Hamburger Elbphilharmonie eingeweiht

"Seid umschlungen, Millionen"

Nach zehnjähriger Bauzeit konnte die Elbphilharmonie am Mittwoch ihrer Bestimmung übergeben werden.
Nach zehnjähriger Bauzeit konnte die Elbphilharmonie am Mittwoch ihrer Bestimmung übergeben werden.
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(dpa) - 110 Meter ragt die höchste Spitze der Hamburger Elbphilharmonie in den regnerischen Abendhimmel. Die erleuchtete Glasfassade des Konzerthauses wirkt wie ein Leuchtturm im norddeutschen „Schietwetter“. Es stürmt und es ist kalt. Wegen des schlechten Wetters verzögert sich sogar die Eröffnung um eine halbe Stunde. Doch das scheint die 2100 geladenen Gäste in dem spektakulären Gebäude nicht zu stören.

Mit staunenden Augen werden nicht nur Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die längste Rolltreppe der Welt auf die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe hochgefahren sein. Dort wurden die prominenten Gäste von zahlreichen Journalisten empfangen, bevor sie über geschwungene Treppenaufgänge im hell erleuchteten Großen Konzertsaal verschwanden.

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Nach zehn Jahren Bauzeit und immensen Kostensteigerungen war es am Mittwochabend endlich so weit. Was manch einer schon nicht mehr zu hoffen wagte: Die Hamburger Elbphilharmonie, schon jetzt das neue Wahrzeichen der Hansestadt, sollte mit einem zweieinhalbstündigen Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchester eröffnet werden. Auf der Gästeliste standen Prominente wie Schauspieler Armin Mueller-Stahl, Regisseur Fatih Akin oder Modeschöpferin Jil Sander. Aber auch 500 Menschen, die ein Ticket gewonnen hatten - schließlich soll die „Elphi“ einmal ein „Haus für alle“ sein.

Hamburgs neues Musik-Flaggschiff.
Hamburgs neues Musik-Flaggschiff.
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Für Schaulustige sollte die Musik optisch umgesetzt und als Lichtinstallation auf das spektakuläre Gebäude übertragen werden, „Elphi“-Fans konnten die Feierlichkeiten in einem 360-Grad-Livestream im Internet verfolgen.

Applaus brandete auf, als Chefdirigent Thomas Hengelbrock den Saal betrat und den Festakt mit der Ouvertüre zu „Die Geschöpfe des Prometheus“ von Ludwig van Beethoven eröffnete. Bundespräsident Joachim Gauck sagte in seiner Rede: „Die Bürger dieser Stadt, aber auch viele Menschen in ganz Deutschland haben lange auf diesen Moment gewartet. Und jetzt, wo er endlich da ist, sind wir erst einmal überwältigt: Was für ein Raum, der die Musik so eindrucksvoll in die Mitte rückt. Was für ein wunderbarer Klang, hier in diesem Amphitheater der Tonkunst“, sagte Gauck, der mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt in der ersten Reihe saß.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ein großer Fan klassischer Musik und fast immer bei den Bayreuther Festspielen dabei. Die Kanzlerin saß neben ihrem Mann Joachim Sauer im neuen Konzertsaal, der wie die Berliner Philharmonie im Weinberg-Stil gebaut ist - mit einer Bühne in der Mitte, die von aufsteigenden Zuschauerrängen umgeben ist.

Auf dem Programm des Eröffnungskonzerts stand eine musikalische Zeitreise von der Renaissance bis zur Gegenwart mit Werken von Cavalieri, Liebermann, Messiaen, Praetorius, Wagner und eine Uraufführung von Wolfgang Rihm. Am Ende sollte Beethovens Neunte Sinfonie „Freude, schöner Götterfunken“ natürlich nicht fehlen - auch wenn es dort in einer Zeile heißt: „Seid umschlungen, Millionen!“ - was angesichts der immensen Kostensteigerungen falsch verstanden werden konnte.

Schon jetzt wird die Elbphilharmonie als „Architekturwunder“ und „Jahrhundertbau“ gepriesen. Auch die Besucher aus aller Welt sind begeistert: Bis Januar haben bereits 500 000 Menschen die öffentliche Plaza in 37 Metern Höhe besucht und sich die Aussicht über die Stadt und den Hafen angesehen. Und Karten für die Eröffnungssaison bis Anfang Juli gibt es schon lange nicht mehr. Sollte sich die Prophezeiung von Hamburgs Generalmusikdirektor Kent Nagano bestätigen, der glaubt, die Elbphilharmonie werde „der beste Saal der Welt werden“, stehen Hamburg und die klassische Musik vor einer glänzenden Zukunft.

Die Elbphilharmonie erleben

Die Eröffnung wird ein Medienereignis. Neben zahlreichen Dokumentationen auf vielen Kanälen berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR, unter anderem im Programmangebot von PostTV und Eltrona verfügbar) ab 18 Uhr umfänglich vom roten Teppich bis zum Ende des Eröffnungskonzerts (Beginn Konzert 20.15 Uhr). Arte bietet auf seiner Internetseite arte.tv ab 18.30 Uhr einen Live-Stream und wiederholt das Eröffnungskonzert im deutschsprachigen TV-Programm am Sonntag, dem 15. Januar um 17.40 Uhr (davor zeigt der Kultursender eine Dokumentation zum Neubau ab 16.50 Uhr). 

Mehr dazu findet sich auf der Internetseite des Konzerthauses (dort findet sich auch ein virtueller Rundgang): www.elbphilharmonie.de

Vier Luxemburger in Hamburg

(dco).  Vier Luxemburger  werden die Eröffnung der Elbphilharmonie mit einem besonderen Interesse verfolgen.

Fränz Kremer war noch bis vor kurzem Pressesprecher der Luxemburger Philharmonie. Nun wechselt er in das Redaktionsteam  des spektakulären Konzerthauses in der Hansestadt. 

Der Luxemburger Reeder Hermann Ebel ist Honorarkonsul des Großherzogtums in Hamburg und sitzt im Kuratorium der Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper sowie im Hochschulrat der Musik und Theater-Hochschule der Hansestadt. Über seine „Stiftung Maritim“, die der Reeder zusammen mit seiner Frau Milena 2006 gegründet hat unterstützt er das Hamburger Kulturleben. Die offizielle Spenderliste der Elbphilharmonie führt die „Stiftung Maritim“ mit einem Engagement von über einer Million Euro für Projekte in den Bereichen Konzerte, Musikvermittlung und die Ausstattung des Konzertbetriebs.

Dass sie einmal den Neubau miteröffnen würde, war der Hornistin Amanda Kleinbart des eigens umgetauften „NDR Elbphilharmonie Orchester“ bei ihrer Bewerbung gar nicht so klar. „Das hat man mir erst nach der Zusage vor eineinhalb Jahren eher so im Nebensatz erzählt, und das war schon ein tolles Gefühl, so eine Eröffnung jetzt erleben zu dürfen. Es ist Wahnsinn, ein Teil davon zu sein.“

Hamburg – für die Schauspielerin Marie Jung war schon in jungen Jahren klar, dass sie einmal in der Hansestadt wohnen wollen würde. Marie Jung arbeitet seit der Spielzeit 2015/16 fest im Ensemble an einer „der“ Bühnen Deutschlands, dem Hamburger Thalia-Theater.

Lesen Sie die Porträts der vier Luxemburger (Wort+):

- Fränz Kremer, Hermann Ebel, Amanda Kleinbart und Marie Jung

Schauen Sie sich die Elbphilharmonie auf unserer interaktiven Grafik an (Wort+):

- Die Elbphilharmonie und ihre Superlative

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