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Jean-Paul Belmondo ist tot
Kultur 8 2 4 Min. 06.09.2021
Französische Filmikone

Jean-Paul Belmondo ist tot

Archivfoto vom 22. Februar 1987. Jean-Paul Belmondo im Marigny-Theater in Paris in einem Stück des französischen Dramatikers Jean-Paul Sartre.
Französische Filmikone

Jean-Paul Belmondo ist tot

Archivfoto vom 22. Februar 1987. Jean-Paul Belmondo im Marigny-Theater in Paris in einem Stück des französischen Dramatikers Jean-Paul Sartre.
Foto: AFP
Kultur 8 2 4 Min. 06.09.2021
Französische Filmikone

Jean-Paul Belmondo ist tot

Für viele war er einfach nur Bébel, Jean-Paul Belmondo, ein Schauspieler der Nouvelle Vague und actionbetonter Komödien, eine Ikone der siebten Kunst.

(dpa/AFP/mt) - Der Schauspieler Jean-Paul Belmondo, eine französische Filmikone, ist am Montag im Alter von 88 Jahren in seinem Haus in Paris gestorben, wie sein Anwalt gegenüber AFP erklärte. „Er war schon seit einiger Zeit sehr müde. Er ist in aller Stille gestorben“, sagte sein Anwalt Michel Godest. Der Mann mit dem Spitznamen Bébel spielte in 80 Filmen mit und hinterließ unvergessliche Rollen: ein junger Schauspieler in „A bout de souffle“ oder hängend aus einem Hubschrauber über Venedig in „L'homme de Rio“. 

Lässig, unverschämt und unerschrocken: Jean-Paul Belmondo faszinierte die größten Regie-Meister Frankreichs. Jean-Luc Godard, Claude Sautet, François Truffaut und Philippe de Broca rissen sich um den jugendlichen Typ in enger Jeans und knapper Jacke. Mit Filmen wie „A bout de souffle“, „La sirène du Mississipi“ und „L'homme de Rio“ schrieb er Filmgeschichte. Nun hinterlässt er seiner Nachwelt mehr als 80 Filme - und das Bild eines Haudegens mit breitem Grinsen und zerknautschtem Boxergesicht.

Belmondo wurde zum Aushängeschild der Kino-Rebellen  

Herzensbrecher, Draufgänger, Rebell: Mit „ A bout de souffle “ machte Jean-Luc Godard im Jahr 1959 den damals 26-jährigen Belmondo über Nacht zu einem Star. Die Filmbewegung Nouvelle Vague, die vor allem um die 1960er-Jahre erfolgreich dem Kommerzkino den Rücken kehrte, setzte mit einer unkonventionellen Erzählstruktur neue cineastische Maßstäbe. Der Film wurde zu einem Meisterwerk und Belmondo zum Aushängeschild der Kino-Rebellen, zu denen auch Truffaut, Claude Chabrol und Eric Rohmer zählten. 

Unsterblich werden – und dann sterben.

Jean-Paul Belmondo in "A bout de souffle"

In „A bout de souffle“ spielt Belmondo den Polizistenmörder Michel, der von seiner Freundin verraten wird. In dem Kriminaldrama, mit dem Godard den amerikanischen Gangsterfilm und Humphrey Bogart feiert, verkörpert er den Geist des Anarchismus: cool, lässig, unverschämt und existenzialistisch.

Wie er die Zigarette zwischen den Fingern dreht, sich den Hut in die Stirn zieht, sein entschlossener Gang, das überlegene Grinsen und die Art, wie er den Daumen à la Bogart über seine wulstige Lippe streicht: Belmondo drückte den Filmen auch mit Gesten und Blicken seinen Stempel auf.

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„A bout de souffle“ ließ früh sein Talent als Darsteller von Ganoven und Gangstern erkennen. Und so holte ihn Claude Sautet in „Classe tous risques “ als jungen Gangster und Handlanger vor die Kamera. In „Le Doulos“ lässt ihn Jean-Pierre Melville einen Polizeispitzel spielen. François Truffaut drehte mit ihm „ La sirène du Mississipi“ und Jacques Deray „Borsalino“.

