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Geheimnisvolle Szenen und die Schönheiten Frankreichs
Ein großes Plakat wirbt über dem Eingang der Modernen Galerie für die Ausstellung "Slevogt und Frankreich". Anlässlich des 150. Geburtstages von Max Slevogt zeigt das Saarlandmuseum vom 01.09.2018 bis zum 13.01.2019 eine große Werkschau.

Geheimnisvolle Szenen und die Schönheiten Frankreichs

Foto: Oliver Dietze/dpa
Ein großes Plakat wirbt über dem Eingang der Modernen Galerie für die Ausstellung "Slevogt und Frankreich". Anlässlich des 150. Geburtstages von Max Slevogt zeigt das Saarlandmuseum vom 01.09.2018 bis zum 13.01.2019 eine große Werkschau.
Kultur 3 Min. 10.09.2018

Geheimnisvolle Szenen und die Schönheiten Frankreichs

Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums lässt den Impressionisten Max Slevogt auf seine französischen Inspirationen treffen.

von Dietlinde CONRAD

Mit einer opulenten Schau werden zwei Jubiläen aktuell in Saarbrücken gebührend begangen: der 150. Geburtstag Max Slevogts und zugleich das 50-jährige Bestehen der Modernen Galerie der saarländischen Landeshauptstadt. Zur Feier wurden berühmte französische Gäste eingeladen wie Manet, Delacroix, Pissarro, Renoir oder van Gogh.

Landschaften in intensiven, ungewöhnlichen Farben, deren Atmosphäre den Betrachter gefangen nimmt; in ihrer bunten Pracht leuchtende Stillleben oder zeitkritische Grafiken mit Karikaturen gegen die Sinnlosigkeit des Krieges – schon wenige Blicke auf Slevogts Werk lassen seine schier unerschöpfliche Fantasie und seine breit gefächerten Interessen erkennen.

Die klassische akademische Lehre konnte ihm nur als einengend erscheinen, er suchte nach neuen Ausdrucksformen in der Malerei und fand Gleichgesinnte in den Vertretern der französischen Avantgarde des 19. Jahrhunderts.

Ein Studienaufenthalt in Paris, seine engen Beziehungen zur frankophilen Berliner Secession und den Galeristen Cassirer, den Förderern französischer Künstler, führten zu einer intensiven Auseinandersetzung Slevogts mit Malern, die mit Formen, Farben und Motivwahl experimentierten. Ganz besonders bewunderte er Manet, „weil ich in ihm fand, was die Welt so schön macht.“

Spurensuche

Welche Parallelen gibt es zwischen Slevogts Kunst und den Franzosen, wie weit baut seine Arbeitsweise auf diesen Vorbildern auf, was hat er übernommen und dann weiter verwandelt? Der Besucher kann sich auf Spurensuche begeben: Von insgesamt 189 Exponaten, davon 83 aus dem Bestand des Hauses, stammen 78 von französischen Künstlern wie Manet, Courbet, Daumier, Delacroix oder van Gogh. 

Slevogts „Segelboote auf der Alster am Abend“ (1905) zeigt seinen 
herrlichen Umgang mit Farben.
Slevogts „Segelboote auf der Alster am Abend“ (1905) zeigt seinen 
herrlichen Umgang mit Farben.
FOTO: BPK, NATIONALGALERIE, SMB

Gegliedert ist die Ausstellung nach Gattungen wie Landschaften, Porträts, Stillleben, Bühne, Literatur oder Illustrationen und Karikaturen.

Ein neues Sujet hatte sich in dieser Zeit in Frankreich durchgesetzt: Szenen aus dem Alltagsleben griffen die „peintres de la vie moderne“ in vielen Variationen auf. Ein Spiel von Lichtern und Farben schuf Slevogt in „Segelboote auf der Alster am Abend“ (1905). Besonders beliebt wurden Großstadt-Motive. Manets Gemälde „Rue Mosnier mit Fahnen“ (1878), in dem der übergroße signalrote Streifen der Trikolore zu einer ausgefallenen Bildkomposition führt, steht im Dialog mit Slevogts „Unter den Linden“ (1913).

Er machte einen weiteren Schritt hin zur Malerei des 20. Jahrhunderts, indem er Menschen und Umgebung radikaler zu gestaltlosen Farbflecken reduzierte. Maßgebliche Kunstkritiker seiner Zeit hoben bereits hervor, dass sich Slevogt gegenüber den Franzosen „als Persönlichkeit und Künstler vollkommen behauptet“. Oder: „die Berührung mit diesem großen Maler (Manet) hat ihn nicht verwirrt, nur gestärkt und gehoben.“

Frühlingsimpressionen, geheimnisvolle Waldlichtungen, Parkansichten, Schneestimmungen – der Betrachter kann in Landschaftsgemälden schwelgen, denen die größte, im Neubau präsentierte Abteilung gewidmet ist. Viele Werke Slevogts entstanden in der pfälzer Gegend, etwa zum Thema Sommerfreuden in der Natur. Nach seiner Heirat lebte der in Landshut geborene Künstler in Neukastel, später in Godramstein in der Pfalz.

Mit besonderem Stolz zeigt das Museum ein Frühwerk Slevogts: „Gipsmühle in Brebach bei Saarbrücken“ von 1885, die Fabrik des Großvaters mütterlicherseits. Damit korrespondiert Corots „Der Ziegelofen“ (um 1840-45), beides Zeugnisse früher Industrie-Abbildungen.

Van Goghs „Mohnfeld“ (1890) mit seinen schroffen Linien und den lodernden Farben weist auf die Erregung hin, die der Künstler in sein Bild übertrug. Auch in Slevogts „Landschaft bei Godramstein“ (1909) lassen drohende Wolkenformationen und das unheilvoll erscheinende vergehende Sonnenlicht auf emotionale Spannungen schließen.

Zum Jubiläum publiziert das Museum einen Band mit Briefen und Karten Slevogts in einer illustrierten und kommentierten Ausgabe.

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„Slevogt und Frankreich“, bis zum 13. Januar 2019, Moderne Galerie, Bismarckstraße 11-15, D-66111 Saarbrücken. Geöffnet von dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Eintritt (Sonderausstellung): 10 Euro (7 Euro erm.) Mehr Informationen auf: www.kulturbesitz.de


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