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Frieden und Freiheit
Kultur 1 3 Min. 12.02.2017 Aus unserem online-Archiv
Wiessel mol d'Scheif - Die Musikkritik

Frieden und Freiheit

Robert Schuman Chor: „Message in a Bottle“
Wiessel mol d'Scheif - Die Musikkritik

Frieden und Freiheit

Robert Schuman Chor: „Message in a Bottle“
Kultur 1 3 Min. 12.02.2017 Aus unserem online-Archiv
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Frieden und Freiheit

Thierry HICK
Thierry HICK
Eine besondere Flaschenpost lässt aufhorchen: „Message in a Bottle“ heißt die neuste Live-CD des Robert-Schuman-Chors, dem überregionalen Jugendförderchor, an dem unter anderem das „Institut européen de chant choral Luxembourg“ beteiligt ist.

von Daniel Conrad

Eine besondere Flaschenpost lässt aufhorchen: „Message in a Bottle“ heißt die neuste Live-CD des Robert-Schuman-Chors, dem überregionalen Jugendförderchor, an dem unter anderem das „Institut européen de chant choral Luxembourg“ beteiligt ist.

Und nein: Es sind nicht etwa Arrangements von Sting-Nummern, wie man es aus dem Titel vielleicht assoziieren könnte. Denn der Untertitel „auf der Suche nach einem friedlichen Ort“ zeigt schon, dass hier weit mehr dahintersteckt: Eine besondere Flaschenpost wurde 1986 im französischen Ficquelmont entdeckt.

Junge deutsche Soldaten des Ersten Weltkriegs schrieben darin über das Absurde des Tötens und ihren Traum vom Frieden. 100 Jahre nach der Schlacht von Verdun machte der Chor 2016 die Texte und die darin liegende Botschaft der Flaschenpost zur symbolischen Grundlage seiner Konzerte.

Frieden stiften, Trennendes überwinden – die vereinten Stimmen des grenzüberschreitenden Projekts von jungen Sängerinnen und Sängern aus Luxemburg, Frankreich, Belgien und Deutschland lebten das in den Konzerten eindrucksvoll vor.

Camille Kerger, Emmanuel Sejourné und Martin Folz

Der Live-Mitschnitt dokumentiert Teile dieser Arbeit. Das Besondere: Gleich drei dem Chor verbundene und in Luxemburg aktive Komponisten und Arrangeure liefern die zentralen Komponenten des bei einem Auftritt aufgenommenen Programms – Camille Kerger, Emmanuel Sejourné und Martin Folz. In ihren für das Ensemble anspruchsvollen Stücken spiegelt sich nicht nur die zeitgenössische Musik an sich wider, sondern insbesondere die Texte lassen Reflexionen des Kriegsgeschehens, Schicksale und der Fragen über heutige gewaltsame Konflikte aufscheinen – und implizieren ganz unverhohlen den Wunsch, den Frieden weiterzutragen.

Kaum ein anderer Chor – hier unter der Leitung von Folz und dem Belgier Rainer Hilger – hätte das in der Region so authentisch und eindrucksvoll schildern können – ganz abgesehen davon, die musikalischen Herausforderungen zu bewältigen. So ist diese CD eben auch mehr als ein Album für Experten und Chorenthusiasten, sondern für alle, die sich mit dem Thema Frieden beschäftigen, eine neue, reizvolle Quelle, wie Musik heute ihren Beitrag zur Bewältigung von Konflikten und Erinnerungskultur leisten kann.

Andreas Ottensamer, „der schönste Klarinettist“ der Welt

Ein ganz anderer junger Musiker erobert aktuell die Klassik-Verkaufscharts: Am vergangenen Freitag erschien das neue Album der Österreichers Andreas Ottensamer. Und was das Marketingherz erfreut: Der 27-jährige ist eben nicht einfach nur ein Perfektionist am Instrument und Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, sondern er sieht auch noch mehr als passabel aus. Gar „der schönste Klarinettist“ der Welt, wie „Die Welt“ die zahlreichen, weiblichen Fans zitiert.

Doch einfach hat es der „Schöne“ nicht. Die Konkurrenz sitzt nicht nur ein Platz weiter im Orchester, sondern auch noch in der eigenen Familie. Vater und Bruder sind Soloklarinettisten bei den Wiener Philharmonikern – sich dann auch noch da zu behaupten, ist wirklich nicht einfach.

Doch mit seinem ersten Solo-Album bei Decca sorgt der junge Halbungar, der auch noch Cello, Klavier und Fußball spielt, für ein Ausrufezeichen. Und vielleicht ja auch ein Befreiungsschlag von all den Vorurteilen? Jedenfalls bekommt er Schützenhilfe von den Holzbläserkollegen aus den Reihen der Berliner Philharmoniker: Oboist Albrecht Mayer und Flötist Emmanuel Pahud.

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„Mannheimer Schule“

Werke im Einflussbereich der „Mannheimer Schule“ aus dem frühen 18. Jahrhundert stehen auf dem Programm. Auch wenn er zum Beispiel Mozart für das Gespann mit Pahud umbaut – und damit Puristen erst einmal vor den Kopf stößt, bleibt man gefasst. Denn wer je einmal versucht hat, aus einer Klarinette einen sauberen Ton herauszubringen, wird erstaunt sein, wie herrlich weich das Instrument in den Händen eines solchen Instrumentalisten klingen kann. Leicht, feinfühlig, spielerisch virtuos und einfach wunderbar leicht zu hören.

  • Robert Schuman Chor „Message in a Bottle“ Herausgeber: INECC, 10 Euro  CD erhältlich über das Institut www.robert-schuman.net/kontakt
  • Andreas Ottensamer New Era – Stamitz / Danzi / Mozart Label: Decca, 71:45 Min. Preis: 16,99 E (CD), 9,19 E (Download) www.andreasottensamer.com

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