Melancholie und Verletzbarkeit

Doch Belmondo war wandlungsfähig. Dass ihm auch Melancholie und Verletzbarkeit gut standen, bewies er 1960 in „ Moderato cantabile“ von Peter Brook. Den Abenteurer und Actionhelden brachte Philippe de Broca in „Cartouche“ und in „L'homme de Rio“ zutage.


(FILES) In this file photo taken on May 13, 2011, French actor Michel Piccoli attends the press conference of "Habemus Papam" presented in competition at the 64th Cannes Film Festival in Cannes. - French screen legend Michel Piccoli dead age 94, AFP learnt on May 18, 2020. (Photo by Anne-Christine POUJOULAT / AFP)
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Seine Rollenvielfalt und ungebrochene Ausdruckskraft machten ihn für Melville zu einem der außergewöhnlichsten Schauspieler seiner Generation. Sein ewiger Rivale war Alain Delon. Doch an Belmondos komödiantisches Talent kam der Schönling nicht heran. Die Franzosen nannten Belmondo liebevoll „Bébel“. Für Delon gab es keinen Spitznamen.

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In den 70er-Jahren begann der durchtrainierte Schauspieler sich immer mehr als Komödiant und Actionstar zu profilieren. Dabei riskierte er auch Kopf und Kragen, denn er kam in den meisten Filmen ohne Double aus. Unerschrocken kletterte er an Strickleitern zu Helikoptern hoch und sprang über fahrende Züge. Als er sich in „Hold-up“ bei einem Stunt am Kopf verletzte, machte er mit seinen halsbrecherischen Unternehmen Schluss. Da war er 52.


Jean-Paul Belmondo und seine Freundin Barbara Gandolfi freuen sich über seine neue Trophäe.
Goldene Palme für Belmondo
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Vom Wandertheater ins Kino-Olymp zurück zum Theater

Belmondo war kampferprobt. Das lehrte ihn nicht nur das Kino. Als Berufsboxer hatte sich der Sohn eines Pariser Bildhauers über das Wandertheater bis hoch in den Kino-Olymp gekämpft - um dann in den 1980er Jahren wieder tief auf die Erde zu fallen. Als sich das Kino von ihm abwandte, kehrte er wieder zu seinen Anfängen zurück, dem Theater. Im Jahr 1991 erwarb er in Paris schließlich sein eigenes Schauspielhaus und verwirklichte damit einen Jugendtraum. Belmondo stand in mehr als 40 Rollen auf der Bühne. 

Im Jahr 2010: Der französische Schauspieler Alain Delon legt seinen Arm um seinen Schauspielerkollegen Jean-Paul Belmondo in Boulogne-Billancourt während der Eröffnung des Paul-Belmondo-Museums, das dem Werk des Vaters von Jean-Paul Belmondo, dem Bildhauer Paul Belmondo in Boulogne-Billancourt, außerhalb von Paris, gewidmet ist.
Im Jahr 2010: Der französische Schauspieler Alain Delon legt seinen Arm um seinen Schauspielerkollegen Jean-Paul Belmondo in Boulogne-Billancourt während der Eröffnung des Paul-Belmondo-Museums, das dem Werk des Vaters von Jean-Paul Belmondo, dem Bildhauer Paul Belmondo in Boulogne-Billancourt, außerhalb von Paris, gewidmet ist.
Foto: AFP

Nicht nur vor der Kamera musste der Haudegen Schläge einstecken. Im November 1999 erlitt er in der westfranzösischen Stadt Brest auf der Bühne einen Herzanfall und im August 2001 auf Korsika einen Schlaganfall. Seine vier Kinder stammen aus den Beziehungen mit der Tänzerin Elodie Constantin und Nathalie Tardivel. Seine Liaison mit der rund 40 Jahre jüngeren Barbara Gandolfi endete 2012 nach vier Jahren mit einer Trennung.  

„Unsterblich werden – und dann sterben“ sagte Belmondo in „A bout de souffle“. Der Film dauert knappe neunzig Minuten. Aus Belmondo jedoch hat er eine Legende gemacht.     

 

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