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"Game of Thrones": Warten auf ein episches Finale
Kultur 1 7 Min. 12.04.2019

"Game of Thrones": Warten auf ein episches Finale

Die achte und letzte Staffel von „Game of Thrones“ wird ab dem 14. April ausgestrahlt.

"Game of Thrones": Warten auf ein episches Finale

Die achte und letzte Staffel von „Game of Thrones“ wird ab dem 14. April ausgestrahlt.
Foto: HBO
Kultur 1 7 Min. 12.04.2019

"Game of Thrones": Warten auf ein episches Finale

Michael MERTEN
Michael MERTEN
Alte und neue Götter, sadistische Könige und eine Drachenmutter, die ganz nach oben will: Literaturwissenschaftlerin Britta Colligs beschäftigt sich seit 2016 ganz enau mit „Game of Thrones“.

Es ist zwar nur im Bezahlfernsehen zugänglich, doch der Start der finalen Staffel von „Game of Thrones“ (ab 15. April, Sky) ist ein fernsehtechnisches Großereignis, auf das die Fans weltweit hinfiebern. Einer davon ist die Literaturwissenschaftlerin Britta Colligs. Seit 2016 forscht sie zu den beiden großen Buchreihen „Lord of the Rings“ von J. R. R. Tolkien und „A Song of Ice and Fire“ von George R. R. Martin; Letztere ist die Vorlage für den Kampf der Throne. Die 31-jährige Doktorandin an der Uni Trier spricht im Interview über alte und neue Götter, sadistische Könige und eine Drachenmutter, die ganz nach oben will.

Britta Colligs, wenn man Ihnen vor zehn Jahren gesagt hätte: Sie werden mal zu „Game of Thrones“ promovieren können, da hätten Sie wahrscheinlich gesagt: Nie im Leben! Wie kamen Sie zu diesem Forschungsthema?

Das ist wahr! Ich war immer schon ein großer Fan vom Herrn der Ringe und auch von „Ein Lied von Eis und Feuer“. Ich hatte ursprünglich gar nicht vor zu promovieren. Das hat sich aus meiner Magisterarbeit heraus ergeben, für die ich „Lord of the Rings“ mit „A Song of Ice and Fire“ verglichen habe. Ich habe mir die Sekundärwelten angeschaut. Es ging um die Darstellung der Wälder, die Unterschiede zwischen Stadt und Land, die Karten in diesen Fantasiewelten. Die Arbeit mit den Texten hat mir viel Spaß gemacht, weshalb ich das dann weiterentwickelt habe und nach relevanten Themen gesucht habe. Bei Tolkien gibt es ja beispielsweise lebende, laufende und sprechende Baumfiguren, die Advokaten für die Natur sind. Das Thema Ökokritik ist mittlerweile auch in der Literaturwissenschaft relevant.

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Tolkiens Werke sind ja schon deutlich älter als die von Martin. Hat der Umweltgedanke da schon so eine starke Rolle gespielt?

Der Herr der Ringe erschien zwar schon 1956, den Begriff des „eco criticism“ gab es so noch nicht. Aber der Umweltgedanke spielte schon eine große Rolle für Tolkien. Der Kontrast zwischen Natur und Industrialisierung spielt eine große Rolle. Auch bei der Rückkehr des Königs entstehen im idyllischen Auenland industrielle Landschaften, die Bäume werden gefällt, große Mühlen werden aufgebaut. Es ist eine stark emotionale, ein bisschen auch moralische Sichtweise auf den Verlust von Landschaft und steht definitiv im Kontrast zur Stadt.

Wie ist es bei Martin?

In seinen Texten gibt es beispielsweise die Gotteswälder, heilige Bäume, die eine religiöse Funktion ausüben. Sie halten die Verbindung zu den alten Göttern. Es gibt magische Kreaturen, die mit der Natur in Verbindung stehen. Das ist nicht so direkt ein ökologisch-kritischer Blick auf die Umwelt, aber Wälder und Natur haben viel mit Identität zu tun. In der Welt von „Game of Thrones“ schwebt eine Bedrohung über allem: Eine Eiszeit kündigt sich an, die die Balance der Natur aus dem Gleichgewicht bringen kann. Das sehen viele Kritiker als Anspielung auf den Klimawandel, aber ich denke nicht, dass das so ein zentrales Thema bei Martin ist.


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Sie haben die alten Götter bei „Game of Thrones“ angesprochen. In der Reihe ist eine religiöse Welt im Umbruch zu spüren: Es gibt alte und neue Götter. Welche Rolle spielt Religion für die Charaktere?

Spannend ist, dass viele Kulturen und Religionen nebeneinander existieren. Es gibt die alten, bewährten Götter, aber auch neue Götter. Dabei greift Martin auf die britische Geschichte zurück, als nach der Eroberung der Insel das Christentum die alten paganen Naturreligionen verdrängte. Die verschiedenen Religionen konkurrieren in der Buchreihe miteinander, jeder vertritt seine Anschauung. In der Buchreihe ist das sehr differenziert dargestellt, jedes Kapitel wird auch aus der Sicht einer anderen Figur und ganz unterschiedlichem Blickwinkel dargestellt. Es gibt nicht die eine, überlegene, bessere Religion. Für Eddard Stark, einen der Hauptcharaktere und Herrscher des Nordens, ist die alte Religion ein wichtiger Bezugspunkt; er geht beispielsweise in die Götterwälder, wo er nach dem Kampf sein Schwert reinigt. Es ist sein Zufluchtsort. Seine Frau Catelyn aber kommt aus dem Süden, sie hat sich den neuen Göttern verschrieben. Aus ihrer Perspektive wird beschrieben, wie sie erstmals in diese Götterwälder des Nordens einzieht. Es gibt in der Serie auch einen neuen Gott des Lichts, dessen Anhänger Andersgläubige verfolgen und verbrennen.

