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„Glas hat ein Eigenleben“
Kultur 3 Min. 14.08.2018 Aus unserem online-Archiv

„Glas hat ein Eigenleben“

Dainis Gudovskis geht beim Formen seiner Glaskunstobjekte sehr impulsiv vor.

„Glas hat ein Eigenleben“

Dainis Gudovskis geht beim Formen seiner Glaskunstobjekte sehr impulsiv vor.
Foto: Lex Kleren
Kultur 3 Min. 14.08.2018 Aus unserem online-Archiv

„Glas hat ein Eigenleben“

Mireille MEYER
Mireille MEYER
Die Glaskünstler Zaiga Baiza und Robert Emeringer haben vor kurzem in Clerf ihre Galerie „Studio Glass Luxembourg“ eröffnet. Laut ihnen ist es die einzige im Land, in der ausschließlich Glasobjekte zu sehen sind.

In dem winzigen, weiß gestrichenen Raum schimmert es in allen Farben. Die Regale stehen voller kleiner und großer Kunstwerke, die, je nach Lichteinfall, ihre unzähligen Facetten zeigen. Geschliffen, poliert, gegossen, geformt oder bemalt, die Objekte zeigen fast alle möglichen Techniken der Glaskunst. Es lohnt sich, Zeit für den Besuch in der Galerie mitzubringen, denn sie hat viel mehr Kunstgegenstände zu bieten, als ein erster Blick erahnen lässt. Die Kunstfertigkeit des jeweiligen Glaskünstlers und die Besonderheit eines bestimmten Objektes lassen sich oft erst erkennen, wenn das Werk aus dem Regal genommen wurde und man es einzeln betrachten kann.

Glas kann auch als Grundlage für Malerei dienen.
Glas kann auch als Grundlage für Malerei dienen.
Foto: Lex Kleren

Dabei sind Zaiga Baiza und Robert Emeringer gerne behilflich. Ein Teil der präsentierten Glaskunst stammt von den beiden in Asselborn lebenden Künstlern und Handwerkern. Dort organisieren sie alle zwei Jahre das Internationale Glasfestival. Im vergangenen Jahr nahmen Glaskünstler aus 27 Ländern daran teil. „Viele von ihnen lassen ihre Werke nach Abschluss des Festivals bei uns stehen“, sagt Rob Emeringer, der bereits seit seinem 14. Lebensjahr mit dem vielseitigen Werkstoff Glas arbeitet. Das Problem aber ist: In Asselborn sieht sie keiner. „Um der Öffentlichkeit diese Glaskunstobjekte zu zeigen, haben wir diese Galerie in Clerf eröffnet“, erklärt er. Glaskunst fristet in Luxemburg seiner Meinung nach ein Nischendasein, und dem wollen er und seine Frau entgegenwirken.

Die Werke von Ivo Lill sind Handarbeit, ohne Einsatz moderner Technologien.
Die Werke von Ivo Lill sind Handarbeit, ohne Einsatz moderner Technologien.
Foto: Studio Glass Luxembourg

Im „Studio Glass“ werden nur die Arbeiten professioneller Glaskünstler ausgestellt. Emeringer bedauert, dass es nicht mehr von ihnen in Luxemburg gibt. Hingegen soll es im Land viele Sammler von Glaskunst geben. Nicht alle haben im August Zeit, am Wochenende des Glasfestivals in den hohen Norden zu fahren. Die fragen dann oft bei Emeringer persönlich nach, ob er noch Ausstellungsstücke bei sich zu Hause hat.

"Memory of a lost generation", ein frei geformtes Werk von Dainis Gudovskis.
"Memory of a lost generation", ein frei geformtes Werk von Dainis Gudovskis.
Foto: Studio Glass Luxembourg

„Es kommt auch immer wieder vor, dass Besucher des Festivals im Nachhinein sich bei uns erkundigen, ob wir noch Stücke eines bestimmten Künstlers zum Verkauf haben“, sagt Rob Emeringer. Das „Studio Glass“ ist nun der Ort, an dem diesen Wünschen entsprochen werden kann. Denn generell kann man alles, was hier zu sehen ist, auch kaufen. „Vielleicht stellen wir mal das eine oder andere Objekt aus unserer privaten Sammlung aus. Das ist dann selbstverständlich nicht käuflich.“

Dieses Werk von Ivo Lill trägt den Titel "Ghost Lights".
Dieses Werk von Ivo Lill trägt den Titel "Ghost Lights".
Foto: Studio Glass Luxembourg

Glas ist ein lebendiges Material

Die Objekte der Ausstellung können Baiza und Emeringer jeden Monat austauschen, so viele haben sie auf Lager. Zusätzlich wollen sie zwei Mal im Jahr den Fokus auf ein, zwei ausgewählte Glaskünstler richten. Aktuell sind das Dainis Gudovskis aus Lettland, den Zaiga Baiza noch aus ihrer Zeit an der Art Academy of Latvia in Riga kennt, er war dort ihr Professor, und Ivo Lill aus Estland. „Ivo arbeitet eher mit kalten Techniken wie schneiden, schleifen und polieren. Dainis formt das Glas, wenn es heiß ist und geht dabei sehr impulsiv vor“, erklärt Zaiga Baiza. Dainis steht vor der Galerie auf dem schmalen Bürgersteig und raucht eine Zigarette. Auf die Frage, was ihn inspiriert, antwortet er: „Literatur aus aller Welt, philosophische Texte und Poesie. Ich lese jeden Tag mindestens zwei Stunden. Musik gibt mir auch Inspiration. In Riga gehe ich jede Woche in ein Konzert.“

Im Studio Glass findet man viele gläserne Kostbarkeiten.
Im Studio Glass findet man viele gläserne Kostbarkeiten.
Foto: Lex Kleren

„Je mehr man mit Glas zu tun hat, desto fantastischer findet man das Material“, sagt Emeringer. „Man kann ein Glasobjekt unendlich viele Male wieder einschmelzen, auch entfärben, und etwas Neues daraus machen. Das funktioniert mit sonst keinem Werkstoff. Natürlich spielt das Licht eine besondere Rolle. Tageslicht, Kunstlicht, je nachdem erhält das Glas eine andere Leuchtkraft. Glas hat ein Eigenleben, es ist ein lebendiges Material. Beim Formen gibt es einem ab und zu die Richtung vor. Es bewegt sich, und man muss dieser Bewegung folgen.“


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