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Futter nicht nur für Hundefans
Kultur 2 2 Min. 14.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Futter nicht nur für Hundefans

Atari (l.) macht sich mit anderen verbannten Hunden wie "Chief" auf die Suche nach seinem treuen vierbeinigen Bodyguard "Spots"

Futter nicht nur für Hundefans

Atari (l.) macht sich mit anderen verbannten Hunden wie "Chief" auf die Suche nach seinem treuen vierbeinigen Bodyguard "Spots"
Foto: 20th Century Fox
Kultur 2 2 Min. 14.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Futter nicht nur für Hundefans

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Erst Eröffnungsfilm der Berlinale, dann auch noch einen Silbernen Bären für die beste Regie und schließlich Abschlussfilm des LuxFilmFest – Wes Andersons „Isle of Dogs“ hat es offenbar den Cinephilen angetan. Letztlich ist sein neunter Langspielfilm Kino mit Herzblut.

So ganz unbekannt ist „Isle of Dogs“ im Land ja nicht mehr, auch wenn er erst in dieser Woche offiziell in den Luxemburger Kinos angelaufen ist. Es war einer der ganz großen Coups der LuxFilmFest-Mannschaft um Alexis Juncosa, den neunten Langspielfilm von Wes Anderson als offiziellen Abschlussfilm bereits Anfang März kurz nach der Aufsehen erregenden Welturaufführung bei den Internationalen Filmfestspielen in der deutschen Hauptstadt zeigen zu können.

Warum er gerade die Fachleute beeindruckt? Schon in seiner Grundanlage überbrückt das Projekt technische und kulturelle Welten und sprüht nur so von Ideen (was dann auch manchmal zu längen führt). Das in Stop-Motion – und damit extrem viel Handarbeit – gedrehte Abenteuer vermischt westliche Denkart mit japanischer (Film-)Kunst, was irgendwie an die Verfahrensweisen von Quentin Tarantino erinnert.

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Es entsteht so etwas wie ein ganz eigener, detailverliebter Kosmos, den der sich so in seiner filmischen Linie ganz treu bleibende Anderson in 101 Minuten entfaltet. So sprechen denn auch die „Menschen“ im Film Japanisch – und werden dabei auch nicht gedolmetscht. Lediglich die Hunde bekommen in der Originalversion ganz prominente Stimmen von Scarlett Johansson, Jeff Goldblum, Liev Schreiber, Bryan Cranston, Bill Murray oder Edward Norton geliehen.

Interessanterweise schieben die Pressezusammenfassungen den Fokus auf Atari, den menschlichen Protagonisten. Doch eigentlich sind die Hunde die Hauptcharaktere, die manchem Kritiker fast zu sehr ausgeleuchtet scheinen. Sicher, Atari treibt die Handlung etwas voran. Nachdem die Hundehasser in naher Zukunft die politische Macht an sich gerissen haben, haben die Köter nichts mehr zu lachen. Als verseuchte Krankheitsüberträger gebrandmarkt, wird die gesamte Art auf eine Müllhalde verbannt – ein politisches Komplott, geschmiedet von Bürgermeister Kobayashi, der mit Hilfe des Feindbildes seine Macht ausbauen und festigen sucht.

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Das erste, stark symbolische Opfer, das auf „Trash Island“ ankommt, ist dann auch gleich der geliebte vierbeinige Freund und „Bodyguard“ seines Mündels Atari, Spots. Den gilt es zu retten; und Atari fliegt auf die Insel. Als er landet, begegnet er einer Truppe von weiteren Verbannten. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche – und kommen dabei hinter manches Geheimnis.

Zwischen Politstatement und handwerklichem Meisterstück

Die internationale, meist positive Kritik macht zur Hintergrundgeschichte ein ganz großes Fass auf und beschwört die Aspekte von dystopisch aufgetischten Faschismus, Rassismus (ja selbst als Vorwurf an Anderson selbst, zu stereotypisch und klischeehaft auf Japan zu blicken), sozialer Exklusion, politischem Machtmissbrauch, der bis zum Mord führt, die Wirkung von Fake-News und gezielter populistischer Propaganda. Und ja, diese Linien lassen sich nicht wegdiskutieren. Aber ist dieser Streifen ein einziges politisches Statement?

Den Film nicht politisch zu sehen, wäre zwar auch falsch. Ihn aber als reine zeitgeistige Kritik an Gesellschaften und politischen Amtsträgern wie Trump und Erdogan einzuordnen, greift sicher auch daneben. Denn letztlich geht es zu allererst um die wirklich unterhaltsame Geschichte von Freundschaften, Aufbau von Vertrauen, Loyalität und Zusammenhalt – und damit in dieser Hinsicht fast schon klassisch amerikanisch.

Jede kleine Bewegung der Protagonisten des Films muss per Hand geformt werden.
Jede kleine Bewegung der Protagonisten des Films muss per Hand geformt werden.
Foto: 20th Century Fox

Und ganz angesehen davon, ist dieser Film im besten Sinn mutig, vieles im Handwerk auszuprobieren oder neu zu kombinieren. Das Storytelling, die Musik von Alexandre Desplat, die Arbeit in jedem einzelnen Bild, der Schnitt, das Gesamtkonzept an sich.

Und dabei lässt „Isle of Dogs“ bei aller Ernsthaftigkeit seiner Handlung schmunzeln – zum Teil durch die humorigen Dialoge, viele Anspielungen und natürlich die Figuren an sich. Ein Hingucker ist er allemal, der mit viel Arbeit einen Zauber auf der Leinwand schafft, von dem sich manch anderer Filmemacher ruhig eine Scheibe abschneiden könnte.