Wie ist die Rolle der Frauen bei „Game of Thrones“?

Die Reihe spielt ja in einer Welt, die an die Idee des Mittelalters angelehnt ist. Das war eine Zeit, in der Frauen wenig Spielraum hatten; es ist auch eine gewaltbereite Gesellschaft, die vor allem für Frauen ganz oft mit Gewalterfahrungen verbunden war. Martin hat das nicht beschönigen wollen. Man wird als Leser und Zuschauer nicht verschont, da gibt es explizite Gewaltdarstellungen.


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Zu den Mittelalterelementen gesellen sich aber auch Fantasyelemente hinzu.

Ja, aber es ist eher ein Mittelalter-Historiendrama um Politik, Gesellschaft, Identität und Macht, vor allem im ersten Buch und in der ersten Staffel. Die Fantasyelemente, etwa die mythischen weißen Wanderer und die Drachen sind nicht so dominant zu Beginn. Ich glaube, dass auch Leser, die keine Fantasyfans sind, von der Reihe fasziniert sein können, weil die Elemente eher unterschwellig eine Rolle spielen.

Beim Herrn der Ringe gibt es viel klarere Schwarz-Weiß-Muster: Die guten Hobbits, die bösen Orks, Helden und Schurken. Wie ist das bei Martin?

Bei Martin ist das deutlich differenzierter. Es gibt nur ganz wenige eindimensional böse Charaktere, etwa der sadistische König Geoffrey, ein „evil character“. Bei den meisten Figuren spielt sich der Kampf zwischen Gut und Böse in ihnen selbst ab. Sie durchleben eine Entwicklung. Jamie Lannister etwa. Er ist zu Beginn der Königsmörder, den keiner wirklich leiden kann, weil er den kleinen jungen Bran aus dem Fenster stößt. Er ist der Prinz in strahlender Rüstung, der fast ein Kind umbringt und dadurch die Konventionen durchbricht. Als Leser gewinnt man aber ein differenziertes Bild von ihm.

Gibt es auch eine alles überstrahlende gute Figur?

Am ehesten ist das noch Eddard Stark. Für ihn ist die Familienehre enorm wichtig bei seinem Handeln. Er ist der ehrenhafteste Charakter – aber er stirbt direkt. Das hätte man sich, wenn man das Buch nicht gelesen hätte, schon fast denken können, als Sean Bean für die Rolle gecastet wurde. Er ist ein großartiger Schauspieler, aber er stirbt leider in einigen seiner Rollen … Beim Herrn der Ringe hat er übrigens den teils zerrissenen Helden Boromir gespielt, der auch stirbt.


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Welche weibliche Figur ist die berühmteste?

Das ist sicherlich Daenerys Targaryen, die jüngste Tochter des verstorbenen Königs Aerys II., der als der irre König galt. Sie startet als Niemand, wird von ihrem großen Bruder Viserys von einem Mann zum nächsten gereicht. Sie muss in dieser rauen Welt sehr schnell lernen, für sich selbst zu sorgen. Ich finde es faszinierend, wie schnell sie den Weg meistert und sich als Herrin über die Drachen zur Mutterfigur für alle, die sie aufnimmt, entwickelt. Spannend finde ich ihre Art, ihre Leute um sich zu scharen: Sie nimmt ihre Weiblichkeit auf, es ist ihr auch bewusst, wie jung und naiv sie noch ist. Doch das macht sie sich zu eigen: Ich weiß, ich bin jung, ich bin eine Frau, ich habe noch keine Kriege geführt. Aber das und das sind meine Vorschläge. Das macht sie immer stärker. Martin spielt an ihr die Frage durch, was einen guten Anführer ausmacht.

Was macht einen guten Anführer aus?

Daenerys will Königin werden, das ist ihr Anspruch, den sie damit rechtfertigt, dass sie die rechtmäßige Thronerbin ist. Aber sie sieht das als Pflicht an und nimmt ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Um ihr Ziel zu erreichen, tut sie Dinge, die für sie als Person nicht unbedingt von Vorteil sind. Daenerys ist nicht perfekt, sie macht Fehler; aber sie lernt daraus und entwickelt sich.


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Wenn jetzt die finale Staffel der Fernsehserie ausgestrahlt wird, kommt es zu der kuriosen Situation, dass die Buchreihe noch gar nicht zu Ende geschrieben ist. Sie wird wohl noch Jahre brauchen. Wie geht man als Fan damit um?

Als damals die sechste Staffel herauskam, war bei vielen Fans die Frage: Guckst du jetzt erst mal weiter, oder wartest du auf die Bücher? Aber das funktioniert natürlich nicht … Klar ist: Das Ende der Serie ist mit George R. R. Martin abgestimmt, der immer mal wieder auch Episoden mitgeschrieben hat. Die entscheidende Frage, die er mit den Regisseuren abgestimmt hat, ist: Wer sitzt am Ende auf dem Thron? Und wer sind John Snows Eltern? Das Ende der Serie wird so ausfallen, wie Martin das will. Aber wie einzelne Figuren da hinkommen, das ist offen. In den Büchern gibt es viel mehr Charaktere – und auch einzelne Figuren, die in der Serie schon gestorben sind oder umgekehrt. Es gibt die Theorie, dass Martin sich anschaut, was die Leute zum Ende der Serie sagen, und dann entsprechend reagieren wird. Es ist jedenfalls alles noch offen. Und ich glaube, dass das Finale episch wird.  


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