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"Großer Kreativer": Bert Theis verstorben
Kultur 1 2 Min. 18.09.2016 Aus unserem online-Archiv

"Großer Kreativer": Bert Theis verstorben

Bert Theis im Jahr 2009.

"Großer Kreativer": Bert Theis verstorben

Bert Theis im Jahr 2009.
Foto: Serge Waldbillig
Kultur 1 2 Min. 18.09.2016 Aus unserem online-Archiv

"Großer Kreativer": Bert Theis verstorben

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Mit einem Statement von Xavier Bettel und Stimmen aus der Kulturszene wie Simone Decker verabschiedet sich Luxemburg von Bert Theis. Der Künstler ist im Alter von 64 Jahren verstorben.

(dco) - Die Todesnachricht ging wie ein Lauffeuer durch Luxemburg und Italien, wo Bert Theis immer wieder gearbeitet hatte: Der Künstler war in der Nacht vom Mittwoch nach langer Krankheit in Luxemburg verstorben, wie zunächst die online-Plattform "Emergenzeweb.it" meldete.

Theis, der über Jahre in Mailand das Isola Art Center mit auf den Weg gebracht hatte, hatte 1995 für Luxemburg an der Kunstbiennale in Venedig teilgenommen. Sein temporärer Pavillon - eingepfercht zwischen dem niederländischen und belgischen Ausstellungspavillon - wurde zu einer Aufsehen erregenden Installation, das auch das Konzept des internationalen Kunsttreffens in der Lagunenstadt in Frage stellte. 

Theis baute für seine Biennale-Teilnahme einen eigenen Pavillon. Sein Name
«Potemkin Lock». Für die Rückschau des Mudam im Jahr 2012 wurde der Pavillon im Museum auf dem Kirchberg wieder neu aufgerichtet.
Theis baute für seine Biennale-Teilnahme einen eigenen Pavillon. Sein Name «Potemkin Lock». Für die Rückschau des Mudam im Jahr 2012 wurde der Pavillon im Museum auf dem Kirchberg wieder neu aufgerichtet.
Foto: Bert Theis

Kulturminister Xavier Bettel würdigte Theis mit einem Statement via Twitter als "großen Kreativen".

In einem Videointerview für das Mudam und dessen Ausstellung Atelier Luxembourg – The Venice Biennale Projects 1988-2011 blickte Theis 2012 auf seine Arbeiten zurück – insbesondere aber auf seine Venedig-Teilnahme bei der er mit dem Pavillon eine Arbeit zeigte, die als Schlüsselwerk zu seinem Kunstverständnis galt -  und zudem als zentraler Baustein für das aufkeimende Bewusstsein für die zeitgenössische Kunst in Luxemburg betrachtet werden kann. 1998 stellte Enrico Lunghi, damals künstlerischer Leiter des Casino -Forum d'art contemporian", unter anderem Theis Werke in der inzwischen legendären Schau "Manifesta 2" aus. 

Theis galt als politischer, Liberalismuskritischer Künstler, der sich mit seinen Werken um Philosophie und Kernfragen der Gesellschaft Gedanken machte. In an die Architektur angelehnte Arbeiten suchte er nach Möglichkeiten, den urbanen Raum zu hinterfragen, ihn zu "manipulieren",  neu zu gestalten und zu bereichern. Mit Building Philosophy legte er dazu 2010 ein eigenes Buch vor, weitergeführt im  Band Fight-Specific Isola, einer Analyse zur letztlich gescheiterten Transformation des Mailänder Stadtteils Isola, in dem er das "Art Center" mit aufgebaut hatte.

Konkret thematisierte er aus seinen Erfahrungen in Italien dann zum Beispiel in Belval 2013 das "Urban Gardening" als Chance für eine neue Lebensqualität. Immer wieder sorgte er an öffentlichen Plätzen für Interventionen – ob in Bruxelles, Paris, Strasbourg, Volterra oder Gdansk.  Theis mischte sich auch in politische Debatten ein: Er beteiligte sich unter anderem im Februar 2015 an einem öffentlichen Aufruf an die luxemburgische Regierung, ein Schulden-Moratorium für Griechenland zu unterstützen.

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Seine Werke wie "Drifters" sind heute Teil der Mudam-eigenen Sammlung:

"Drifters" entstanden 2005/2006 zur Einweihung des Mudam. Heute gehören die "Bänke" zur Mudam-Sammlung.
"Drifters" entstanden 2005/2006 zur Einweihung des Mudam. Heute gehören die "Bänke" zur Mudam-Sammlung.
Foto: Mudam

Im Stadtbild Luxemburgs durfte sich Theis mit einem kleinen Pavillon verewigen - der erst temporär und später dauerhaft an der Philharmonie installiert wurde.

Auf der Place de l'Europe ist mit "European Pentagon, Safe and Sorry Pavilion, 2005" eines der Marksteine Theis' im Stadtbild Luxemburgs zu sehen.
Auf der Place de l'Europe ist mit "European Pentagon, Safe and Sorry Pavilion, 2005" eines der Marksteine Theis' im Stadtbild Luxemburgs zu sehen.
Foto: Anouk Antony

Eine der Kolleginnen aus der Kunstszene, die Theis sehr nahe standen, ist Simone Decker. Sie erinnert sich  -  gemeinsam mit ihrem Mann Christian Pantzer – mit sehr persönlichen Worten, die sie unter anderem auch an Theis' Lebensgefährtin Mariette Schiltz richtet:

"Bert freute sich mal über den so schön unfertigen Charakter unserer Wohnung. Sie hätte somit Platz für Bewegung, auch im Kopf. Er hat immer anders und unabhängig beobachtet, die Menschen und auch die von ihnen gemachten Institutionen zu Austausch, Veränderung und Unabhängigkeit motiviert. Behauptungen lagen ihm fern. Er hat Fragen gestellt (zu allem!). Diese waren immer äußerst klar, präzise, vielschichtig, unglaublich bereichernd und inspirierend! Die langen Gesprächsabende zusammen mit Dir, Bert und Dir, Mariette werden uns immer gegenwärtig bleiben."



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