultur 3 Min. 18.09.2015 Aus unserem online-Archiv
In der Philharmonie

Haydn rockt!

Jugendliche nehmen einen der Klassiker auseinander: Haydns "Die Schöpfung" soll am Samstag, dem 19. September, frisch und anders klingen. Zudem hat sich der Robert-Schuman-Chor auch dazu entschieden, ein klares politisches Zeichen in der Philharmonie zu setzen.

Von Daniel Conrad

Leider hält sich das Vorurteil hartnäckig, dass es jungen Menschen an Weitsicht jenseits ihres Smartphones mangele. Doch der anstehende Abschluss des dreijährigen Zyklus rund um Haydns „Schöpfung“ des Robert-Schuman-Chores könnte aufzeigen, was Herausragendes passiert, wenn sich der talentierte Nachwuchs am kommenden Samstag einem scheinbar eingefahrenen musikalischen Klassiker widmet.

Verstärkt vom Landesjugendchor Saar und dem Orchester Estro Armonico wagt sich das Ensemble von jungen Nachwuchssängerinnen und -sängern aus Luxemburg, Frankreich, Belgien und Deutschland am kommenden Samstag, dem 19. September, an Joseph Haydns Oratorium in gesamter Länge. 

Laboratoriumsatmosphäre

„Wir sind furchtbar gespannt, wie das funktionieren wird und was sich quasi als Fazit aus der intensiven Beschäftigung mit Haydn ziehen lässt“, gibt Dirigent Martin Folz zu. Gemeint ist nicht nur die Verzahnung der einzelnen Ensembles, mit denen sich der Robert-Schuman-Chor zum Abschluss seines Zyklus rund um Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ zusammengetan hat, sondern auch, wie die Interpretation eines so jung besetzten Ensembles musikalisch andere Facetten anreißen wird.

„Die, die das Werk kennen, haben es sicher eher im Klangbild eines Oratorienchors gehört, und ich freue mich darauf, gerade diese Frische und Natürlichkeit vorstellen zu können, die unsere Sänger ausstrahlen und die sich in der Philharmonie sicher auswirken werden“, so Folz.

Abgesehen vom Klangbild hat der Chor aber auch in vorangegangenen Programmen innerhalb des Zyklus versucht, inhaltlich Haydns Werk auseinanderzunehmen, neu zu überdenken, mit anderen musikalischen Elementen zu kombinieren und Fragen einer heutigen Generation an diesen Klassiker zu stellen.

Klare Botschaften

„Es ist schon erstaunlich, was sich da alles entwickelt, wenn Jugendliche scheinbar gewohnte Kontexte neu bedenken“, betont Folz. Plötzlich habe der Chor in dem im Zeitalter der Aufklärung entstandenen Werk rund um den biblischen Schöpfungsakt vielschichtige Perspektiven zum Menschsein, der Mahnung zum Frieden, dem Blick auf den Menschen und die Natur oder auch der Geschlechter identifizieren und neu verarbeiten können. Es einfach nur bei der Musik Haydns zu belassen, reicht nicht. Es gelte auch, Zeichen zu setzen. 

Nicht nur die musikalische Auseinandersetzung, sondern auch die inhaltliche macht diese Arbeit der Jugendchöre aus.
Nicht nur die musikalische Auseinandersetzung, sondern auch die inhaltliche macht diese Arbeit der Jugendchöre aus.
Foto: J. Backes

Der Konzertabend soll sich merkbar an den „Internationalen Tag des Friedens“ der Vereinten Nationen am 21. September orientieren. „Wenn wir in diesen Tagen einerseits an die Schrecken des Ersten Weltkriegs erinnern und andererseits die Flüchtlingsproblematik und fehlende Menschlichkeit alltäglich erleben, dann ist es wichtig, dass auch Musiker ihre Stimme erheben und für mehr Verständnis und Frieden eintreten“, so Folz.

Jenseits der gewohnten Interpretationsmuster

Puristen mag diese klare politische Dimension, der bewusste Zusammenprall klassischer und moderner Ansätze, die Beugung und Umdeutung, ja das Umarrangieren des musikalischen Materials durch Folz und den Direktor des Luxemburger Institut européen de chant choral (Inecc), Camille Kerger, in den ersten Zyklusprogrammen des Chores gestört haben. Aber den Verantwortlichen des Großregion-Chores geht es dabei um nicht weniger als „eine echte Chance“ zur Bewahrung und neue Wertschätzung. „Gerade eine solche Herangehensweise trägt dazu bei, dass Menschen auch jenseits des Chores dieses Werk wieder entdecken und neu verstehen lernen“, sagt Folz.

Komplett wird die Bühnenmannschaft mit den Solisten und dem Orchester. Zunächst war geplant, mit dem Orchestre de chambre du Luxembourg (OCL) aufzutreten. Doch das OCL musste sich schon vor Monaten aus dem Engagement zurückziehen. Übernommen hat das Kammerorchester Estro Armonico, das innerhalb des Großherzogtums immer wieder Chören bei Oratorienaufführungen zur Seite steht. „Wir sind sehr dankbar, dass sich das Kammerensemble trotz seiner Arbeit noch zu diesem Projekt entschlossen hat und sich der Verantwortung gegenüber dem Werk und dem Druck eines so renommierten Konzertsaales stellen will“, so Folz.

Starke Solisten

Natürlich dürfen am Samstag auch die drei Solisten zeigen, was sie können: Mit Benoît Giaux kommt einer der früheren künstlerischen Leiter des Schuman-Chores als Solist dazu, Eva Leonardy, eine der bekanntesten Stimmen in der Großregion, übernimmt den Sopranpart und Sebastian Lipp, ein Spezialist im Oratorienbereich, singt die Tenorpartie.

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Am 19. September um 20 Uhr im Großen Saal der Philharmonie, Karten ab 15 Euro (erm. ab 9 Euro) unter Tel. 26 32 26 32 oder über die Webseite www.philharmonie.lu.


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